Uefa-Cup Depression statt Wunder
Kaiserslautern - Die Stille nach dem Schuss, dem "Genickschuss", wie Kaiserslauterns Vorstandsvorsitzender Atze Friedrich den Ausgleichstreffer von Ivan Alonso (23.) per Kopf schwermütig bezeichnete, war Ausdruck von Pfälzer Endzeitstimmung. "Es herrschte Totenstille", beschrieb Rechtsaußen Andreas Buck die Sekunden, in denen die Hoffnung auf ein Uefa-Cup-Wunder am Betzenberg starb.
Katja Ebstein sollte Mut machen
Eines solchen Wunders hätte es bedurft, um das 1:5 im Estadio de Mendizorroza aus dem Hinspiel gegen den Tabellensechsten der spanischen Primera Division aufzuholen. Katja Ebsteins Evergreen "Wunder gibt es immer wieder" hallte vor dem Anpfiff durch die ausverkaufte Arena. Der Stadionsprecher verlangte von den FCK-Fans die "teuflisch-heiße Betze-Atmosphäre", um Fußballgeschichte zu schreiben. Wie 1982: Da überrollten Hans-Peter Briegel, Hannes Bongartz, Friedhelm Funkel & Co. Real Madrid mit 5:0.
Als Youri Djorkaeff bereits in der siebten Minute zum 1:0 traf, lag das Wunder in der Luft. Frei von jeder Taktik bestürmten die Platzherren das Tor der Spanier, die sich anfangs nur mit ungelenken Befreiungsschlägen zu wehren wussten. Torschütze Djorkaeff, Spitzname "die Schlange", war giftig wie selten zuvor im FCK-Dress, schrie, gestikulierte und trieb sein Team an. Was wäre gewesen, wenn der schottische Schiedsrichter Hugh Dallas nach einem Foul an Miroslav Klose (17.) auf den Elfmeterpunkt gezeigt hätte, wenn Jeff Strasser seinen Kopfball besser platziert hätte (15.) oder wenn Hany Ramzy allein vor dem Alaves-Tor, statt quer zu spielen, selbst geschossen hätte (20.)? "Wir haben sehr gut angefangen, wenn wir mit 2:0 in die Halbzeit gegangen wären, hätten wir was reißen können", trauerte Lauterns Teammanager Andreas Brehme, als Spieler einer der Helden von 1982, den verpassten Gelegenheiten nach.
Alaves auf Anhieb im Endspiel
Doch statt 2:0 hieß es durch den Treffer von Alonso, der den verletzten Torjäger Javier Moreno ersetzte, nach 23 Minuten 1:1. "Die Mannschaft wollte auch dann noch, aber die Beine wurden immer schwerer", erklärte Brehme den deutlichen Leistungsabfall seiner Elf, der bis zum Schlusspfiff kaum noch etwas gelang. Selbst Welt- und Europameister Djorkaeff ließ sich von der großen FCK-Depression anstecken und ging mit unter. Deportivo Alaves, Debütant auf der europäischen Fußballbühne, hatte leichtes Spiel, durch Tore der eingewechselten Jurica Vucko (64. und 86.) und Raul Ganan (88.) die Finalteilnahme am 16. Mai in Dortmund gegen Liverpool perfekt zu machen.
Das Wunder blieb also aus. "Alaves hat in zwei Spielen gegen uns neun Tore erzielt. Sie haben das Endspiel verdient", erkannte Mittelfeldspieler Ratinho die Realität an. Und die ist hart. Als Bundesliga-Sechster müssen die Lauterer um die Teilnahme am internationalen Geschäft der kommenden Saison bangen. "Wir wandeln auf sehr schmalem Grat", flüsterte der wegen erneuter Knieverletzung ausgewechselte Manndecker Harry Koch in die Mikrofone und schlich humpelnd davon. "Dass wir wieder so hoch verloren haben, geht auf den Kopf. Wir sind sehr frustriert", gab Ratinho einen ehrlichen Einblick in sein Gefühlsleben. Ehrlichkeit zeichnet auch Andreas Brehme aus: "Wenn man ausscheidet, kann man nichts Positives mitnehmen. Ich muss die Mannschaft jetzt wieder aufrichten."
Im Fritz-Walter-Stadion hatten sich Lauterns Fans längst wieder gefangen und sangen lauthals "Deutscher Meister wird nur der FCK!" Sie haben wohl zu oft Katja Ebstein gehört.
Kaiserslautern - Alaves 1:4 (1:1)
1:0 Djorkaeff (7.)
1:1 Alonso (23.)
1:2 Vucko (64.)
1:3 Vucko (86.)
1:4 Ganan (88.)
Kaiserslautern: G. Koch - Ramzy - H. Koch (35. Dominguez), Grammozis - Buck (65. Pettersson), Ratinho, Djorkaeff, Hristov, Strasser - Lokvenc, Klose
Alaves: Herrera - Geli, Eggen, Karmona, Tellez (77. Ganan) - Desio, Astudillo, Begona, Tomic - Mocelin (66. Gabiola) - Alonso (56. Vucko)
Schiedsrichter: Dallas (Schottland)
Zuschauer: 31.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: G. Koch, Pettersson - Begona