Stammplatz-Forderung Deisler wird keck
Hamburg - "Ich habe keine Lust mehr, auf der Bank zu sitzen. Mit Fünf-Minuten-Einsätzen gebe ich mich nicht zufrieden, ich will kontinuierlich und von Anfang an spielen", sagte Deisler dem "Kicker". Der 25-Jährige hatte im Bundesliga-Spiel am Samstag beim SC Freiburg erstmals seit dem 16. Oktober wieder in der Startelf der Münchner gestanden und in der 52. Minute das 1:0-Siegtor erzielt.
Kürzlich noch hatte der Münchner Präsident Franz Beckenbauer Deisler einen Vereinswechsel empfohlen. "Ich will mich bei Bayern durchsetzen, zu hundert Prozent. Dafür trainiere ich", sagte Deisler, der in Freiburg erst das vierte Bundesligaspiel dieser Saison bestreiten konnte. Der ehemalige Gladbacher war wegen zahlreicher Verletzungen und der Erkrankung an Depressionen lange ausgefallen.
"Ich glaube nicht, dass es bei Bayern je einen solchen Konkurrenzkampf gegeben hat wie in diesem Jahr im Mittelfeld", urteilt Deisler. Dabei könnte er schon in der Viertelfinalpartie des DFB-Pokals am Mittwoch - wiederum in Freiburg - vom Verletzungspech Mehmet Scholls profitieren. Deislers Mittelfeldrivale erlitt beim ersten Auswärtssieg der Bayern in diesem Jahr einen Muskelfaserriss im Oberschenkel und fällt vorerst aus.
"Sebastian benötigt noch viel Spielpraxis"
Deisler will nicht nur im Verein wieder angreifen, auch für seine DFB-Karriere hat er sich einiges vorgenommen. "Ich will so bald wie möglich wieder dabei sein", sagte Deisler, "ich will alle Programme mitmachen, die anderen Spieler kennen lernen und kontinuierlich spielen." Am 8. September vergangenen Jahres hatte er gegen Brasilien (1:1) sein letztes von bisher 22 Länderspielen bestritten.
Klinsmann-Assistent Joachim Löw, der Deisler in Freiburg beobachtet hatte, dämpft jedoch die Erwartungen. "Sebastian benötigt noch viel Spielpraxis, das hat man auch gesehen", sagte Löw nach der Partie am Samstag. Erst vor wenigen Tagen hatte der frühere Bundesligatrainer angekündigt, dass erst im Sommer ein Gespräch mit Deisler geführt werde.
Dies, betonte Löw, sei auch mit dem Münchner Club so abgesprochen: "Wir haben uns geeinigt, dass sich Sebastian erst einmal im Verein durchsetzen muss, bevor er wieder ein Thema für die Nationalelf wird." Bayern-Coach Felix Magath sieht Deisler grundsätzlich auf einem guten Weg. "Ich freue mich für Sebastian, dass er in der Bundesliga wieder getroffen hat. Das wird ihn weiterbringen. Wir wollen ihn in der Rückrunde integrieren."