Titelkampf So wird Schalke schon heute Meister
Hamburg Schalke führt die Tabelle nach 32 Spielen mit 65 Punkten an. Dahinter folgen Stuttgart (64) und Bremen (63). Der Club aus Gelsenkirchen kann als einziges Team schon am vorletzten Spieltag den Titel holen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der FC Schalke, der noch niemals seit der Bundesliga-Gründung 1963 Meister wurde, heute in Dortmund gewinnen. Zudem muss Stuttgart beim VfL Bochum verlieren, die Bremer dürfen gegen Frankfurt nicht gewinnen. Werder hat die beste Tordifferenz der drei Meisteranwärter (+35, die beiden anderen jeweils +22). Alle neun Spiele des vorletzten Spieltags der Bundesliga-Saison 2006/2007 beginnen um 15.30 Uhr (Liveticker SPIEGEL ONLINE). Für die Dortmunder Fans wäre es eine Riesenfreude, die erste Meisterschaft des verhassten Rivalen seit 49 Jahren zu verhindern. Die Anhänger des BVB verspotten Schalke 04 als "Club aus Herne-West". Die Gelsenkirchener wiederum sprechen nur von den "Zecken aus Lüdenscheid". Das Dortmunder Stadion ist seit Wochen mit 80.708 Zuschauern ausverkauft, dazu werden rund 70.000 S04-Fans zum "Derby Viewing" in der Veltins-Arena erwartet. Für Schalke spricht vor dem 129. Revierderby, dass der Club seit dem 14. November 1998 nicht mehr in Dortmund verloren hat.
Ein erneutes Trauma wie 2001, als das Team auf der Zielgeraden noch abgefangen wurde, wollen sich die seit dem 20. Spieltag führenden Schalker ersparen. Trainer Mirko Slomka, dessen Team die Saison in einer Woche mit einem Heimspiel gegen Bielefeld abschließt, gibt sich vor dem Thriller in Dortmund zuversichtlich: "Ich kann den Fans mit auf den Weg geben, uns zu vertrauen und abzustreifen, was einmal gewesen ist." 2001 wähnten sich die Schalker schon als Meister, doch in der Nachspielzeit rettete Patrik Andersson mit einem Freistoßtreffer den Bayern beim Gastspiel in Hamburg den zur Meisterschaft fehlenden Punkt.
"Ich kann nicht gut schlafen im Moment. Ich gehe das Spiel in Gedanken durch", gestand Schalkes Kapitän Marcelo Bordon. Auch Dortmunds Trainer Thomas Doll ist wie elektrisiert: "Ich habe in meiner Zeit als Profi viele Derbys in Hamburg und Rom miterlebt, aber das hier übertrifft alles", sagt Doll, dessen Team sich mit zwei Siegen noch für den UI-Cup qualifizieren kann. Sollte es Schalke schon heute schaffen, müssten sie sich aber noch etwas in punkto Meisterschale gedulden. Die "Salatschüssel" wird dem neuen Titelträger erst am letzten Spieltag überreicht.
Keine 20 Kilometer von Dortmund entfernt kämpft der VfB Stuttgart in Bochum um die laut Club-Präsident Erwin Staudt "gigantische Chance". Doch so leicht wie beim 4:1-Sieg im DFB-Pokal Mitte Dezember an gleicher Stätte wird es diesmal nicht werden. Der jüngste Aufwärtstrend der Bochumer mit zuletzt fünf Siegen in sechs Spielen stimmt VfB-Trainer Armin Veh nachdenklich. "Anscheinend hat noch niemand bemerkt, dass die Bochumer noch in den Uefa-Cup kommen können. Die haben eine Riesensaison gespielt." Stuttgart, das am letzten Spieltag Cottbus erwartet, war zuletzt 1992 Meister.
Werder Bremen, das 2004 letztmals den Titel holte, hat von allen drei Titelaspiraten zwar die schlechteste Ausgangsposition, aber die vermeintlich leichteste Aufgabe. Die Norddeutschen empfangen den noch nicht geretteten Tabellen-14. Frankfurt. "Der Wille ist da, das Beste abzurufen. Das merkt man schon die ganze Woche beim Training", sagt Trainer Thomas Schaaf. Dessen Mannschaft gastiert zum Saisonfinale beim VfL Wolfsburg.
Auch im Abstiegskampf können heute Entscheidungen fallen. Gewinnen die seit sieben Spielen sieglosen Mainzer (31 Punkte) nicht gegen den künftigen Zweitligisten Borussia Mönchengladbach (26), müssen sie absteigen. Doch selbst ein Erfolg könnte zu wenig sein, nämlich dann, wenn Wolfsburg (36) das Abstiegsendspiel bei Alemannia Aachen (33) gewinnt. Der Mainzer Trainer Jürgen Klopp glaubt nicht an Wunder: "Es macht keinen Sinn, am Strohhalm zu hängen."
ach/dpa/sid