Uefa-Kongress Beckenbauer-Kritik an Blatters Parteilichkeit
Düsseldorf - "Dazu fällt mir nichts mehr ein. Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat", sagte Beckenbauer und kritisierte damit seinen Schweizer Freund scharf. Für die Verärgerung nicht nur beim Deutschen hatte Fifa-Präsident Blatter zuvor mit seiner Begrüßungsrede auf dem Uefa-Kongress gesorgt. "Ich möchte mich bei Johansson für die geleistete Arbeit in den letzten Jahren bedanken. Ich mache aber keinen Hehl daraus, dass meine Sympathien für Platini sind."
Der Abgesang auf den noch amtierenden Uefa-Präsidenten Lennart Johansson, der sich morgen einer Kampfabstimmung mit Michel Platini stellt, hat aber womöglich eine andere Wirkung als die gewollte. Denn die Chancen des Franzosen Platini, der als Zögling und Vertrauter Blatters gilt, sind durch die Worte des Schweizers nicht gestiegen. Die Aussagen des Fifa-Bosses kamen bei einigen Uefa-Mitgliedern alles andere als gut an.
Blatter konnte anschließend die hitzig geführten Diskussionen um seine Rede nicht verstehen. "Ich bin sehr für Transparenz und Demokratie. Platini hat mich seit 1998 auch in schwierigen Zeiten unterstützt. Ich habe Lennart Johansson schon gestern mitgeteilt, was ich auf dem Kongress sagen werde", so Blatter.
Nicht nur das Eingreifen des Fifa-Präsidenten macht die Dimension klar, die die Wahl des Präsidenten morgen hat. Noch nie in der 52-jährigen Geschichte des Europäischen Fußballverbandes unterlag ein amtierender Uefa-Präsident in einer Kampfabstimmung. Selbst in der Fifa gab es dies erst einmal: 1974, als der englische Amtsinhaber Sir Stanley Rous in Frankfurt am Main dem Brasilianer Joao Havelange unterlag.
Der Ton zwischen den beiden Kandidaten Johansson und Platini war in den letzten Tagen rauer geworden. "Es hat mich zuletzt sehr traurig gemacht, wie hinterhältig er sich über mein Alter ausgelassen hat", sagte der seit 1990 amtierende Schwede in einem Interview mit der "Faz". "Wir brauchen wieder eine Vision", erklärte dagegen Platini, der zudem gestand, dass der Präsidentenjob in der Uefa das einzige Ziel sei, um das er wirklich kämpfe. Deshalb hatte er schon am 15. März 2005 seine Kandidatur angekündigt, als alle noch davon ausgingen, dass Johansson nicht mehr antreten würde.
goe/sid