U-20-WM "Seid ihr bescheuert?"
Cordoba - Die "U 20"-Junioren des DFB haben ihr erstes Ziel bei der WM in Argentinien geschafft. Das Team von Trainer Uli Stielike sicherte sich am späten Samstagabend durch ein hart erkämpftes 3:1 (1:1) in Cordoba über den Irak im letzten Vorrunden-Spiel den zweiten Platz in der Gruppe B hinter dem hohen Turnier-Favoriten Brasilien (2:0 über Kanada). Als Gegner der DFB-Elf in der Runde der letzten 16 kamen vor dem letzten Spieltag in den Gruppen D, E und F in Cordoba noch Ghana, Frankreich und Paraguay in Betracht.
Unsicherer Deckungsverband
Der Erfolg über den Irak war glanzlos erkämpft. Der DFB-Nachwuchs konnte weder in der Abwehr noch in Mittelfeld und Angriff überzeugen. Kaum erklärbare Unzulänglichkeiten hatten sich immer wieder ins deutsche Spiel geschlichen. Stielike wäre am Spielfeldrand fast verzweifelt. "Seid ihr denn bescheuert?", rief er seinen Jungen zu, als sich in der Abwehr die Fehler häuften, in der viel zu lässig und pomadig agiert wurde. "Wir haben die Iraker fast zum Toreschießen eingeladen", ärgerte sich der DFB-Coach. Bis auf Torwart Tom Starke (Bayer Leverkusen) und Verteidiger Christoph Preuß (Eintracht Frankfurt) glich der Deckungsverband mehrfach einem aufgeschreckten Hühnerhaufen, so dass den deutschen Fans dabei Angst und Bange wurde.
Zumal das «Unternehmen Achtelfinale» schon mit einer Schreck-Sekunde begann. Nach einem Eckball unterlief Denis Lapaczinski (37.) vom SSV Reutlingen ein Eigentor. Der künftig für Hertha BSC in der Bundesliga spielende Innenverteidiger hatte mit einem Kopfball genau ins Eck seinen Schlussmann Starke überrascht. Der Frankfurter Preuß (40.) sorgte aber nach Zuspiel von Benjamin Auer (Borussia Mönchengladbach) schnell für das wichtige 1:1 - und für Belebung im deutschen Spiel. Als der Iraker Hassan Haidar (42.) nach einer Tätlichkeit gegen Auer die Rote Karte sah, waren die Weichen für den Sieg der DFB-Elf gestellt. Ein Eigentor des Irakers Ibrahim Munain (60.) und Auers fünfter Turniertreffer (64.) machten ihn perfekt.
"Der Wille war da"
Stielike hatte neben allem berechtigten Tadel auch Lob für sein Team bereit: "Die Einstellung hat gestimmt. Der Wille zum Sieg war da. Wenn wir hier aber mehr erreichen wollen, dann müssen wir uns in allen Mannschaftsteilen erheblich steigern. Die kommenden Gegner haben ein ganz anderes Kaliber", warnte er. Der ehemalige Assistent von Erich Ribbeck bei der A-Nationalmannschaft war vor allem mit der Leistung seines Kapitäns Michael Zepek (Karlsruher SC) erneut nicht zufrieden. Der in der nächsten Saison bei Bayer 04 Leverkusen unter Vertrag stehende Abwehrspieler wurde erneut ausgewechselt.
Von Carlos di Lorenzo, dpa