Stimmen "Ausgerechnet Kahn"
Jürgen Klinsmann (Fußball-Weltmeister 1990):
Es tut natürlich
weh, gerade für Olli Kahn, der uns mit seinen überragenden Leistungen
erst ins Endspiel gebracht hat. Aber: Das Ergebnis geht natürlich in
Ordnung. Die Brasilianer waren einfach abgezockter. Aber auch die
deutschen Spieler können stolz auf das sein, was sie erreicht haben.
Sie haben mit viel Herz gekämpft und das maximale aus sich heraus
geholt. Vizeweltmeister - das ist doch auch toll.
Jürgen Grabowski (Fußball-Weltmeister 1974): Die deutsche
Mannschaft hat heute überragend gespielt. Deshalb ist es eine bittere
Niederlage. Allerdings hatten die Brasilianer die besseren Chancen.
Deshalb sind sie ein würdiger Weltmeister.
Wolfgang Clement (NRW-Ministerpräsident): Das war ein tolles
Endspiel, eine Werbung für den Fußball. Auf die Leistung kann die
deutsche Elf aufbauen. Sie hat alle Schlechtredner widerlegt. Der
Lapsus von Kahn war eine bittere Szene, aber Kahn hat so viel für das
deutsche Team getan, dass alle mit ihm fühlen.
Bernd Schneider: Es hat nicht ganz gereicht, weil wir heute
vielleicht zu gut gespielt, aber kein Tor erzielt haben. Uns hat
heute das Quäntchen Glück gefehlt, das wir in den anderen Spielen in
den entscheidenden Momenten hatten. Wie es in mir aussieht, ist
Privatsache, aber eins ist ganz sicher: Nicht gut.
Christoph Metzelder: Glückwunsch an die Brasilianer! Am Rande
einer Niederlage. Wir können uns keinen Vorwurf machen. Es hat nicht
sollen sein. Ab morgen gibt es nur noch ein Ziel: Die WM in
Deutschland 2006. Man geht am Pokal vorbei und darf ihn nicht
mitnehmen. Das ist einfach traurig.
Martin Buß, Weltmeister im Hochsprung: Ausgerechnet Oliver
Kahn macht einen solchen Fehler. Er hätte mal den Mund nicht so
groß aufmachen sollen. Auf mich hat er oft etwas arrogant gewirkt.
Aber Brasilien hat verdient gewonnen, Deutschland vor allem in der
ersten Halbzeit gut mitgehalten.
Jens Weißflog, Skisprung-Olympiasieger: Schade. Die Deutschen
haben sehr gut gespielt und alles gegeben. Kahn braucht sich keine
Vorwürfe zu machen. Der Ball war nass und der entscheidende Fehler
ist vorher in der Abwehr passiert. Dieses Ergebnis wird den
Weltfrieden nicht gefährden.
Jochen Behle, Skilanglauf-Bundestrainer: Die Deutschen haben
ihr bestes Spiel bei der WM gemacht. Der Sieg für Brasilien war
trotzdem verdient, denn sie hatten eindeutig die größeren Chancen.
Kahn musste das Ding zwar halten, aber deswegen bricht dem besten
Torhüter der Welt kein Zacken aus der Krone. Die Deutschen können
sich als Vizeweltmeister nicht beschweren und in fünf, sechs Tagen
werden sie auch mit dem Ergebnis zufrieden sein.
Klaus Wowereit (Regierender Bürgermeister): Schade, es war ein
gutes Spiel. In Berlin freuen wir uns über zwei Mannschaften:
Deutschland und die Türkei.
Gregor Gysi (Wirtschaftssenator): Die Tragik liegt darin, dass
die Mannschaft das Spiel verloren hat, in dem sie am besten gespielt
hat. Sie hat gegen einen großen Gegner verloren. Der Umstand, dass
Franz Beckenbauer mit einer Final-Niederlage begonnen hat, gibt
Hoffnung, dass Rudi Völler die deutsche Mannschaft in vier Jahren zum
Titel führen kann.
