Stuttgart - Köln: Bedauernswerte Zuschauer - DER SPIEGEL
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Stuttgart - Köln Bedauernswerte Zuschauer

Wenn das erste Spiel der Saison richtungsweisend für den Rest der Saison ist, dürfen sich Freunde des VfB Stuttgart und des 1. FC Köln in den kommenden Monaten auf einiges gefasst machen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Stuttgart - "Für die Spieler war es sehr schwer, bei den schwülen Temperaturen permanent Höchstleistungen zu bringen", sagte Kölns Trainer Ewald Lienen nach einem fürchterlich anzuschauenden 0:0 seines Clubs zum Saisonstart beim VfB Stuttgart. Lienen sprach zudem von einem "verdienten Punkt". Auch sein Stuttgarter Kollege Felix Magath war nicht abgeneigt, dem Kick bei schwül-heißen Temperaturen jenseits der 30 Grad nur Gutes abzugewinnen: "Ich glaube, auf dieser Leistung können wir aufbauen."

Die einzigen, die nicht zufrieden nach Hause gingen, waren die 32.000 zahlenden Gäste im für 102 Millionen Mark ausgebauten Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion. Die Bedauernswerten hatten 90 Minuten Torverhinderungsfußball über sich ergehen lassen müssen. Der Gast aus Köln hatte sogar schamlos darauf verzichtet, überhaupt einen gelernten Stürmer in der Startformation aufzubieten.

Zum Einsatz von Talenten verdammt

Im Gegensatz zu Lienen hatte Magath seinen Angriff wenigstens besetzt. Von Beginn an setzte er neben dem Brasilianer Adhemar auf den 19-jährigen Deutsch-Brasilianer Kevin Kuranyi, Sean Dundee nahm zunächst auf der Bank Platz. Kuranyi, der erst vor vier Jahren aus Rio de Janeiro nach Schwaben kam, rechtfertigte das Vertrauen seines Trainers, auch wenn er keinen Treffer erzielen konnte. Nach zwanzig Minuten hatte Kuranyi mit zwei vergebenen Kopfballchancen für einiges Aufsehen gesorgt. "Er war immer gefährlich", sagte Magath, der auch die Youngster Andreas Hinkel, Timo Wenzel und Christian Tiffert von Beginn an einsetzte.

Was auf ersten Blick wie die Umsetzung der Forderung klingt, deutschen Nachwuchsspielern eine Chance zu geben, hat tatsächlich andere Ursachen. Der VfB Stuttgart ist mit über 30 Millionen Mark verschuldet, konnte deswegen als einziger Club der Liga keinen Neuzugang verpflichten und ist deswegen verdammt, Talente einzusetzen. Deshalb mahnte der nie um ein Tüpfelchen Moral verlegene Kölner Trainer Ewald Lienen die Gastgeber am Samstag auch schon mal: "Das soll man nicht überbewerten. Das ist beim VfB aus der Not geboren. Wenn man derart verschuldet ist, ist es naheliegend, auf junge Spieler zu setzen."

VfB Stuttgart - 1. FC Köln 0:0
Stuttgart: Hildebrand - Hinkel, Marques, Bordon, Wenzel - Tiffert (84. Seitz), Soldo, Todt (46. Meißner) - Balakow - Kuranyi, Adhemar (46. Dundee)
Köln: Bade - Scherz, Cullmann, Cichon, Keller - Reeb, Lottner (80. Kurth), Springer - Reich (71. Balitsch), Baranek, Kreuz (89. Ouedraogo)
Schiedsichter: Dr. Merk (Kaiserslautern)
Zuschauer: 25.000
Gelbe Karten: Soldo / Cichon

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