Stefan Effenberg "Ich wäre ein guter Trainer"
München - Sein Abschied von Bayern München am Saisonende ist längst geplant, der Umzug in die USA vorbereitet, doch ein Leben so ganz ohne Fußball kann sich Stefan Effenberg offenbar noch nicht vorstellen. "Es ist noch nicht Zeit für mich. Ich will noch Fußball spielen", erklärte der 33 Jahre alte Ex-Nationalspieler in einem Interview der "Welt am Sonntag".
Wohin er nach Ablauf seines Vertrages beim deutschen Meister wechseln wird, steht für Effenberg allerdings noch nicht fest. "Mein Vertrag lief noch nie aus. Es kribbelt, man ist gespannt, was kommt. Aber man muss ja auch nicht alles kommentieren." Seine Frau Martina, zugleich auch Managerin, ergänzte: "Wir werden uns in den kommenden Wochen und Monaten anschauen, was sich anbietet."
"Die Bayern wussten das"
Wert legen die Effenbergs auf die Feststellung, dass dies von
Beginn an so geplant war, dass ein Verbleib beim FC Bayern nach dem
30. Juni 2002 in ihrer Lebensplanung nicht zur Diskussion gestanden
habe. "Es stand immer fest, dass wir nicht verlängern. Die Bayern
wussten das", versichert "Effe". Das Buhlen des Vereins um
Sebastian Deisler habe bei dieser Entscheidung keine Rolle gespielt.
Den Zeitpunkt des Abschieds vom Champions-League-Sieger hält
der etatmäßige Mannschaftskapitän, der nach langer Verletzungspause
vor seinem Comeback steht, für passend. "Es war durch und durch
eine schöne Zeit. Aber irgendwann muss man sich doch selbst sagen,
man orientiert sich jetzt anders. Was soll ich denn bitteschön noch
gewinnen hier nach den schönen und erfolgreichen Jahren?"
Dem potenziellen Nachfolger Deisler prophezeit Managerin
Martina eine schwierige Anlaufphase. "Deisler hat einen undankbaren
Job. Was soll er besser machen? Welchen Titel soll er holen, den
der Stefan und die Mannschaft nicht schon gewonnen haben? Das wird
sehr schwer. Mir tut das Leid. Ich gönne ihm ja den Erfolg, aber er
muss wissen, das es kein Selbstläufer ist."
Erst England, dann Florida
Seine Zukunft sieht Effenberg zunächst in England, ein Jahr, "oder zwei,
ich setzte mir da kein Limit", wolle er dort noch Fußball spielen.
Auf jeden Fall aber wird er später in die USA übersiedeln, wo er in
Florida ein Haus baut: "Das ist es, was wir seit Jahren planen. Unsere Kinder sind vorbereitet", so
Martina Effenberg.
Für Effenberg ist allerdings auch auf Dauer ein Leben ohne
Fußball nur schwer vorstellbar. "Ich bin überzeugt davon, dass ich
ein guter Trainer wäre", betont er: "Und wenn irgendwann mal das
Telefon klingelt und einer fragt: Komm zu uns als Teamchef, dann
werde ich überlegen. Aber bis dahin können zwei Jahre vergehen,
oder fünf." Allerdings, so Effenberg, "wehre ich mich dagegen, aus den Fußballschuhen auf die Trainerbank zu wechseln. Ich möchte das Leben genießen. Ich brauche ich ein Break".
Probleme haben die Effenbergs derzeit nur noch mit Lothar
Matthäus. Der Rekordnationalspieler habe dem Verein "Help Me e.V.",
mit dem das Paar in Thailand in Not geratene Kinder unterstützt,
mindestens 50.000 Mark aus dem Erlös seines Abschiedsspiels vom 25.
Mai 2000 als Spende zugesagt, das Geld, so Martina Effenberg, sei aber noch immer nicht eingetroffen.