Stuttgart - Leverkusen 4-1: Daums erster Dämpfer - DER SPIEGEL
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Stuttgart - Leverkusen 4-1 Daums erster Dämpfer

Nach 30 Minuten, in denen sie das Spielgeschehen klar dominierten, ergab sich Meisterschaftsmitfavorit Bayer Leverkusen am Samstagabend in Stuttgart widerstandslos in sein Schicksal.
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Stuttgart - Die Reaktion von Manager Reiner Calmund auf das 1:4 (0:2) seiner Mannschaft in Stuttgart war ebenso deutlich wie Ergebnis und Spielverlauf: "Das ist nicht entschuldbar, wenn du im Spiel elementare Grundsätze des Fußballs vergisst. Zweikampfverhalten, Taktik, alles war heute mangelhaft. Das Beste war das Ergebnis: Voll einen auf die Nuss kriegen ist immer am allerbesten", ereiferte sich "Calli" und kündigte an, die Ursachen für die Schlappe "intern ungeschoren hinter geschlossenen Türen zu analysieren".

Nicht nur Calmund, auch Trainer Christoph Daum schien ratlos: "Wir haben Fehler gemacht, die dürfte man nicht machen, wenn man den Anspruch hat, eine Spitzenmannschaft zu sein." Allen Stuttgarter Treffern durch Heiko Gerber (29./71.), dem Eigentor von Robert Kovac und Krisztian Listztes (63.) gingen kapitale Schnitzer in der Leverkusener Deckung voraus. "Wir haben in einigen Situationen ein bisschen geschlafen", bekannte Abwehrspieler Carsten Ramelow. Christoph Daum, dessen dezenter grauer Anzug dem Spiel seiner Mannschaft mehr als angemessen war, hatte in Boris Zivkovic das rechte Glied seiner Dreier-Abwehrkette als Fehlerquelle ausgemacht und bemängelte nach dessen Auswechslung "individuelle Fehler, die ich mir von einem Bundesliga-Spieler nicht vorstelle".

Einziger spielerische Höhepunkt des in allen Mannschaftsteilen enttäuschenden Vize-Meisters war der sehenswerte Ehrentreffer durch Michael Ballack zum zwischenzeitlichen 1:2 (61.). "Vielleicht ist Anfang der Saison eine gewisse Gelassenheit da", sprach Daum das Manko seiner Mannschaft vorsichtig an. VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder wurde da schon deutlicher: "In Freiburg beim 0:4 war's bei uns ein Stück Überheblichkeit, weil die Spieler in den Medien nach den UI Cup-Spielen gut weggekommen sind. Heute war vielleicht Leverkusen überheblich."

Der im Oktober scheidende Vereinschef setzte sich auf der renovierten Haupttribüne des Gottlieb-Daimler-Stadions bei Bundestrainer Michael Skibbe für den überragenden zweifachen Torschützen Gerber ein: "Ich habe zu Skibbe gesagt, schaue ihn dir nur genau an." Der 27-Jährige, dem Stürmer Sean Dundee ein "Weltklasse-Spiel" attestierte, sah seine Leistung beim 500. Bundesligasieg des VfB eher unterkühlt: "Ich habe die Fehler der Leverkusener eiskalt ausgenutzt."

Als rationaler Taktiker erwies sich einmal mehr VfB-Trainer Ralf Rangnick. Statt nach dem verpatzten Saisonstart in Freiburg auf bedingungslosen Offensiv-Fußball zu setzten, brachte er mit Dundee nur eine echte Spitze und setzte auf Konter-Fußball im eigenen Stadion. Die Taktik ging zur überwiegenden Freude der 25.000 Zuschauer auf. "Wenn man defensiv beginnt, heißt das nicht, das man weniger Torchancen hat. Heute hat man gesehen, wie wichtig es ist, die von mir viel zitierte Ordnung zu halten", erklärte Rangnick. Der 42-Jährige hakte den Prestige-Erfolg jedoch schnell ab und fand tatsächlich noch ein Haar in der diesmal mundenden schwäbischen Fußball-Suppe: "Jetzt werden wir wahrscheinlich wieder hoch gejubelt."

Von Marc Zeilhofer, dpa

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