Stinkefinger von Meireles bei WM: Portugal bestreitet Beleidigung - DER SPIEGEL
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Wirbel um Geste im Portugal-Spiel Wie Meireles den Nicht-Stinkefinger erfand

Raúl Meireles schien förmlich um eine nachträgliche Sperre zu betteln: Laut Szenenfotos zeigte Portugals Mittelfeldmann dem Schiedsrichter bei der 0:4-Niederlage gegen Deutschland gleich zwei Stinkefinger - oder doch nicht?
Vermeintliche Beleidigung Meireles': Falscher Finger, falscher Adressat
Vermeintliche Beleidigung Meireles': Falscher Finger, falscher Adressat

Vermeintliche Beleidigung Meireles': Falscher Finger, falscher Adressat

Foto: Das Erste
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Hamburg/Salvador - Portugals Trainer Paulo Bento würde vermutlich froh sein, wäre lediglich das WM-Auftaktspiel verloren gegangen. Aber am Montagabend kam es für die Rot-Grünen bei der 0:4-Niederlage gegen Deutschland ja noch wesentlich schlimmer: Mit Hugo Almeida sowie dem frischgebackenen Champions-League-Sieger Fabio Coentrão verletzten sich zwei Leistungsträger, und Coentrãos Klubkompagnon Pepe bettelte mit einer dummen Aktion regelrecht und erfolgreich um einen Platzverweis.

Doch selbst damit schien die Liste der Ausfälle für das kommende Gruppenspiel gegen die USA noch nicht komplett. Denn noch während des Spiels verbreitete sich rasend schnell ein Szenenfoto über die sozialen Netzwerke, entstanden in der 38. Minute kurz nach der Roten Karte für Pepe.

Was darauf zu sehen ist, scheint eindeutig: Portugals Raúl Meireles zeigt dem serbischen Schiedsrichter Milorad Mazic wutentbrannt nicht nur einen, sondern gleich zwei Stinkefinger. Und weil Mazic am Hinterkopf keine Augen hat und die beleidigende Geste nicht sehen konnte, sahen zahlreiche Beobachter bereits die nächste Sperre für die Portugiesen dräuen - in einem solchen Fall kann sie nachträglich aufgrund von TV-Bildern verhängt werden.

Postwendend ergoss sich auf Twitter und Co. Häme ob so viel geballter Unbeherrschtheit und Dämlichkeit über den Portugiesen. Dessen martialisches Outfit - Irokesenhaarschnitt, Rauschevollbart, Tattoos - schien ja auch perfekt zum ungehobelten Benehmen zu passen.

Doch bei denen, die sich das reichlich unscharfe Szenenbild genauer ansahen, wuchsen erste Zweifel an der vermeintlich obszönen Geste:

Tatsächlich - Meireles streckt eindeutig die Zeigefinger in Richtung Schiedsrichter. Doch warum? Der portugiesische Verband FPF lieferte die Erklärung nur wenige Stunden nach Spielschluss in einem offiziellen Kommuniqué - offenbar in der Befürchtung, die Fifa könnte vorschnell Konsequenzen ziehen. Demnach handelte es sich bei Meireles' Geste lediglich um eine taktische Anweisung.

"Die FPF stellt klar, dass die falsch interpretierte Geste an Teamkollege Bruno Alves gerichtet war und damit die Vorgaben von Trainer Paulo Bento weitergegeben werden sollten", hieß es in der Verbandsmitteilung, und weiter: "Raúl Meireles demonstrierte nur, dass er auf die Position des Innenverteidigers zurückrücken werde, und zwar auf der rechten Seite."

Die oft von Trainer Bento zum Anzeigen eines Positionswechsels genutzte Geste sei deshalb nicht an den Schiedsrichter adressiert gewesen, weshalb der Verband die Spekulationen bedauere, weil diese "ernsthaft den Interessen des Nationalspielers schaden".

Nun ist die Fußballhistorie reich an äußerst fadenscheinigen Ausreden. Doch dass der portugiesische Verband diesmal nichts als die Wahrheit mitteilte, beweist ein entsprechender Mitschnitt auf der Webseite der ARD-"Sportschau" . Offensichtlich ist in der Tat Mitspieler Alves (Rückennummer 2) Adressat der Fingerzeige.

Raúl Meireles hat also keine Strafe zu befürchten - könnte aber an diesem 16. Juni 2014 unabsichtlich eine Form demonstrativer Nicht-Beleidigung erfunden haben. Das legen zumindest erste Nachahmer auf Twitter nahe:

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fdi/sid