Uefa-Cup Torlos im Nebel
Berlin - Drei Tage nach dem Verlust der Tabellenspitze droht dem Fußball-Bundesligisten Hertha BSC trotz eines ordentlichen Auftritts das Aus im internationalen Wettbewerb. Die stark ersatzgeschwächten Berliner kamen im Hinspiel der dritten Runde des Uefa-Pokals gegen das millionenschwere Starensemble von Inter Mailand im Nebel über dem Olympiastadion nicht über ein 0:0-Unentschieden hinaus und müssen im Rückspiel am 7. Dezember auf ein kleines Wunder hoffen.
Das mit drei Cup-Siegen erfolgreichste Uefa-Pokal-Team der 90er-Jahre, das mit Platz zehn in der Serie A bisher weit hinter den hohen Erwartungen zurückgeblieben ist, zeigte eine solide Leistung. Somit verschaffte sich Inter-Coach Marco Tardelli etwas Luft in der Auseinandersetzung mit seinen Kritikern.
"Wir haben in Mailand sicher unsere Möglichkeiten, wir sind da nicht chancenlos", verbreitete Röber nach dem Schlusspfiff dennoch Optimismus und stachelte seine Profis an: "Auswärts sind wir durchaus in der Lage, ein Tor zu schießen, warum sollten wir da nicht Weiterkommen?" Seine Mannschaft habe die Chance für eine bessere Ausgangsposition selbst vergeben. Röber: "Wir haben die Möglichkeiten gehabt."
Die Gastgeber starteten auf dem nach stundenlangem Regen schwer zu bespielenden Boden des mit 39.100 Zuschauern nur mäßig besetzten Berliner Olympiastadion deutlich aggressiver. Mit schnellem Forechecking versuchte das Team von Trainer Jürgen Röber, der auf den Brasilianer Alex Alves und Nationalspieler Stefan Beinlich verzichten musste, den Spielaufbau der Italiener zu stören. Aus Ballgewinnen resultierte dann auch die erste Großchance, als Alves-Ersatz Ali Daei in der fünften Minute mit einem Kopfball am französischen "U 21"-Nationaltorhüter Sebastian Frey scheiterte.
Durch die offensive Grundeinstellung der Hertha, die im Vorjahr in der Champions League Inters Lokalrivalen AC Mailand ausgeschaltet hatte, boten sich den Gästen jedoch immer wieder gute Kontermöglichkeiten. Die Spielzüge wurden dabei über den Türken Hakan Sükür und Alvaro Recoba vorgetragen. Insbesondere der Stürmer aus Uruguay sorgte mit seiner Schnelligkeit und Ballsicherheit für viel Gefahr. "Den muss man verhaften", hatte Röber bereits vor der Partie gewarnt. Erst in der 52. Minute kam zu Recobas Unterstützung Inter-Star Christian Vieri von der Bank. Er hatte am vergangenen Wochenende als Einwechselspieler noch für den 2:1-Siegtreffer gegen Perugia gesorgt. Der für 91 Millionen Mark vor einem Jahr von Lazio Rom in die Lombarden-Metropole gewechselte 27-Jährige absolvierte in den letzten Wochen nur Kurzeinsätze, nachdem er monatelang wegen Muskelproblemen ausgefallen war.
Im Vergleich mit dem italienischen Nobelklub, der in der Champions-League-Qualifikation am schwedischen Vertreter Helsingborg IF gescheitert war, taten die Berliner deutlich mehr für das Spiel. Allerdings blieben die Hertha-Stürmer Daei und Kapitän Michael Preetz gegen die von Welt- und Europameister Laurent Blanc gut organisierte Abwehr weitgehend wirkungslos. Inter seinerseits war bemüht, ein optimales Ergebnis für das Rückspiel zu erzielen. Dabei verließen die Gäste nur selten die eigene Hälfte und nutzten nur einige Male die sich ihnen bietenden Räume auf den Flügeln.
Von Christian Sachs