Task Force DFB sagt Gewalttätern den Kampf an
Hamburg - "Der Fußball ist hier im Grunde genommen nur ein Spiegelbild dessen, was sich in unserer Gesamtgesellschaft abzeichnet", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger in einem Interview mit dem heute-journal. Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit seien ein gesellschaftliches Phänomen. Und das zeige sich auch auf dem Fußballfeld, sagte Zwanziger.
Im normalen Spielbetrieb habe man im Aufeinandertreffen von Migranten und Deutschen nicht immer das richtige Bewusstsein entwickeln können, wie man miteinander umzugehen hat, sagte der DFB-Präsident und forderte: "Der Fußball führt die Menschen zusammen. Aber damit ist noch keine Integration zu Stande gebracht. Wir müssen uns ein Stück mehr öffnen auch für ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger in unseren Gremien", forderte Zwanziger. So könne man "zu einer gelungenen Integration beitragen".
Hintergrund sind die jüngsten Krawalle in Fußballstadien vom Wochenende. In drei Fußballstadien - in Berlin, Augsburg und Pforzheim - war es zu teilweise schweren Ausschreitungen mit Dutzenden Verletzten gekommen. Das Ausmaß der Gewalt hatte in den Führungsriegen der Fußballwelt Entsetzen ausgelöst.
Zwanziger sagte im ZDF, er gebe zu, dass er vom Ausmaß der Gewalt "auch ein Stück überrascht worden" sei. Dies gelte besonders für die Absage eines kompletten Spieltages in der Kreisliga Siegen-Wittgenstein aus Furcht vor Ausschreitung. Von diesem Vorgang habe er erst am Wochenende erfahren. "Ich hätte mir früher gewünscht, dies viel deutlicher zu sehen", sagte Zwanziger.
Nach den jüngsten Ausschreitungen hatten DFB und DFL erste Gegenmaßnahmen beschlossen. Dazu gehört die Einrichtung einer so genannten Task Force. Das Gremium soll sich einen Überblick über aktuelle Entwicklungen verschaffen, um kurz- und langfristige Maßnahmen gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit zu initiieren. Dabei geht es nach dem Wunsch von Zwanziger auch um Vorfälle von Gewalt oder Rassismus, die von den Medien nicht oder nicht sofort aufgedeckt werden. Das Personal stand zunächst noch nicht fest. Neben der Task Force will der DFB einen hauptamtlichen Sicherheitsbeauftragten einstellen.
Künftig wollen DFB und DFL auch noch mehr auf die baulichen Sicherheitsrichtlinien in Stadien achten. Profivereine, die in Arenen mit mangelnder Infrastruktur spielten, müssten um ihre Ligazugehörigkeit bangen. "Es kann dann passieren, dass Vereine, die sportlich qualifiziert sind, trotzdem nicht aufsteigen", kündigte Zwanziger an. Von den verschärften Zulassungsverfahren sollen insbesondere Klubs betroffen sein, die in der zukünftigen eingleisigen 3. Liga antreten wollen.
Neben all den Sanktionen setzt Zwanziger aber vor allem auf eine neue Haltung bei Fußballfans ebenso wie bei den Machern. Der DFB-Chef betonte, man wolle "durch eine verstärkte Schulung der Mitarbeiter und intensive präventive Maßnahmen, beispielsweise in der Zusammenarbeit mit Fan-Projekten und allen anderen Fangruppen, das notwendige Bewusstsein schaffen". Ligapräsident Werner Hackmann betonte, DFL und DFB werden nicht tolerieren, dass Randalierer den Fußball für ihre Zwecke missbrauchen.
fok/dpa/dDFL