Team "Oranje" Das Ende der "Freundschaftsspiele"
Amsterdam - "Den Spielern fehlte der Druck", seufzt Frank Rijkaard vor dem Freundschaftsspiel gegen den Rivalen aus Deutschland. Der ehemalige Mittelfeldstar vom AC Mailand, der seit Ende August 1998 Cheftrainer der niederländische Nationalmannschaft ist, steht in seinem Heimatland hingegen mächtig unter Beschuss und wünschte, er könnte etwas davon auf seine Spieler ableiten. Denn seine Bilanz als Bondscoach ist ernüchternd: Zwar gelang Rijkaard mit seinem Team zum Einstand ein Sieg über Peru. Doch dann folgten elf sieglose Partien (zwei Niederlagen und neun Remis). "Das Problem war: In den letzten eineinhalb Jahren konnten wir nur Testspiele machen", so Rijkaard, was schlussfolgern lässt, die Spieler nähmen die Verpflichtung, ins Oranje-Teamjersey zu schlüpfen, nicht mehr allzu ernst.
Das Schicksal, das derzeit den Niederländern widerfährt, hat schon viele vorher ereilt: Den Gastgebern von Europa- und Weltmeisterschaften fehlen die Qualifikations-Wettkämpfe, Tests können diesen Druck nur bedingt simulieren. "Das ist jetzt vorbei, jeder muss sich beweisen. Ab sofort können wir Freundschaftsspiele nicht mehr Freundschaftsspiele nennen." Rijkaard ist nach wie vor vom Potenzial seines Teams, das bei der WM in Frankreich tollen Fußball bot und im Halbfinale nur denkbar knapp an Brasilien scheiterte, überzeugt: "Wir haben gezeigt, dass wir zur Weltspitze gehören. Und fast alle WM-Spieler sind noch dabei, sind sogar noch reifer geworden."
Rund 28 Jahre beträgt das Durchschnittsalter von Rijkaards Kader, in dem gegen Deutschland 16 Legionäre stehen, davon allein sechs vom FC Barcelona. "Das ist das beste Alter, die Spieler sind erfahren und bereit für einen großen Wettbewerb", ist sich der 37-jährige sicher. Gegen das DFB-Team fallen die erfahrenen Marc Overmars (FC Arsenal) und Frank de Boer (FC Barcelona) verletzt aus, außerdem fehlt Pierre van Hooijdonk (Vitesse Arnheim). Ansonsten sind die Profis dabei, mit denen der EM-Gastgeber im Sommer an das Unternehmen "Titelgewinn" gehen will.
Im aktuellen niederländischen Aufgebot, das in der Amsterdam-Arena erstmals im neuen EM-Outfit mit schwarzen Hosen und orangen Hemden antreten wird, stehen mit Bergkamp (Arsenal), Hasselbaink (Atletico Madrid), Kluivert, (FC Barcelona), Makaay (La Coruna) und Nistelrooij (Eindhoven) fünf Angreifer. Deshalb schütteln viele Fußball-Experten in den Niederlanden, die sich eher einige defensivere Möglichkeiten gewünscht hätten, wieder mit dem Kopf. Denn: Geht auch die Partie gegen Deutschland schief, könnte erneut die Kritik hochkochen, die nach dem 1:1 im November 1999 gegen Tschechien schon auf Rijkaard und das Team eingeprasselt war.
Erstmals nach der WM war ein Spiel von Trainer Rijkaard im öffentlichen niederländischen Fernsehen übertragen worden (NOS), bei dem Johan Cruyff als Kommentator unter Vertrag steht. Und die niederländische Fußball-Legende haute kräftig rein: "Ich habe mich geschämt. Da war keine Motivation zu sehen." Auch Rijkaard persönlich wurde von Cruyff nicht geschont: "Die Ordnung stimmte nicht, da muss der Trainer eingreifen."