Teamchef Matthäus: Geheimtreffen am Wochenende - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Teamchef Matthäus Geheimtreffen am Wochenende

Trotz massiver Fanproteste werben die Funktionäre von Eintracht Frankfurt weiter um Lothar Matthäus. Laut Hauptsponsor sei dies eine "einmalige Gelegenheit", die man nutzen müsse.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt - Der Rote Teppich ist für Lothar Matthäus in Frankfurt schon ausgerollt. Der 39-jährige Fußball-Star braucht nach dem 1:0 (0:0) der Eintracht am Freitag gegen FC Energie Cottbus nur noch Ja zu sagen, um bei den Hessen sein erstes Engagement als Teamchef in der Bundesliga anzunehmen. Das "Goldene Tor" von Kapitän Horst Heldt (65.) hat nicht nur die Abstiegssorgen der Eintracht mit dem Sprung auf Rang 12 gelindert, sondern Matthäus die Entscheidungsfindung erleichtert.

"Es wäre ein Einstieg für mich. Ich habe 20 Jahre Erfolg gehabt. Ich kann auf eine Mannschaft eingehen und sie motivieren, weil sie glaubt, was ich sage", ließ Matthäus via Pay-TV aus seinem Urlaubsort Kitzbühel noch vor dem glücklichen Sieg gegen den über die eigenen Unfähigkeiten gestolperten Aufsteiger verlauten. Frankfurts Interimstrainer und Sportdirektor Rolf Dohmen lieferte mit dem zweiten Sieg innerhalb von elf Tagen trotz eigenen Interesses am Trainer-Job die Argumente: "Wir suchen einen neuen Trainer. Die Entscheidung muss schnell fallen. Wir können keine Wahnsinnsgehälter zahlen, aber wenn es passt, kann man sich bewegen."

Geheimtreffen im bayrischen Raum


Gemeint war die Finanzkraft vom strategischen Partner Octagon, der die konkursreife Eintracht vor knapp einem Jahr mit 50 Millionen Mark für 49,9 Prozent AG-Anteile gerettet hatte. Das Procedere der spektakulären Zusammenführung hat Frankfurts Fußball-Boss und Octagon-Mann Steven Jedlicki auch schon generalstabsmäßig festgelegt: "Wenn wir die Möglichkeit haben, eine solche Persönlichkeit wie Lothar Matthäus zu verpflichten, sollten wir wirklich alles daran setzen, dies zu tun", so Jedlicki. Bereits am Samstag oder Sonntag soll es zu einem Vier-Augen-Gespräch zwischen Jedlicki und Matthäus kommen, in dem beide Seiten ihre Vorstellungen über eine Zusammenarbeit erörtern. "Ich sehe Chancen für eine Einigung mit der Eintracht. An diesem Wochenende werde ich mir ein Bild über den Verein machen", sagte der 39-jährige Matthäus. An einem geheimen Ort irgendwo im bayerischen Raum soll dieses Treffen stattfinden.

Die entscheidende Aufsichtsratssitzung war zunächst für Sonntagabend angesetzt, wurde aber kurzfristig auf Dienstag verschoben. Offiziellen Angaben zufolge seien einige Mitglieder beim ursprünglich angesetzten Termin verhindert. Auf der Sitzung soll nach Ansicht von Jedlicki der "Matthäus-Coup" endgültig abgesegnet werden.

Fans und Spieler nicht von Matthäus überzeugt


Selbst die stummen Proteste auf den Spruchbändern an den Tribünengeländern wie "Lothar Staatsfeind Nummer 1", "Lothar hau ab" schrecken die meisten Verantwortlichen offenbar nicht. Matthäus erwartet ein Spießrutenlauf durch das Spalier der eingefleischten Frankfurter Fans. Im Trikot von Mönchengladbach hatte Matthäus vor 21 Jahren mit einem rüden Foul die Karriere des Eintracht-Idols Jürgen Grabowski beendet. Eine unverzeihliche "Todsünde", die man in der hessischen Metropole noch lange nicht vergessen hat. Jedlicki & Co. schenken nach eigenem Bekunden dem Veto der Kundschaft jedoch keinerlei Achtung: "Im Stadion ist es doch relativ ruhig gewesen", so Jedlicki.

Doch auch die Frankfurter Spieler sprechen sich mittlerweile für ein längeres Engagement von Interims-Coach Dohmen und Armin Kraaz aus. "Das sind zwei hervorragende Trainer. Da kann ein Fabio Cappello kommen, mehr als sechs Punkte aus den letzten beiden Spielen hätte er auch nicht geholt", brachte Stürmer Jan-Aage Fjörtoft die Sache auf den Punkt.

dpa/sid

Mehr lesen über