Stefan Effenberg: "Keine Entscheidung des Herzens" - DER SPIEGEL
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Stefan Effenberg "Keine Entscheidung des Herzens"

Nach drei Tagen Bedenkzeit hat sich der Mittelfeldspieler von Bayern München definitiv gegen ein Comeback beim DFB entschieden. Auch ein letzter Überredungsversuch von Teamchef Rudi Völler konnte ihn nicht überzeugen.
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Friedewald - Stefan Effenberg hat DFB-Teamchef Rudi Völler einen Korb gegeben und kehrt nicht in die deutsche Fußball-Nationalelf zurück. Nach wochenlangem Hin und Her teilte der 31 Jahre alte Kapitän des Deutschen Meisters Bayern München am Mittwoch im Trainingslager im hessischen Friedewald seinen mit Spannung erwarteten Entschluss mit.

"Die nächsten Länderspiele werden 100-prozentig ohne mich stattfinden, ich werde nicht zurückkommen", erklärte Effenberg vor zahlreichen Kameras: "Es war eine Entscheidung des Verstandes, nicht des Herzens. Ich hatte ein Comeback für kurze Zeit im Kopf, aber es spricht zu viel dagegen. Es wäre nicht sinnvoll gewesen, noch einmal zurückzukehren."

Der Ort des staatstragenden Auftritts war passend gewählt. Acht Kamerateams und 80 Journalisten waren in den Rittersaal des noblen Mannschaftshotels Prinz von Hessen gekommen, um Effenbergs Worten zu lauschen. Punkt 12.12 Uhr betrat der Mann des Tages in blauer Trainingshose und weiß-rotem Bayern-Dress den Saal - der Rest des Auftritts war schnell erledigt.

Er habe das Für und Wider über die letzten drei, vier Tage genau abgewogen und sich auch mit Münchens Manager Uli Hoeneß und Trainer Ottmar Hitzfeld beraten, erzählte Effenberg, nachdem er am Freitag im Münchner Vorort Martinsried mit Völler lange über "Gott und die Welt und natürlich auch über die Nationalmannschaft" gesprochen hatte.

"Eine Zeit lang hatte ich im Kopf, es den Leuten zu beweisen, dass man so etwas auch in meinem Alter noch hinkriegen kann", sagte Effenberg weiter. Am Ende aber siegte doch die Vernunft. Die Gründe der Absage lagen auf der Hand und waren dieselben, die schon im September 1998 nach seinem Kurz-Comeback beim Malta-Ausflug der DFB-Elf unter Berti Vogts den Ausschlag für den Rücktritt gegeben hatten.

"Mein Körper braucht seine Erholungsphasen", erkannte Effenberg, der seine Achillessehnenreizung aus der vergangenen Saison immer noch nicht auskuriert hat und deswegen um seinen Einsatz beim Saisonstart der Bayern am 11. August gegen Hertha BSC Berlin bangen muss. Auch die Familie sei für seine Entscheidung sehr wichtig gewesen. "Ich möchte die Zeit haben, mich mit meinen Kindern viel zu beschäftigen. Sie waren sehr unruhig in den letzten Tagen und haben mich gedrängt, es nicht zu tun."

Teamchef Rudi Völler nahm Effenbergs endgültige Absage mit Bedauern, aber Respekt auf. "Es ist schade, dass er sich nicht zu einem Comeback entschließen konnte. Andererseits habe ich volles Verständnis dafür", sagte Völler: "Aus meiner eigenen Zeit als Aktiver weiß ich um die Probleme, die es auf Grund der extremen Belastung gerade bei schon ein wenig älteren Spielern geben kann."

Jetzt muss der Übergangs-Teamchef des DFB den Neuaufbau der Nationalelf bei seinem Debüt am 16. August in Hannover gegen Spanien ohne Effenberg einleiten. Warum Völler den alten Weggefährten überhaupt zurückholen wollte, hatte "Effe" schnell erklärt: "Rudi hat gesagt, er braucht zwei, drei Spieler, die das Spiel prägen, die gewisse Dinge in die Hand nehmen und Verantwortung übernehmen. Darauf hat er nach unserem Gespräch gehofft."

Trotz der Absage bleibt Effenbergs Verhältnis zu Völler ungetrübt. Schon am Dienstagabend informierte Effenberg den Teamchef über seinen Entschluss. "Rudi hat mir gesagt, er versteht meine Entscheidung und akzeptiert sie. Unsere Freundschaft bleibt bestehen."

Es wird also bei 35 Länderspielen für Effenberg bleiben, der nach der "Stinkefinger-Affäre" bei der WM 1994 in USA schmählich aus dem DFB-Kreis verstoßen worden war und 1998 während der Malta-Reise noch einmal zwei Länderspiele (2:1 gegen Malta/1:1 gegen Rumänien) bestritten hatte. Effenberg wird das Schicksal der DFB-Auswahl unter Völler aufmerksam verfolgen, sich selbst aber nur noch auf die Bayern konzentrieren.

Das Risiko der Rückkehr war ihm schlichtweg zu hoch. "Keiner kann mir die Sicherheit geben, dass die Nationalelf mit mir zur WM 2002 gekommen wäre. Wenn es nicht gelaufen wäre, wären sicher alle auf mich losgegangen", gestand Effenberg: "Das muss ich nicht mehr haben. Ich habe meine Erfüllung beim FC Bayern."