Sündenbock Wörns sauer auf Klinsmann
Hamburg - "Ich habe immer gedacht, es geht nach Leistung. Aber das ist bei mir anscheinend nicht der Fall", beklagte sich Wörns bei "kicker online". Klinsmann hatte gestern den 21-köpfigen Kader für die Partien der DFB-Auswahl in der Türkei (8. Oktober) und gegen China (12. Oktober) bekannt gegeben - Wörns war nicht dabei. Der 33-Jährige, der bereits 66 Länderspiele auf seinem Konto hat, wurde lediglich zum Fitnesstest (3./4. Oktober) eingeladen, an dem insgesamt 26 Spieler teilnehmen sollen. Das Aufgebot für die WM 2006 (9. Juni bis 9. Juli) umfasst 22 Kicker.
"Im Moment bin ich ein bisschen rat- und sprachlos. Ich weiß nicht, wie ich das deuten soll", sagte Wörns. Klinsmann hatte in einer vom DFB verbreiteten Pressemitteilung erklärt, die Nachwuchskräfte Per Mertesacker (20) und Lukas Sinkiewicz (19) hätten "derzeit leicht die Nase vorn". Wörns zeigte sich aufgrund dieser Aussage "enttäuscht und überrascht". Er könne "überhaupt nicht mehr nachvollziehen", dass jemand besser sein soll oder an den Länderspielen teilnehme, der in seinem Verein nicht einmal zum Kader gehöre.
Damit spielte Wörns auf Robert Huth an, der beim FC Chelsea nur selten zum Einsatz kommt. Klinsmann kündigte sogar an, Vereinscoach José Mourinho zu bitten, Huth doch noch einen Wechsel in der Winterpause zu ermöglichen, um Spielpraxis zu erhalten. Zudem hatte der Bundestrainer Wörns' Dortmunder Vereinskollegen Christoph Metzelder nach langer Zeit nominiert. Der Abwehrspieler hatte seine letzte Partie für Deutschland am 12. Februar 2003 in Spanien (1:3) bestritten.
Rücktritt durchaus möglich
Dass seine Nicht-Berücksichtigung Klinsmanns Reaktion auf die schwache Leistung beim 2:2 gegen die Niederlande war, kann sich Wörns nicht vorstellen: "Falls das so wäre, dürfte Jürgen Klinsmann elf Spieler nicht wieder einladen. Man kann sich da nicht einen rauspicken und sagen, der ist schuld." Wörns kündigte an, so schnell wie möglich das Gespräch mit dem Bundestrainer zu suchen. "So kann man seine Aussagen nicht stehen lassen."
Auf die Frage, ob er überhaupt noch Lust habe, sich weiter für das DFB-Team zu engagieren, sagte Wörns: "Darüber muss ich noch ein paar Nächte schlafen." Dass Klinsmann ihm die Absage auf die Mailbox seines Mobiltelefons gesprochen hatte, störe ihn nicht so sehr, so Wörns: "Mir geht es um seine Aussage, die trifft mich viel mehr."
Das Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft
Tor: Oliver Kahn (Bayern München) und Timo Hildebrand (VfB Stuttgart)
Abwehr: Arne Friedrich (Hertha BSC Berlin), Robert Huth (FC Chelsea), Marcell Jansen (Borussia Mönchengladbach), Per Mertesacker (Hannover 96), Patrick Owomoyela (Werder Bremen), Lukas Sinkiewicz (1. FC Köln) und Christoph Metzelder (Borussia Dortmund)
Mittelfeld: Michael Ballack, Sebastian Deisler, Bastian Schweinsteiger (alle Bayern München), Tim Borowski, Torsten Frings (beide Werder Bremen), Fabian Ernst (Schalke 04), Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart) und Bernd Schneider (Bayer Leverkusen)
Angriff: Oliver Neuville (Borussia Mönchengladbach), Kevin Kuranyi (Schalke 04), Miroslav Klose (Werder Bremen) und Lukas Podolski (1. FC Köln)