Torlinientechnik: DFL-Klubs stimmen erneut ab - DER SPIEGEL
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Technik-Votum der DFL-Klubs Mehr Gerechtigkeit auf der Torlinie

Die 36 Profifußballvereine stimmen am Donnerstag erneut über die Einführung der Torlinientechnik ab. Dieses Mal könnte die Entscheidung positiv ausfallen: Ein Projekt in den Niederlanden hat viele Klubmanager überzeugt.
Phantomtor von Hoffenheim: Künftig klare Entscheidungen?
Phantomtor von Hoffenheim: Künftig klare Entscheidungen?

Phantomtor von Hoffenheim: Künftig klare Entscheidungen?

Foto: Simon Hofmann/ Bongarts/Getty Images
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Horst Heldt ist eigentlich kein Freund der Torlinientechnik, im März votierte er gegen die Einführung eines solchen Systems in der Bundesliga. Aber ein Traditionalist, der Diskussionen wie jene über das Wembley-Tor vermissen würde, ist der Manager des FC Schalke auch nicht. Im Gegenteil: Heldt bezeichnet die vom Weltverband Fifa erlaubte Technik als "inkonsequent" und "Flickschusterei". Wenn man schon technische Hilfsmittel für Schiedsrichter einführen wolle, "dann sollte es gleich den Videobeweis geben", sagt Heldt.

Und deshalb wird der Funktionär sehr aufmerksam zuhören, wenn Andreas Rettig, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), am Donnerstag vor Vertretern der 36 deutschen Profiklubs neueste Erkenntnisse zum Thema vortragen wird. Am Ende der Mitgliederversammlung soll es auf Antrag des FC Bayern eine neue Abstimmung über die Torlinientechnik in der Bundesliga geben.

Neben verbesserten Finanzierungsmöglichkeiten - statt einer Investition von rund 250.000 Euro sind auch Leasingmodelle möglich - hat sich seit dem letzten Mal vor allem eines geändert: Es gibt nun tatsächlich eine Aussicht auf die Einführung des Videobeweises.

Rettig hat sich von Versuchen mit dem sogenannten Videoschiedsrichter begeistern lassen, wie es sie in den Niederlanden gibt, und auch viele Klubvertreter finden so eine umfassende technische Schiedsrichterhilfe offenbar gut.

Pilotprojekt mit Videoschiedsrichtern liefert wichtige Erkenntnisse

Im Nachbarland steht vor einigen Stadien ein Transporter, in dem ausgebildete Schiedsrichter die Spiele vor einer Wand mit Bildschirmen verfolgen. Das Pilotprojekt bewies, dass es möglich ist, pro Spiel durchschnittlich drei bis vier strittige Szenen zweifelsfrei aufzuklären und entsprechende Informationen rasch an den Schiedsrichter auf dem Platz zu übermitteln. Das ist für viele Klubvertreter eine attraktivere Option als die Torlinientechnik, die nur alle paar Wochen gebraucht wird.

Noch dürfen die Videoschiedsrichter in den Niederlanden ihre Erkenntnisse nicht an den Kollegen auf dem Rasen weitergeben, aber das könnte sich schon bald ändern. Über eine entsprechende Ausweitung des Pilotprojekts wird das International Football Association Board (IFAB), das über die Fußballregeln wacht, im kommenden März entscheiden.

Über ein Jahrzehnt lang war die Torlinientechnik von der Fifa und IFAB bekämpft worden, danach hieß es plötzlich, diese Art der Schiedsrichterhilfe sei die einzig denkbare Technik, die im Spiel zugelassen werde. Jetzt wird der Videoschiedsrichter als ernsthafte Option gesehen. "Skeptisch, aber interessiert", sei man, heißt es aus dem IFAB.

"Die Entwicklung wird nicht zu Ende sein"

Natürlich würde es auch dann noch Fehlinterpretationen geben, aber in solchen Fällen bliebe eben die Tatsachenentscheidung des Hauptschiedsrichters gültig. "Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass es hundertprozentige Gerechtigkeit geben kann", sagt Rettig, "aber auf die Torliniengerechtigkeit, die wir dann nachweislich hätten, käme eine noch nicht vorhersehbare Prozentzahl x oben drauf."

Rettig war erst in der vergangenen Woche als Mitglied einer beratenden Kommission bei einem Meeting des IFAB-Gremiums, um gemeinsam mit den Niederländern seine Forschungen zum Thema Videoschiedsrichter vorzustellen. Die Einführung von Torlinientechnik wäre daher wohl nur ein Zwischenschritt, "die Entwicklung wird nicht zu Ende sein", sagt Jörg Schmadtke. Der Manager des 1. FC Köln ist ein bekennender Anhänger des Fortschritts. "Die kleine Tür zu öffnen, bedeutet, dass wir danach auch weitergehen werden."

Längst arbeiten die Torlinientechnik-Anbieter an automatisierten Verfahren zur Abseitsermittlung, das IFAB diskutiert darüber, ob die Spieler Mikrochips in der Kleidung tragen dürfen, damit man ihre Laufwege und ihr taktisches Verhalten besser elektronisch erfassen kann. Und mit der Kameratechnik, die für den Videoschiedsrichter in den Stadien installiert werden würde, könnte es bald möglich sein, Fußballspiele elektronisch so umzurechnen, dass man sie aus der Perspektive der Spieler betrachten kann. Das würde den Scouting-A

bteilungen wertvolle Informationen über die Wahrnehmungsfähigkeiten der Profis liefern.

All das wird eine Rolle spielen, wenn die Vertreter der 18 Erstligisten am Donnerstag abstimmen. Die Chancen, dass nicht mehr nur neun Klubs für die Technik stimmen und es die erforderliche Zweidrittelmehrheit von zwölf Jastimmen gibt, sind durchaus vorhanden. Zumal der FC Augsburg seine ablehnende Haltung aufgegeben haben soll, mit dem 1. FC Köln ein Befürworter aufgestiegen ist und der HSV eine neue Führung hat, die die Technik zumindest nicht kategorisch ablehnt.