Stuttgart - Köln Erkenntnis dank Pleite
Stuttgart - "Spätestens jetzt stecken wir voll im Abstiegskampf", stellte Trainer Felix Magath nach der ersten Niederlage in seinem fünften Spiel für den Bundesliga-Vorletzten nüchtern fest. Doch an den zweiten Abstieg nach 1975 wollen die Schwaben trotz der prekären Lage nicht denken.
"Wir werden die Spieler wieder aufrichten. Es ist noch keine Entscheidung gefallen", formulierte Manager Rolf Rüssmann Durchhalteparolen, nachdem viele der 32.000 Fans das Gottlieb-Daimler-Stadion vorzeitig verlassen hatten. Nicht jeder habe jedoch begriffen, in welcher Situation der VfB stecke, klagte Rüssmann: "Da nützt auch nicht das Gequatsche von guten Spielen. So hat man keine Chance im Abstiegskampf."
Magaths Niederlagenserie gegen Köln
Für Magath ("Jeder muss enttäuscht sein von unserer Leistung, aber wir werfen die Flinte nicht ins Korn") werden die Kölner in dieser Saison zum ganz persönlichen Fluch: 1:4 und 1:5 hatte der 47-Jährige noch als Trainer von Eintracht Frankfurt gegen die Domstädter verloren - und nach der zweiten Niederlage auch den Job bei den Hessen.
"Das frühe Gegentor konnten wir gegen diese konterstarke Mannschaft überhaupt nicht gebrauchen", analysierte Magath. Nach dem 0:1 durch Christian Springer (3.) zogen sich die Gäste geschickt in die eigene Hälfte zurück und warteten auf Konterchancen. Eine davon nutzte Markus Kreutz (23.) zum 2:0. "Wir haben uns weiterhin bemüht, aber die Durchschlagskraft im Angriff hat gefehlt", ergänzte der VfB-Coach. "Wir hätten noch den ganzen Tag spielen können und hätten kein Tor geschossen", brachte es Torwart Timo Hildebrand auf den Punkt.
"Es hat heute der letzte Biss gefehlt"
Zwar stimmte die Einstellung beim VfB, doch Chancen ergaben sich für die Schwaben fast ausschließlich nach Standardsituationen durch Spielmacher Krassimir Balakow. So zirkelte der bulgarische Nationalspieler in der achten Minute einen Freistoß aus 25 Metern an die Latte. "Dennoch", sagte der Ex-Kölner Pablo Thiam im Stuttgarter Trikot, "es hat heute der letzte Biss gefehlt." Mannschaftskapitän Zvonimir Soldo sah ein grundlegenderes Problem: "Vielleicht fehlt es uns an der Qualität, aber darüber will ich nicht reden."
In der 74. Minute jedenfalls setzte der tschechische Nationalspieler Miroslav Baranek nach einem mustergültigen Konter den Schlusspunkt. Durch den vierten Auswärtserfolg haben die Kölner weiterhin Chancen auf die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb. Und das, obwohl sie auf ihren gesperrten Kapitän Dirk Lottner, Moses Sichone sowie den verletzten Carsten Cullmann verzichten mussten.
"Finger in der Nase abgebrochen"
Doch für den VfB ohne den verletzten Brasilianer Adhemar war auch diese Kölner Rumpf-Elf zu stark. "Wir haben heute den Unterschied zwischen einer Mannschaft im Abstiegskampf und einem Team, das ruhig und gelassen spielen kann, gesehen", dozierte FCK-Trainer Ewald Lienen: "Stuttgart hat sich zwar viele Chancen erarbeitet, sich aber den Finger in der Nase abgebrochen."
Für "Zettel-Ewald" geht die Saison nach nunmehr 40 erreichten Punkten erst richtig los. "Der Klassenerhalt war nur das Minimalziel. Wir müssen das Niveau hoch halten und weiter punkten."
VfB Stuttgart - 1. FC Köln 0:3 (0:2)
0:1 Springer (3.)
0:2 Kreuz (23.)
0:3 Baranek (74.)
VfB Stuttgart: Hildebrand - Meißner, Thiam, Carnell - Djordjevic
(46. Lisztes), Todt, Soldo, Seitz - Balakow - Dundee, Ganea (46.
Hosney)
1. FC Köln: Pröll - Sinkala (76. Hauptmann), Dziwior, Bulajic (83.
Kurth), Keller - Scherz (87. Grilic), Springer, Kreuz, Voigt -
Baranek - Timm
Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
Zuschauer: 32.000
Gelbe Karten: Bulajic (2), Sinkala