Unsere kleine Mannschaft: Danke, Real! - DER SPIEGEL
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Unsere kleine Mannschaft Danke, Real!

Das Schöne an der Champions League ist die Tatsache, dass die Bayern sie niemals gewinnen werden, so, wie Leverkusen niemals Deutscher Meister wird.
Von Nicol Ljubic
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im vergangenen Jahr hatten die Bayern den Pokal zwar nach neunzig Minuten, nicht aber nach 92. In diesem Jahr gewannen sie drei von vier Spielen gegen Madrid, kamen dabei auf 9:3 Punkte und ein Torverhältnis von 10:6, trotzdem aber hat Madrid den Titel geholt. So schön kann Fußball sein. Allein deswegen muss die Champions League erhalten bleiben, bis in alle Ewigkeit, im Uefa-Cup wäre das nicht möglich gewesen.

Und wer Effenberg bei der Meisterfeier gesehen hat, wie er voller Häme sang: "Vize-, Vize-Meister Daum", muss sich bei Madrid bedanken, dass sie die Bayern rechtzeitig aus dem Wettbewerb gekickt haben. Sonst hätte sich Effenberg in Zukunft vermutlich auf einer Sänfte ins Stadion tragen lassen und von seinen Gegenspielern Geld verlangt dafür, dass sie gegen ihn spielen dürfen. Danke, Madrid, dass uns das erspart bleibt.

Außer mir, so schien es aber, hat sich niemand auf das Finale gefreut. Die meisten Kneipen, an denen ich abends vorbei kam, waren leer. Zwar lief der Fernseher, aber niemand schaute, und meine Freunde sind lieber zum Bowling gegangen, als sich mit mir zusammen das Spiel Madrid gegen Valencia anzusehen. Nach dem Motto: Ich schaue nur, wenn Deutsche spielen.

Warum eigentlich? Woher dieser Patriotismus? Es geht doch um Fußball, oder? Und wer die letzten Spiele von Valencia gesehen hat, das 4:1 gegen Barcelona, das 5:2 gegen Lazio Rom oder das 3:2 von Madrid in Manchester, der muss sich doch auf das Finale gefreut haben. Aber nein.

Selbst meiner Freundin ist das aufgefallen. Warum ich der Einzige sei, der sich für dieses Spiel interessiere, fragte sie. "Weil alle anderen keine Ahnung von Fußball haben", sagte ich trotzig. "Auch Dirk nicht?", fragte sie. "Auch Dirk nicht", sagte ich. "Und Mark?" - "Der auch nicht." - "Du bist also der Einzige?", fragte sie. "Ja", sagte ich, "ich bin der Einzige, dem es wirklich um Fußball geht. Und als Beweis dafür, werde ich bei der EM die Spiele der Deutschen gar nicht anschauen." Meine Freundin schien sehr glücklich. "Endlich", sagte sie, "wirst du vernünftig". Und sie gab mir einen Kuss. Was sie nicht zu wissen scheint: Ich werde nur drei von über dreißig Spielen versäumen. Meistens hat man eben mehr vom Fußball, wenn man nicht zu den Deutschen hält.