Uefa-Cup-Blamage: Schwarze Nacht für deutschen Fußball - DER SPIEGEL
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Uefa-Cup-Blamage Schwarze Nacht für deutschen Fußball

1997 noch feierten Dortmund in der Champions League und Schalke 04 im Uefa-Cup triumphale Titelgewinne. Sechs Jahre später strauchelten beide Teams bereits an der zweiten Uefa-Cup-Hürde. Während der BVB nach der demütigenden Schlappe von Sochaux nicht einfach zur Tagesordnung übergehen will, geben sich die Schalker trotzig.
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Sochaux/Kopenhagen - Salvatore Gambino saß weinend in der Kabine, Jan Koller trat auf dem Weg dorthin Wut entbrannt in die Absperrung und Sebastian Kehl debattierte minutenlang mit dem Schiedsrichter. Nicht nur bei den Dortmunder Spielern hinterließ das bitteren Uefa-Cup-Aus in der französischen Provinz tiefe Spuren. Auch BVB-Sportmanager Michael Zorc stand nach der erniedrigenden 0:4-Niederlage gegen den FC Sochaux aus Frankreich der Ärger ins Gesicht geschrieben: "Nach so einer Leistung können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Zum Schluss haben wir quasi um die Gegentore gebettelt - das war dem guten Ruf von Borussia Dortmund unwürdig."

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Uefa-Cup-Blamage: Schwarze Nacht für deutschen Fußball

Foto: REUTERS

Was als Schritt aus der Krise geplant war, endete in einem neuerlichen Fiasko für den BVB. Als wäre die heftige Kritik am Ausscheiden in der Champions-League-Qualifikation und im DFB-Pokal ohne Wirkung geblieben, ergab sich die Borussia im Dauerregen von Sochaux fast widerstandslos ihrem Schicksal. "Bei allem, was wir zuletzt durchgemacht haben, war das ein erneuter Tiefschlag. Das macht unsere Situation nicht leichter", klagte Trainer Matthias Sammer.

Nach einem bislang enttäuschendem Jahr mit sportlichen Pleiten, Diskussionen um Gehaltsverzicht und Steuererleichterungen, der jüngsten Operette um Marcio Amoroso und unglaublichem Verletzungspech sehnt sich Trainer Sammer nach Normalität. Doch die Aussichten dafür sind nicht allzu rosig. Denn ob sich die BVB-Stars auf Dauer damit zufrieden geben, in der Bundesliga um Platz fünf zu spielen, darf ernsthaft bezweifelt werden. Auch Spielmacher Tomas Rosicky sprach von einer ernsten Lage: "Wir sind sehr enttäuscht und müssen nun aufpassen, dass wir als Mannschaft nicht auseinander fallen."

Wie geprügelte Hunde


Wie geprügelte Hunde schlichen die Borussen nach dem Desaster von Sochaux zum Mannschaftsbus und begaben sich auf direkten Weg nach Rostock, wo am Sonntag (17.30 Uhr, live im SPIEGEL ONLINE-Ticker) das Bundesligaspiel gegen Hansa ansteht. "Wir müssen jetzt aufstehen und Charakter zeigen", gab Manndecker die üblichen Parolen aus. Ob das allein zum Umschwung beim BVB reicht, bleibt abzuwarten.

Im Gegensatz zu der am Boden liegenden Borussia folgte beim FC Schalke 04 auf den Frust über das unglückliche Aus im Elfmeterschießen gegen Bröndby IF Kopenhagen zunächst einmal Trotz. "Es hilft doch nichts, über das frühe Ausscheiden zu jammern", erklärte Torhüter Frank Rost, "stattdessen müssen wir jetzt in der Bundesliga Gras fressen. Wer sich in dieser Situation aufgibt, ist hier falsch. Jeder muss dagegen ankämpfen - für sich, für die Mitspieler und für Schalke."

Schalker Kampfparolen


Mit diesen Worten sprach der Keeper seinem Trainer geradezu aus der Seele. "Ich habe eine Mannschaft gesehen, die zusammen hält", stellte Schalke-Coach Jupp Heynckes trotz der Niederlage zufrieden fest, "wenn wir uns auf diesen Teamgeist besinnen, werden wir in der Bundesliga punkten." Das ist auch bitter nötig, denn nach 13. Spieltagen ist die voller Erwartungen in die neue Saison gestartete Bundesliga-Großmacht in der Tabelle auf den 13. Rang abgerutscht und befindet sich nur noch vier Punkte von einem Abstiegsrang entfernt.

Deshalb fordert Heynckes seine Mannschaft dazu auf, das Uefa-Cup-Aus so schnell wie möglich zu verarbeiten, um in der Liga wieder Tritt zu fassen. "Es bleibt nicht viel Zeit, sich physisch und psychisch zu regenerieren, denn schon am Sonntag wartet auf uns ein schweres Auswärtsspiel in Berlin. So eine Enttäuschung muss man genauso wie die 120 Minuten, die in den Knochen stecken, erst einmal verarbeiten."

Die Partie vor 25.817 Zuschauern im Bröndby-Stadion hätte allerdings auch kaum kraftraubender und nervenaufreibender sein können. Zweimal standen die Gelsenkirchener schon mit einem Bein in Runde drei. Und Chancen, den entscheidenden Schritt zu tun, gab es einige. "Wir hatten in der zweiten Halbzeit und auch in der Verlängerung klare Möglichkeiten, das Spiel für uns zu entscheiden, und sind schließlich dafür bestraft worden, dass wir sie ungenutzt gelassen haben", trauerte auch Heynckes der verpassten Chance nach.

Jubel in Frankreich und Dänemark


Damit hat zum ersten Mal seit 1998/99 und zum zweiten Mal überhaupt seit Einführung des Wettbewerbs im Jahre 1971 kein Bundesliga-Club den Einzug in die dritte Runde geschafft. Während der Abschied vom "Cup der Verlierer" (Franz Beckenbauer) in der deutschen Öffentlichkeit mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und verborgenen Sorge registriert wurde, durfte in Frankreich und in Dänemark über den Coup gegen die auf dem Papier stärkeren Gegner gejubelt werden. "Wunderbares Sochaux. Der FC Sochaux hat Borussia Dortmund eine Lektion erteilt. Zum ersten Mal in sechs Auseinandersetzungen ist einem französischen Verein gelungen - und auf welche Art - diesen großen europäischen Verein auszuschalten.", schrieb die französische Sportzeitung "L'Equipe".

Auch Bröndby-Trainer Michael Laudrup sah das Weiterkommen seines Teams als gerecht an: "Wenn man Hin- und Rückspiel zusammen betrachtet, haben wir uns das Erreichen der dritten Runde sicher auch verdient. Es steht ein langer Winter bevor, aber für uns wird es eine schöne Zeit, denn wir überwintern im internationalen Geschäft." Schalke und Dortmund stehen dagegen ungemütliche Monate bevor.

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