Uefa-Cup Dortmund erkämpft torloses Remis
Prag - Nach 90-minütiger Schwerstarbeit hat sich Borussia Dortmund die Tür zum Halbfinale des Uefa-Cups einen Spalt weit geöffnet. Nach dem 0:0 beim Favoritenschreck Slovan Liberec fällt die Entscheidung über weitere Millionen-Einnahmen auf dem Weg zum angestrebten Endspiel am 8. Mai in Rotterdam am Donnerstag (21. März) im heimischen Westfalenstadion.
"Es war von vornherein klar, dass es hier schwer wird. Alle anderen Mannschaften, die hier vorher gespielt haben, haben eine Klatsche Bekommen", war Matthias Sammer einigermaßen zufrieden über das Ergebnis. "Wir haben viel zu leichte Fehler gemacht und im Angriff nicht zielstrebig genug gespielt. Das 0:0 ist ein gefährliches Ergebnis. Zu Hause sind wir aber stark genug, um die nächste Runde zu erreichen."
Liberec gefürchtete Anfangsoffensive
Die Borussen begannen vor 14.458 Zuschauern im Letna-Stadion von Sparta Prag, wohin Liberec aufgrund der schlechten Platzverhältnisse in der heimischen Arena ausweichen musste, mit viel Respekt. Das Team von BVB-Trainer Matthias Sammer versuchte von der ersten Minute an mit kontrollierten Ballstafetten, den Schwung aus der gefürchteten Anfangsoffensive des Tabellen-Dritten der tschechischen Meisterschaft zu nehmen.
Dennoch kamen die Gastgeber durch Jan Nezmar (5.) und einen Distanzschuss von Vaclav Kolousek (9.) zu zwei Erfolg versprechenden Situationen.
Erst nach einer Viertelstunde konnten sich auch die Schwarz-Gelben auch in der Offensive einbringen und hatten Pech, als Slovan-Keeper Antonin Kinsky einen Kopfball des Tschechen Jan Koller noch an die Latte lenken konnte. Wenige Minuten später musste Kinsky nach einer verunglückten Abwehraktion von Miroslav Holenak mit einem Reflex klären.
Etwa 30 Minuten ging das Konzept des Bundesliga-Zweiten, der auf die gesperrten Stammspieler Stefan Reuter und Dede sowie den international nicht spielberechtigten Nationalspieler Sebastian Kehl verzichten musste, auf. In der Viertelstunde vor dem Seitenwechsel allerdings machten die Gäste mit zahlreichen Abspielfehlern im Mittelfeld den Gegner stark. Mit seinen pfeilschnellen Spitzen brachte Liberec die Borussia mehrfach in
arge Verlegenheit und vergab die hochkarätigste Möglichkeit, als Nezmar (36.) den Ball aus zehn Metern völlig freistehend über das BVB-Gehäuse schoss.
Kohler rettet in letzter Not
Zu Beginn der zweiten Halbzeit sahen die Dortmunder die erwartet stürmischen Angriffen der Gastgeber, die in den vorangegangenen Runden namhafte Klubs wie Celta Vigo, Real Mallorca und Olympique Lyon aus dem Wettbewerb geworfen hatten, ausgesetzt. Vier Minuten nach dem Wiederanpfiff rettete Routinier Jürgen Kohler in letzter Sekunde nach einer Flanke von Jiri Stajner und verhinderte damit das erste Gegentor im
insgesamt vierten Europacup-Auftritt der Borussia in Tschechien.
Mit zunehmender Spielzeit befreite sich Dortmund vom Druck der Europacup-Nobodys, ohne jedoch seinerseits gefährliche Angriffe starten zu können. Allzu unpräzise waren die Pässe in die Angriffsspitze. Zwar bemühte sich Tschechiens "Fußballer des Jahres" Tomas Rosicky an seiner alten Wirkungsstätte redlich, doch die nötigen Impulse vermochte er dem BVB-Spiel ebenfalls nicht zu geben. Der ehemalige Sparta-Profi Jan Koller hingegen sorgte für Unruhe in der Slovan-Abwehr und verdiente sich in Offensive und auch Defensive
eine Fleißnote. Die einzige BVB-Chance in zweiten Durchgang hatte Stevic, der mit einem Fernschuss an Torhüter Kinsky scheiterte (71.).
Koller, der aus seiner Zeit bei Sparta Prag den Gegner gut in Erinnerung hatte, war beeindruckt von Slovan. "Sie waren in der zweiten Halbzeit das klar bessere Team", so der Sturmhüne. "Wir wussten, dass sie sehr aggressiv auftreten werden. Wir wollten ein Tor schießen, aber der Schlüssel war, so wenig Chancen wie möglich von Liberec zuzulassen, deshalb ist das 0:0 kein schlechtes Resultat."
Auch Slovan-Coach Ladislav Skorpil wollte seinen Optimismus über ein Weiterkommen seiner Mannschaft nicht verlieren. "Borussias Abwehr stand gut", so Skorpil. "Doch wir fahren zuversichtlich nach Dortmund. Wir müssen dort ein Tor erzielen, ein 1:1 würde uns ja schon reichen." Liberec hat in der tschechischen Liga zuletzt neun Spiele in Folge gewonnen.
Slovan Liberec - Borussia Dortmund 0:0
Liberec: Kinsky - Janu, Valachovic, Holenak, Pilny - Johana,
Langer, Kolousek, Zboncak - Nezmar, Stajner
Dortmund: Lehmann - Evanilson, Wörns, Kohler (70. Metzelder),
Heinrich - Stevic, Rosicky, Oliseh - Ewerthon (62. Odonkor),
Koller, Amoroso (85. Ricken)
Schiedsrichter: Pereira (Portugal)
Zuschauer: 14.458
Gelbe Karten: Kolousek (2), Janu - Rosicky (2)