Trainer-Schelte Ronaldo soll sich schinden
Hamburg - Brasiliens Fußball-Idol Pelé hat sich für mehr Nachsicht mit dem in die Kritik geratenen Torjäger ausgesprochen. "Er hat viel zu wünschen übrig gelassen", sagte Pelé zu Ronaldos schwachen Auftritt bei der WM-Auftaktbegegnung. "Aber Brasilien braucht ihn und Ronaldo braucht unseren geistigen Beistand", sagte der Weltmeister in einem ZDF-Interview. "Jetzt ist die Zeit gekommen, um ihm zu helfen. Er braucht nun Rückendeckung und muss Selbstvertrauen erhalten."
Weniger gnädige Worte fand dagegen Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira im Mannschaftsquartier der Brasilianer in Königstein: "Bei dieser WM sind alle fit, spielen schnell, decken unermüdlich und schalten rasch zwischen Abwehr und Angriff um. Wenn Ronaldo nicht besser wird, werden wir sehen, was wir im Laufe des Turniers machen." Ronaldo sei für das zweite Spiel der Mannschaft noch einmal gesetzt, sagte Parreira. Allerdings: "Er muss seine körperliche Verfassung verbessern".
Ronaldo war in der Nacht zuvor in einer Frankfurter Klinik umfassend untersucht worden, weil er über Übelkeit und Schwindelgefühle geklagt hatte: Computertomographie der Neben- und Stirnhöhle und des Schädels, um einen Tumor auszuschließen, Bluttests, Röntgenaufnahmen, Magenspiegelung - wegen Verdachts auf Gastritis. Gefunden wurde nach Angaben des Mannschaftsarztes José Luiz Runco nichts. "Das Ganze kann auch psychische Ursachen haben", sagte er. "Zu viel Stress kann Übelkeit auslösen."
Zur Sicherheit wurden dem Topkicker trotzdem entzündungshemmende Mittel und Antibiotika verabreicht.
Ronaldo erklärte, er habe sich mit den Untersuchungen einfach Gewissheit verschaffen wollen. "Die Mannschaft steht hinter mir, so wie ich hinter der Mannschaft stehe." Sonderrechte beanspruche er nicht: "Es gibt keinen Grund für einen Solidaritätsakt. Ich erwarte, dass ich am Sonntag besser spiele."
Brasilien war gegen Kroatien im zweiten Spiel der Gruppe F nur mit viel Mühe ein 1:0-Sieg geglückt. Am Sonntag trifft die Seleção in München auf Australien (15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Die Mannschaft des niederländischen Trainers Guus Hiddink hatte Japan im ersten Spiel mit 3:1 bezwungen.
knu/sid/dpa