Teamchef Kommt der "Neue" schon am Wochenende?
Vaals - Nach dem Rücktritt von Teamchef Erich Ribbeck will der DFB zügig einen Nachfolger benennen. DFB- Präsident Egidius Braun berief die Vorstandsmitglieder zu einer Präsidiumssitzung, die "vielleicht schon am Samstag" über die Bühne gehen soll. Der mit der Suche nach einem neuen Bundestrainer beauftragte Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder sagte, man strebe "zeitnah" zur Europameisterschaft eine Lösung an. "Alles ist denkbar, alles ist diskussionswürdig. Für mich gibt es überhaupt keine Eingrenzung", meinte der Stuttgarter Multifunktionär, der bislang keinen Hehl daraus gemacht hat, dass sein Wunschkandidat Christoph Daum heißt.
Beistand erhielt Mayer-Vorfelder von Bayern Münchens Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge. Der frühere Nationalspieler forderte nach dem EM-Debakel in Rotterdam, der Leverkusener Erfolgscoach Daum müsse "sofort ran" und seine ganze Kraft der Nationalmannschaft zur Verfügung stellen. "Eine Doppellösung ist Quatsch, das ist in der Bundesliga-Struktur nicht möglich", meinte Rummenigge.
Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser stellte unterdessen klar, dass Daum nicht aus seinem bis 2001 datierten Vertrag entlassen werde. "Das kommt auf keinen Fall in Frage. Die Diskussion muss schnell beendet werden", sagte Holzhäuser. Auch eine Doppellösung schließt der ehemalige DFB-Angestellte aus: "Es kann nicht sein, dass wir zwei Wochen vor Beginn des Trainings eine Trainerdiskussion führen müssen. Wir brauchen einen vollen Daum, keinen halben." Damit widersprach Holzhäuser der Auffassung von seinem Manager Reiner Calmund, der dies als denkbares Modell bezeichnet hatte.
Mayer-Vorfelder war am Mittwoch sichtlich bemüht, seine zuvor gemachten Angaben zum Anforderungsprofil des neuen sportlichen Leiters aufzuweichen. Nachdem er zuvor einen ausländischen Trainer abgelehnt hatte, sagte er nun in Bezug auf den Italiener Giovanni Trapattoni. "Ich will die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten nicht durch Äußerungen jetzt einengen." Der 67-Jährige wehrte sich gegen den Eindruck, er habe bereits in den vergangenen Tagen die Weichen für die Installierung von Daum gestellt. Nachdem Daum bestätigt hatte, am Montag im EM-Quartier in Vaals Gespräche über seine Zukunft geführt zu haben, sagte Mayer-Vorfelder nur, es hätten "keine Verhandlungen" stattgefunden.