Trainer-Aus: Heynckes in Gladbach zurückgetreten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Trainer-Aus Heynckes in Gladbach zurückgetreten

Jupp Heynckes ist nicht mehr Trainer von Borussia Mönchengladbach. Der Coach trat von seinem Amt zurück. In salbungsvollen Worten bedankten sich die Verantwortlichen, von denen zwei Boulevardzeitungen zuvor schon erfahren hatten, dass der Trainer gehen müsse.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mönchengladbach - Heynckes' Amtszeit beim derzeitigen Tabellen-Sechzehnten der Bundesliga endet nach 215 Tagen. Am kommenden Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) bei Arminia Bielefeld wird der bisherige Heynckes-Assistent Jos Luhukay als verantwortlicher Coach auf der Gladbacher Bank sitzen. Gladbach ist seit 13 Pflichtspielen ohne Sieg, der letzte datiert vom 14. Oktober 2006 (3:1 gegen Wolfsburg). Die Internetseite der Borussia , die nach Bekanntwerden des Rücktritts längere Zeit nicht erreichbar war, ist mittlerweile wieder im Netz.

Heynckes verzichtet laut einer Borussia-Presseerklärung auf eigenen Wunsch auf alle Ansprüche aus seinem bis 30. Juni 2008 datierten Arbeitsvertrag. "Wir alle bedauern diesen Schritt von Jupp Heynckes sehr, denn wir haben mit ihm in einem sehr freundschaftlichen und guten Verhältnis zusammengearbeitet. Er ist ein großartiger Mensch und absoluter Ehrenmann. Jupp Heynckes wird immer ein Borusse bleiben", sagte Borussias Präsident Rolf Königs.

Ein fader Beigeschmack bleibt jedoch: Schon bevor sich der 61-jährige Heynckes und die Verantwortlichen heute zu einer turnusmäßigen Sitzung getroffen hatten, war gegenüber den Boulevardzeitungen "Bild" und "Express" aus der Vereinsführung durchgesickert, dass der Rauswurf des Trainers besiegelt sei. Heynckes war am Morgen um 09.10 Uhr noch am Borussiapark vorgefahren, um mit der Mannschaft - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - die erste Trainingseinheit zur Vorbereitung auf das nächste Spiel in Bielefeld aufzunehmen.

Heynckes' Abneigung gegen die Boulevardmedien hatte gestern ihren Höhepunkt erreicht. Nach dem 0:0 gegen Nürnberg hatte ein Reporter dem Coach die Frage gestellt, ob er glaube, dass er am Samstag in Bielefeld noch auf der Bank sitzen werde. Heynckes antwortete mit hochrotem Kopf: "Wenn Sie weiter so eine Schmutzkampagne fahren, muss ich mir das überlegen." Danach sprang der Borussia-Coach auf, gab seinem Kollegen Hans Meyer die Hand und verließ kopfschüttelnd den Raum.

Der vierte Trainerwechsel in dieser Saison und der 299. in der Bundesliga-Geschichte seit 1963 ist damit perfekt. In dieser Spielzeit hatten zuvor Peter Neururer (Hannover 96) und Bert van Marwijk (Borussia Dortmund) gehen müssen. Dieter Hecking (Alemannia Aachen) hatte um Vertragsauflösung gebeten, um zu seinem Wunschverein Hannover wechseln zu können.

goe/sid

Mehr lesen über