Stuttgarter Auftaktpleite Schmerzhaftes Déjà-vu
Hamburg - "Wir haben drei Minuten geschlafen und das Spiel hergeschenkt. Das ist mehr als bitter", schimpfte Veh nach dem 1:2 (0:0) gegen die Glasgow Rangers. "Ich poltere jetzt etwas wie der Franz. Das regt mich furchtbar auf", so der VfB-Coach in Anlehnung an Franz Beckenbauer. Auch seine Spieler zeigten sich selbstkritisch. "Wir haben es einfach aus der Hand gegeben und zu viele Fehler gemacht", sagte Torschütze Mario Gomez. Roberto Hilbert resümierte: "Wir sind angefressen und enttäuscht."
Nach zunächst gutem Spielverlauf, in dem der Bundesliga-Neunte eine Stunde lang souverän das Geschehen kontrollierte und durch Gomez sogar in Führung (56. Minute) ging, machte sich die Veh-Elf durch Nachlässigkeit und individuelle Patzer alles selbst kaputt. "Das Unheil kam aus heiterem Himmel", sagte Veh zu den beiden Gegentreffern durch Charles Adam (62.) und Jean-Claude Darcheville (75./Foulelfmeter). Vor dem Ausgleich ließen gleich drei Stuttgarter den Schützen ungestört durch ihre Reihen ziehen. "Da muss ein taktisches Foul her", kritisierte Hilbert. Dann fällte der zuvor so souveräne Abwehrchef Fernando Meira den durchgebrochenen Rangers-Außenverteidiger Alan Hutton im Strafraum. Horst Heldt brachte es nüchtern auf den Punkt: "Die haben von unseren Fehlern gelebt."
Damit stehen die Stuttgarter schon nach nur einem Spiel unter Druck. Gegen den FC Barcelona am 2. Oktober im Gottlieb-Daimler-Stadion muss der Meister punkten, um in der Gruppe E nicht vorzeitig den Anschluss zu verlieren. Die Chancen dazu stehen gegen die Startruppe von Frank Rijkaard jedoch ungleich schlechter als gegen den vermeintlich leichtesten Gegner der Gruppe. "Da sind wir natürlich Außenseiter", räumte Heldt ein.
Und so klammern sich Vereinsführung, sportlich Leitung und die Fußballprofis an die Hoffnung auf ein "neues Wunder". Vor vier Jahren war der VfB ebenfall mit einem 1:2 in Glasgow gestartet, hatte dann aber in einer magischen Nacht zu Hause Manchester United 2:1 besiegt und damit den Grundstein für den Achtelfinaleinzug gelegt. "Unser Traum, weiterzukommen, ist mit diesem Ergebnis natürlich schwieriger geworden", sagte Meira. "Aber ich hoffe, dass sich die Geschichte von vor vier Jahren wiederholt."
Erst einmal aber heißt es Bundesliga-Alltag. Samstag steht die Begegnung in Bremen (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf dem Programm. Die Verlierer von Glasgow wollen gegen Werder Wiedergutmachung für den Fehltritt in der Champions League leisten. "Wir fahren nach Bremen, um dort drei Punkte zu holen", kündigte Hilbert an. In Bremen, die auch mit einem 1:2 (bei Real Madrid in der Königsklasse starteten, dürfte Yildiray Bastürk nach seinem geglückten Debüt gute Chancen auf einen Einsatz von Beginn an haben. Verzichten muss der Meister neben Matthieu Delpierre nach wie vor auf Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Der 25-Jährige ist nach seiner Überbelastungsreaktion im Mittelfuß noch nicht wieder fit und fällt weiter aus.
Dagegen stößt der ebenfalls in Glasgow fehlende Außenverteidiger Ludovic Magnin in Bremen wieder zum VfB-Team. Der Schweizer hatte die Reise nach Glasgow wegen Magenproblemen nicht antreten können. Aller Voraussicht nach wird Magnin gegen Bremen von Beginn an für Arthur Boka auflaufen.
Glasgow Rangers - VfB Stuttgart 2:1 (0:0)
0:1 Gomez (56.)
1:1 Adam (62.)
2:1 Darcheville (75., Foulelfmeter)
Glasgow: McGregor - Hutton, Cuellar, Weir, Papac - Hemdani - Whittaker (86. Faye), Ferguson, Thomson, Adam (67. Beasley) - Darcheville (84. Novo). - Trainer: Smith
Stuttgart: Schäfer - Osorio, Tasci, Fernando Meira, Boka - Pardo - Hilbert, Khedira (78. Bastürk) - da Silva (70. Ewerthon) - Gomez, Cacau. - Trainer: Veh
Schiedsrichter: Stefano Farina (Italien)
Zuschauer: 52.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Thomson, Hutton, Faye - Fernando Meira, Pardo
chp/dpa/sid