Trainerflops: Aus nach sechs Tagen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Trainerflops Aus nach sechs Tagen

An kurze Amtszeiten der Trainer hat sich der Fußballfan mittlerweile gewöhnt. Was sich allerdings einst beim Karlsruher SC tat, war selbst für Hartgesottene bemerkenswert. Ein anderer Coach machte gar die Bekanntschaft einer Schusswaffe.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Platz 3 - Jörg Berger bei Bursaspor (Juli bis Oktober 2000)

Berger hat als Trainer bereits eine Menge erlebt, aber die Zeit beim türkischen Erstligisten Bursaspor nimmt auch in seiner Vita eine Sonderstellung ein. Wegen des Einsatzes der beiden von Berger mitgebrachten Spieler Marc Ziegler und Martin Spanring kam es zum Streit mit der Clubführung, der rasch eskalierte. Erst sperrte der Verein Berger das Handy, dann wurden die Fensterscheiben seines Hauses zertrümmert. Als er zum Entlassungsrapport bestellt wurde, lag eine Pistole auf dem Tisch, was ein Vorstandsmitglied mit den Worten kommentierte: "Das ist unsere Sprache."

Platz 2 - Reinhold Fanz beim Karlsruher SC (Jahreswechsel 2004/2005)
Am Tag vor Silvester wurde er verpflichtet, kurz nach Neujahr war er bereits wieder gefeuert. Die sechs Tage, die Fanz beim Karlsruher SC, nun ja, arbeitete, markieren die kürzeste Amtszeit in der Geschichte des deutschen Profifußballs. Und sind ein Lehrbeispiel über den Einfluss der Sponsoren im modernen Sport. Denn die Demission des just verpflichteten Fanz erfolgte auf massiven Druck des KSC-Hauptsponsors EnBW, dessen Boss Utz Claassen sich einst als Hannoveraner Vorstandsvorsitzender mit 96-Coach überworfen hatte. So durfte EnBW eine Presseerklärung verbreiten, in der Fanz das "nötige Format" für den Job abgesprochen wurde. Und der Club, der ohne die Gelder des Sponsors pleite gewesen wäre, machte artig Männchen dazu.

Platz 1 - Rolf Schafstall bei Dynamo Dresden (Frühjahr 1999)
"Dreck, wohin du guckst. Dem Zeugwart muss man in den Arsch treten, dass er seinen Job macht und nicht in den Tag reinquasselt und von alten Zeiten erzählt. Die sehen keinen Dreck hier. Das haben die früher nicht sehen müssen. Die sind nicht zur Arbeit, nicht zur Ordnung, zu nichts erzogen worden. Da steht keiner auf, da hört keiner zu - kein Anstand, lauter Ossis. Soll ich dafür Sorge tragen, dass die im richtigen Moment nicht den Tritt in den Arsch bekommen haben? Ich weiß: Das ist befristet. Und dann mache ich den Abflug hier." Nun, es ging schneller, als Schafstall dachte: Wenige Tage nach diesen Aussagen, mit denen er sich als Ahnherr von Edmund Stoiber profilierte, wurde Schafstall in Dresden entlassen, nach einer Amtszeit von gerade einmal 56 Tagen.