Transferstreit: Schlappe für Sepp Blatter - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Transferstreit Schlappe für Sepp Blatter

Der Welt-Verband Fifa und die Europäische Fußball-Union (Uefa) haben am Freitag ihren Streit in der Frage der Reform des Transfersystems vorerst beigelegt. Ein Alleingang von Fifa-Präsident Sepp Blatter vor der EU konnte gerade noch abgegrätscht werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zürich - Mit einem totalen Triumph für die Europäische Fußball-Union (Uefa) und einer Niederlage für Weltverbands-Präsident Sepp Blatter endete der Krisengipfel der bedeutendsten Fußball-Verbände in Zürich. Fifa und Uefa einigten sich in der 75-minütigen Aussprache auf eine Rückkehr zur Zusammenarbeit bei der Neuregelung der Transferwesens. Voraussetzung dafür war, dass Fifa-Chef Blatter sein eigenmächtig am 9. Januar an die Europäische Union gesandtes Diskussionspapier für ungültig erklärte und sich bei den Europäern für den Alleingang entschuldigte. "Den Partner der Verhandlungen nicht konsultiert zu haben, war nicht gerade die diplomatische Form", räumte der Schweizer sein Fehlverhalten ein: "Ich bedaure, dass diese Situation eingetroffen ist. Wenn wir schon immer an Fair Play appellieren, gilt das auch für uns selbst."

"Ich bedaure, dass diese Situation eingetroffen ist"


Zugleich einigten sich die Spitzenfunktionäre auf die Reaktivierung einer Dringlichkeits-Kommission. Schon in der kommenden Woche sollen die ausgesetzten Gespräche mit der EU wieder aufgenommen werden. Alle Beteiligten betonten, es müsse schnell eine Lösung mit Brüssel gefunden werden, damit diese von den Vereinen auch rechtzeitig umgesetzt werden kann. Der ursprünglich gefasste Zeitplan, noch vor Monatsende die Transfer-Reform zu verabschieden, ist allerdings nicht mehr realisierbar.

"Ich bin froh, dass der Präsident präsidial gehandelt hat und das Echo auf das Nicht-Papier aufgenommen hat. Jetzt sind wir wieder im Dialog", sagte Uefa-Präsident Lennart Johansson nach der mitunter hitzig geführten Unterredung im Zürcher Fifa-Haus. Darin musste sich Blatter bereit erklären, in Brüssel für Aufklärung zu sorgen. "Wir werden die EU-Kommission darüber informieren, dass das letzte Dokument ein inoffizielles Nicht-Papier war, das weder die Fifa noch irgendeine andere Partei bindet", sagte der Fifa-Chef. Die EU hatte dieses Papier wohlwollend kommentiert, weil es mehr als alle bislang eingereichten Vorschläge der Brüsseler Forderung nach einer umfassenden Transferreform nachkam. So bietet der Blatter-Vorschlag einem Spieler sogar die Möglichkeit, jährlich mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten einen laufenden Kontrakt einseitig zu kündigen. Dies war bei der Uefa und den zur "G14" vereinigten Spitzenclubs auf Empörung gestoßen.

Auf tönernen Füßen


Ob der Schulterschluss von Zürich mehr als nur auf tönernen Füßen steht und wirklich der Durchbruch in der Transferreform bevorsteht, erscheint allerdings fraglich. Mit seinem Alleingang hatte Blatter das ohnehin von großem gegenseitigen Misstrauen geprägte Verhältnis zur Uefa nachhaltig erschüttert. Am Freitag hatte der Schweizer gar keine andere Wahl, als zurückzurudern, um den Bruch mit dem bedeutendsten Kontinentalverband zu verhindern. "Wir waren mit großer Entschlossenheit gekommen und aufgetreten. Das Papier musste vom Tisch, sonst hätten wir den Weg nicht mehr gemeinsam gehen können", betonte Gerhard Aigner. Im Gegensatz zu Blatter fürchtet der Regensburger Uefa-Generalsekretär, dass die Position des Fußballs mit der EU nach den jüngsten Ereignissen geschwächt ist: "Genutzt hat uns das Ganze sicherlich nicht."

In der Tat fangen Politik und Fußball nun fast wieder bei Null an. Grundlage der weiteren Verhandlungen ist ein Dokument, das Fifa und Uefa bereits am 31. Oktober verabschiedet und mit der EU bereits eingehend diskutiert haben. Die in dem Papier verankerten Grundsätze wie Vertragslaufzeiten bis zu fünf Jahren mit einem Kündigungsrecht nach frühestens drei Jahren hat die EU abgelehnt und die Fußball-Verbände zu neuen Vorschlägen aufgefordert. Blatter versuchte, mit einem Scherz die augenblickliche Lage zu schildern: "Das ist jetzt wie in dem Film: Zurück in die Zukunft."

Von Oliver Hartmann, dpa