Thomas Strunz Ausland oder Ruhestand
München - In acht Jahren beim FC Bayern München hat Thomas Strunz Titel am Fließband gewonnen, doch unvergesslich machte ihn Trapattoni: "Was erlauben Struuuunz?", schrie der Italiener während seines legendären Wutausbruchs im Frühjahr 1998. Und dieser Satz wird in der Erinnerung der deutschen Fußball-Fans wohl ewig haften bleiben - vermutlich mehr als die respektable Erfolgsliste des gebürtigen Duisburger; angefangen mit der Europameisterschaft (1996) und dem Uefa-Cup-Sieg (1996), über vier deutsche Meisterschaften (1990, 1997, 1999, 2000) sowie zwei DFB-Pokal-Gewinne (1998, 2000).
Der 32-Jährige löste seinen im Sommer auslaufenden Vertrag beim deutschen Meister auf - eine vorzeitige Trennung, die für beide Seiten offenbar notwendig geworden war. Der ausgemusterte 41-malige Nationalspieler wollte "nicht mehr auf der Tribüne hocken",
und Trainer Ottmar Hitzfeld konnte einen nicht mehr benötigten Edelreservisten aus dem Kader streichen.
Frührentner Strunz?
Strunz geht - aber wohin? Ins Ausland, oder mit nur 32 Jahren in den Ruhestand? "Wenn ich keinen anderen Verein finde, höre ich auf", hat Strunz gesagt. "Es gibt auch noch andere Dinge im Leben als Fußball." Dennoch wäre es ein bitterer Abschluss, "denn ich glaube, dass ich locker noch anderthalb Jahre mithalten könnte". Wenn, so Strunz, dürfte der Weg am Ende seiner Profikarriere, deren Stationen MSV Duisburg, FC Bayern (zwei Mal) und VfB Stuttgart hießen, "zu 90 Prozent" ins europäische Ausland führen. Ein Wechsel zu Austria Wien sei aber "gestorben", sagte er.
Thomas Strunz ist nach Thomas Helmer der zweite prominente Nationalspieler, den Ottmar Hitzfeld beim FC Bayern aussortiert hat. Der verletzungsanfällige Defensivspieler kam in der ersten Saisonhälfte nur noch auf fünf Bundesliga-Einsätze. Beim letzten Champions-League-Spiel des vergangenen Jahres in London gegen den FC Arsenal strich ihn Hitzfeld am Spieltag als 19. Mann aus dem Kader und schickte ihn zum Zuschauen auf die Tribüne.
Hochzeit und Vaterfreuden
Schon viel früher dämmerte Strunz, dass der Trainer auf andere Spieler als ihn setzte. "Vor der Saison wurden zwei Spieler geholt, die meine Positionen spielen", sagte er mit Verweis auf den Franzosen Willy Sagnol und Ciriaco Sforza, die vor dieser Saison für zusammen 25 Millionen Mark nach München wechselten.
Noch hofft Strunz auf ein Engagement bei einem anderen Verein.
Ansonsten hätte er demnächst noch mehr Zeit für sein Privatleben, in
dem sich bereits in den vergangenen Monaten mehr tat als im Beruf. Im
vergangenen November wurde Thomas Strunz zum dritten Mal Vater, und
im Weihnachtsurlaub heiratete er in New York seine Freundin Claudia.