Strafvollzug Knackis mit Trillerpfeife
Hamburg - In der Jugendstrafanstalt von Siegburg, zuletzt bekannt geworden durch den Foltertod eines Häftlings und mehrere Selbstmorde, bereiten sich derzeit 25 Insassen auf die Prüfung zum Fußball-Schiedsrichter Ende Mai vor. Erfahrene Unparteiische unterrichten die Jugendlichen dafür zwei Wochen lang hinter Gittern.
Die Idee dazu hatte ein pensionierter Vollzugsbeamter, der sich weiterhin um den Anstaltssport kümmert. Die Gefangenen lernen dabei nicht nur die Regeln für Abseits und Handspiel, sondern auch den Umgang mit Vorschriften und vor allem deren Einhaltung. Fußball steht bei den rund 540 Inhaftierten hoch im Kurs, neben einer offiziellen "Knacki-Mannschaft", die auch Benefiz-Tuniere veranstaltet, spielen gut 70 Prozent der Jugendlichen in der Anstalt Fußball.
Zur bestandenen Prüfung spendiert der Deutsche Schiedsrichter-Verband die schwarzen Trikots und Trillerpfeifen. Erfolgreiche Absolventen, die entweder schon Freigänger sind oder nur noch eine kurze Freiheitsstrafe absitzen müssen, sollen danach auch bei Spielen außerhalb des Gefängnisses eingesetzt werden.