Uefa-Cup-Finale Fans drohen mit "Krieg"
Kopenhagen - Die dänische Hauptstadt erlebte die von vielen befürchtete "Nacht der Randale": Mindestens sieben Verletzte gab es bei schweren Ausschreitungen türkischer und englischer Fußballfans vor dem Uefa-Cup-Finale am Mittwochabend zwischen dem FC Arsenal und Galatasaray Istanbul in der dänischen Hauptstadt. Unterdessen kündigte ein Arsenal-Anhänger für die Zeit unmittelbar vor dem Spiel weitere Straßenschlachten an: "Das wird Krieg", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den Unbekannten.
In der Nacht war es in der Nähe einer Innenstadt-Kneipe zu ersten Auseinandersetzungen gekommen. Ein Brite wurde in Rücken und Lunge gestochen und erlitt schwere Verletzungen. "Doch Lebensgefahr besteht nicht", sagte der Sprecher der Kopenhagener Polizei, Flemming Munch, dem Fernsehsender TV2. Sechs weitere Personen wurden verletzt und mussten ebenfalls in Krankenhäusern behandelt werden. Die Ordnungskräfte nahmen acht oder neun Randalierer fest, die Angaben differierten. Angeblich handelt es sich um vier Türken und vier Briten.
Obwohl die Polizei und private Sicherheitsdienste vor der Begegnung mit 5000 Personen das größte Sicherheitsaufgebot bei einem Fußballspiel in Dänemark mobilisiert hatte, ließen sich die Randalierer beider Seiten nicht bremsen. Auslöser in den frühen Morgenstunden war offensichtlich ein Bierglaswurf auf einen türkischen Fan.
"Danach bekamen wir die Situation kaum noch unter Kontrolle", berichtete der Polizist Finn Bach. Nach unterschiedlichen Medienangaben standen den Fans aus England und der Türkei nur rund 150 Beamte gegenüber. Gruppen von 20 bis 30 Personen begannen nach dem ersten Bierglaswurf mit dem Aufruhr, Arsenal-Fans wurden am Verlassen eines Restaurants gehindert. Beide Gruppen bewarfen sich plötzlich gegenseitig mit Biergläsern, Flaschen und sogar Fahrrädern.
Nach Zeugenaussagen trug offenbar auch die Haltung der dänischen Ordnungskräfte dazu bei, dass die Situation kurz vor der Eskalation stand: "Wir haben das leidlich im Griff gehabt", gab Polizeisprecher Munch vor Medienvertretern selbstkritisch zu Protokoll.
Nach ersten Erkenntnissen wurden die dänischen Behörden von den frühzeitigen Auseinandersetzungen überrascht, obwohl Racheakte von Hooligans nach dem gewaltsamen Tod zweier englischer Fans beim Halbfinal-Hinspiel zwischen Galatasaray und Leeds United in Istanbul programmiert waren. Nach Schätzungen hielten sich in der Kopenhagener Altstadt zum Zeitpunkt der Ausschreitungen etwa tausend türkische und einige hundert Fans aus dem Fußball-Mutterland auf.
Augenscheinlich rechneten die Sicherheitskräfte erst im Lauf des Spieltags mit Problemen, weil dann die Masse an Fans erwartet wurde: 10.000 aus der Türkei, 12.500 von der britischen Insel. Man sei "auf das Schlimmste vorbereitet", hieß es in der Einsatzleitung der dänischen Sicherheitskräfte schon lange vor der brisanten Finalbegegnung.
Für das Endspiel im 39.000 Zuschauer fassenden Parken-Stadion wurden rund 24.000 Tickets in die Türkei und nach Großbritannien verkauft. Schon bei der Ankunft in Dänemark machten die Behörden die rivalisierenden Gruppen auf Handzetteln in beiden Sprachen auf die Folgen von Ausschreitungen aufmerksam: Sofortige Festnahme und bei Verletzung der Vorschriften sofortige Ausweisung wurden angedroht. Auf dem Weg vom und zum Stadion werden die Fangruppen durch einen drei Kilometer langen Zaun voneinander getrennt.