Trennung von Sammer "Ich bin schockiert"
Stuttgart - "Wir haben zwar unser sportliches Ziel erreicht. Aber ich habe gemerkt, dass die Leute unzufrieden sind. Und bei Gesprächen mit dem Verein über die Zukunft habe ich gespürt, dass unsere Vorstellungen etwas auseinandergehen. Deshalb ist es besser, einen Schlussstrich zu ziehen", sagte Sammer. Ein neuer Club sei noch nicht im Gespräch.
Die Stuttgarter Nationalspieler, die die Nachricht bei der Vorbereitung auf das Länderspiel am Samstag in Nordirland erreichte, reagierten völlig überrascht. "Ich bin schockiert", sagte Torhüter Timo Hildebrand. "Es ist schade, dass Matthias Sammer keine zweite Chance bekommen hat", erklärte ausgerechnet Sammer-Kritiker Kuranyi. Außenverteidiger Andreas Hinkel forderte: "Nun müssen wir alle nach vorne schauen."
Stationen einer Karriere: Trophäensammler Sammer
"Wir haben heute Morgen in beiderseitigem Einvernehmen beschlossen, künftig getrennte Wege zu gehen", sagte VfB-Präsident Staudt, "ausschlaggebend war die mentale Geschichte. Die ganze Art und Weise, wie wir uns zuletzt präsentiert haben, war nicht gut." Stuttgart hatte am letzten Spieltag durch eine 1:3-Niederlage gegen den FC Bayern die Qualifikation zur Champions League verpasst und musste als Fünfter mit einem Platz im Uefa-Cup vorliebnehmen.
Nachfolger soll zum Trainingsauftakt feststehen
"Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Gemeinsam mit Matthias Sammer sind wir aber zu der Erkenntnis gekommen, dass dieser Schritt richtig war", teilte Staudt mit. Ein Nachfolger für Sammer, der beim VfB noch einen Vertrag bis 2007 hat, stehe noch nicht fest. "Wir haben natürlich unsere Vorstellungen von Kandidaten und denken, dass wir spätestens bis zum Trainingsauftakt am 27. Juni einen neuen Trainer präsentieren werden", sagte Staudt.
Sammer war wegen des ausbleibenden sportlichen Erfolges zuletzt immer stärker in die Kritik geraten. "Wir wollten nicht das Risiko eingehen, dass im Falle eines schlechten Starts in die neue Spielzeit gleich der Druck auf alle Beteiligten wieder wächst", sagte Staudt. Der Präsident hatte zuvor auch Gespräche mit den Spielern geführt, bei denen Sammer keine Rückendeckung mehr genoss. Leistungsträger wie Kuranyi oder Aliaksandr Hleb hatten öffentlich über mangelnde Unterstützung durch Sammer geklagt.
Sammer kam erst zu Saisonbeginn von Borussia Dortmund zu den Schwaben, nachdem er sich mit dem BVB auf eine vorzeitige Vertragsauflösung verständigt hatte. In Stuttgart ersetzte der 37-Jährige Felix Magath, der nach München gegangen war. Sammer, der als Bundesligaprofi in Stuttgart und Dortmund 178 Spiele absolvierte und mit dem VfB 1992 Meister wurde, hatte als BVB-Trainer 2002 den Titel in der Bundesliga geholt. Insgesamt arbeitete der 51-malige Nationalspieler von 2000 bis 2004 bei den Westfalen.