Marcelinho (Spielmacher Hertha BSC): Ronaldo hat den Unterschied
gemacht. Brasilien hat alle sieben Spiele bei der WM gewonnen und
auch das Finale gegen eine starke deutsche Mannschaft, deswegen ist
der Sieg verdient. Aber auch Deutschland hat in der zweiten Halbzeit
gut gespielt.
Franz Beckenbauer: Ich denke wir haben ein gutes Spiel gesehen.
Vor allem in der zweiten Halbzeit da tobte das Spiel rüber und
'nüber. Wer immer das Tor gemacht hätte, wäre als Sieger von Platz
gegangen. Dann kamen die Doppelschläge von Ronaldo. Solche Leute
kannst du nie 90 Minuten lang ausschalten. Der Fehler von Oliver Kahn
hat mich sofort an 1986 im Finale von Toni Schumacher erinnert. Man
wird nie an Oliver Kahn herankommen, er ist introvertiert, der nur
draußen auf dem Platz explodiert. Der Erfolg der Deutschen hat große
Auswirkungen auf alles. Auf die Bundesliga, auf die Weltmeisterschaft
2006.
Roland Koch (Ministerpräsident von Hessen): Wer hat unserer
Mannschaft bei WM-Beginn schon das Erreichen des Endspiels und ein
großes Finale gegen Brasilien zugetraut? Die Mannschaft kann stolz
sein auf das Vollbrachte und ich sage: "Hurra wir sind
Vizeweltmeister!" Ich bin sicher, Zehntausende werden unserer
Mannschaft morgen auf dem Frankfurter Römer den gebührenden Empfang
bereiten. Klar, dass Oliver Kahn, der eine großartige WM gespielt
hat, heute besonders leid tut.
Werner Wenning (Vorstandsvorsitzender der Bayer-AG): Gratulation
an die Brasilianer. Es war ein packendes Finale mit einem alles in
allem verdienten Sieger. Wir Deutschen sollten nicht traurig sein.
Das deutsche Team hat mehr erreicht, als man erträumen durfte, es
gehört wieder zu den besten Mannschaften der Welt. Das ist eine gute
Basis für die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land.
Rolf Zimmermann (Vorstandsvorsitzender Ford-Werke AG, Köln): Das
Finale war eine Demonstration des kreativen Fußballs. Glückwunsch für
die deutsche Mannschaft zur Vizeweltmeisterschaft. Das Spiel war ein
couragierter Auftritt, das Finale die beste Leistung der Deutschen im
Turnier. Damit hat sich die deutsche Mannschaft in die Herzen der
Fans gespielt.
Heiner Brand (Handball-Bundestrainer und Weltmeister 1978): Da
habe ich falsch gelegen, weil ich 2:0 für Deutschland getippt habe.
Sicher ist Brasilien verdient Weltmeister geworden. Aber Rudi Völler
und das Team können sehr zufrieden sein. Nur Oliver Kahn tut mir
leid. Er hat die Mannschaft soweit gebracht, wo sie ohne ihn nie
hingekommen wäre.
Faruk Sen (Direktor des Zentrums für Türkeistudien): Ich bin echt
traurig. Die deutsche Mannschaft hat so toll gespielt. Schade, dass
wir so knapp die Weltmeisterschaft verloren haben.
Sigmar Gabriel (Ministerpräsident Niedersachsen): Das war das
beste Spiel der WM. Deutschland war lange Zeit beherrschend,
Brasilien hat die Chancen genutzt. Das DFB-Team hat geübt für die WM
2006 in Hannover.
Eberhard Gienger (Ex-Turnweltmeister): Es war ein schönes
Endspiel, was ja nicht selbstverständlich ist. Brasilien hat ein
tolles Spiel geliefert und verdient gewonnen. Aber die deutsche
Mannschaft hat auch schön mitgespielt. Für Oliver Kahn war es einfach
Pech. Michael Skibbe und Rudi Völler haben jetzt die Möglichkeit,
ihre Aufbauarbeit in den nächsten vier Jahren fortzusetzen.