Teammanager Bierhoff "Überzogen, sarkastisch, respektlos"
Bremen - Zwei Tage nach dem Trauerspiel in Bratislava hat Bierhoff noch keine Erklärungen dafür gefunden, warum die deutsche Nationalmannschaft einen derart schlechten Auftritt hingelegt hat. Umso intensiver fällt beim Teammanager das Wehklagen über die herbe Kritik für die deutschen Spieler aus, die am Samstag sang- und klanglos mit 0:2 Toren gegen die Slowakei verloren hatten. "Da werden Spieler unter der Gürtellinie lächerlich gemacht. Das kann nicht sein", sagte Bierhoff, der die scharfen Attacken auf die Mannschaft von Bundestrainer Klinsmann als "überzogen, sarkastisch und respektlos" bezeichnete.
Wer allerdings nach der Niederlage gegen den 45. der Fifa-Weltrangliste eine Spur von Selbstkritik suchte, wurde enttäuscht. Stattdessen kündigte der Teammanager an, dass "wir diesen Weg weiter gehen. Ich bitte darum in aller Deutlichkeit, diesen zwar kritisch, aber mit dem nötigen Maß an Fairness zu begleiten".
Keine Panik
Die Mannschaft setze sich durchaus mit dem schlechten Spiel von Samstag auseinander, die Stimmung sei "nicht bestens", Panik sei aber nicht ausgebrochen. "Natürlich sind wir enttäuscht. Aber wir haben immer gesagt, dass es auf unserem Weg zur WM noch viele Probleme geben wird. Es gibt nirgends stetiges Wachstum. Wir gestehen der Mannschaft auch diesen Rückschritt zu", betonte Bierhoff.
Die deutsche Mannschaft befindet sich bereits in Bremen wo sie sich für das nächste Testspiel am Mittwoch gegen Südafrika vorbereitet (20.30 Uhr Liveticker, SPIEGEL ONLINE). Eine Aussprache innerhalb des Teams, wie sie Kapitän Michael Ballack nach der Niederlage in der Slowakei gefordert hatte, fand bisher nicht statt. Jedoch würde unter den Spielern erhöhter Redebedarf bestehen, sagte Bierhoff, "aber sie zerfleischen sich nicht und sind auch nicht zerstritten".
Vorbereitung auf Südafrika: Sprinten, beobachten, zuhören
Der Teammanager sieht auch keinen Bedarf, am sportlichen Konzept von Klinsmann Korrekturen vorzunehmen. Im Gegenteil. "Wir wollen 2006 auf dem Höhepunkt sein, da sind gewisse Dinge eben notwendig - dass man Spieler testet und dass es entsprechend einen Konkurrenzkampf gibt." Die sportliche Leitung halte an der Rotation der Torhüter Oliver Kahn und Jens Lehmann nicht aus Sturheit fest, "sondern weil wir davon überzeugt sind".
Die Spieler denken noch positiv
Bierhoff kann die Kritik von Außen deshalb nicht nachvollziehen. "Nach der Europameisterschaft im letzten Jahr wurden wir als Deppen Europas bezeichnet. Dann kam ein neues Team und es hat sich im deutschen Fußball viel geändert. Doch dies wird jetzt auch nicht anerkannt", sagte der frühere Torjäger, fügte aber trotzig an: "Das haut uns nicht um. Wir haben im inneren Kreis der Nationalmannschaft die absolute Ruhe und Sicherheit."
Doch mit dieser Ruhe könnte es sich am Mittwoch erledigt haben, wenn Klinsmanns Team auch gegen Südafrika kein überzeugendes Spiel abliefert. Der mühsam erspielte Kredit vom Konföderationen-Cup wäre aufgebraucht. Denn auch schon das 2:2 in den Niederlanden war äußerst glücklich zustande gekommen. Bis Montagmittag waren nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erst 23.500 der insgesamt 35.964 Tickets verkauft. "Wir hoffen, dass wir 30.000 Zuschauer im Stadion haben werden, ausverkauft wird es wohl nicht", erklärte DFB-Pressechef Harald Stenger.
Immerhin denken die Spieler noch positiv. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir den ersten Sieg in der WM-Saison feiern werden und es anschließend auch in Richtung WM kontinuierlich aufwärts geht", verdeutlichte Angreifer Miroslav Klose, der trotz einer Schienbeinverletzung einsatzfähig ist. Die Mannschaft habe direkt nach dem Spiel in der Slowakei "einen Schlussstrich gezogen. Gerade die erfahrenen Spieler müssen jetzt vorangehen".
Etwas ausprobieren
Auch Klinsmann sagte, dass es "schön wäre, wenn wir die Niederlage wettmachen könnten". Wovon Bierhoff überzeugt ist: "Der Mannschaft ist bewusst, dass sie sich anders präsentieren muss. Sie wollen es schaffen, ein Zeichen zu setzen. Schon im Training war die Entschlossenheit zu spüren."
Klinsmann, der seit seinem Dienstantritt 35 Spieler eingesetzt hat, wird wohl auch am Mittwoch seine Experimente weiterführen. Gut möglich, dass gegen die Südafrikaner Marcell Jansen (Borussia Mönchengladbach) und Tim Borowski (Werder Bremen) von Beginn spielen werden. Auch Abwehrspieler Arne Friedrich (Hertha BSC), der in der Slowakei wegen einer Magenverstimmung gefehlt hatte, rückt wohl wieder ins Team.
Doch die Testphase könnte bald vorbei sein, wie Bierhoff andeutete: "Die Trainer wollen etwas ausprobieren und sich ein Bild machen. Natürlich wird weniger experimentiert, je näher die WM rückt." Inklusive der Südafrika-Partie bleiben Klinsmann nur noch sechs Länderspiele, ehe Mitte Mai der 23-köpfige WM-Kader berufen werden soll.