Van-Duijnhoven-Interview: "Hashemian hätte bleiben sollen" - DER SPIEGEL
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Van-Duijnhoven-Interview "Hashemian hätte bleiben sollen"

Beim letzten Bochumer Sieg gegen den FC Bayern spielte Rein van Duijnhoven mit gebrochenem Finger. Am Sonntag kommen die Münchner erneut ins Ruhrstadion - doch diesmal hat der VfL-Keeper andere Sorgen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht van Duijnhoven über Abstiegskampf, Jubelverbote und einen ehemaligen Kollegen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr van Duijnhoven, im letzten Spiel gegen die Bayern haben Sie mit einem gebrochenen Finger gespielt - und der VfL Bochum gewann mit 1:0. Jetzt haben Sie Knieprobleme, und wieder kommen die Münchner ins Ruhrstadion. Ist der FC Bayern für Sie die beste Therapie gegen Schmerzen?

Van Duijnhoven: Wenn wir wieder gewinnen, ja. Aber damals war es ja nur der Finger, jetzt ist es das Knie. Ich kann zwar geradeaus laufen, aber es gibt trotzdem einen großen Unterschied zwischen spazieren gehen und im Tor stehen. Wenn es heute im Mannschaftstraining klappt, bin ich aber dabei.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem sind die Voraussetzungen diesmal andere. Vor dem Sieg gegen Bayern im Februar lag der VfL auf Platz fünf, jetzt haben Sie zehn Punkte weniger und spielen gegen den Abstieg. Was ist passiert?

Van Duijnhoven: Wenn wir das wüssten, könnten wir die Probleme auch sofort lösen. In den ersten Spielen sind uns einige Tore aberkannt worden, die eigentlich gültig waren. Das sind vier Punkte, mit denen wir viel lockerer gespielt hätten. Auch das Glück, das wir in der vergangenen Saison hatten, hat uns verlassen. Knackpunkt war aber das Uefa-Cup-Aus gegen Lüttich. Das Gegentor in letzter Sekunde - keiner im Verein konnte das fassen. In der Kabine war Totenstille nach dem Schlusspfiff. Seitdem haben wir eigentlich kein vernünftiges Saisonspiel mehr gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Es kann doch aber nicht nur das Scheitern im Europacup allein sein. Die Heimschwäche des VfL ist frappierend. In der letzten Saison haben Sie nur einmal im Ruhrstadion verloren, in dieser Spielzeit gab es erst einen Sieg, aber schon zwei Niederlagen...

Van Duijnhoven: ... Wir haben nicht die schlechtesten Mannschaften zu Hause gehabt, mit Leverkusen, Bremen...

SPIEGEL ONLINE: ... Kaiserslautern, Rostock...

Van Duijnhoven: ... ja, aber das sind alles keine schlechten Teams. Und wir mussten fünf Neuzugänge einbauen. Die Spieler, die uns verlassen haben, die fehlen natürlich.

SPIEGEL ONLINE: Macht sich der Verlust von Paul Freier, Frank Fahrenhorst, Vahid Hashemian und Sunday Oliseh so stark bemerkbar?

Van Duijnhoven: Natürlich. Paul Freier zum Beispiel hat im letzten Jahr nicht überragend gespielt, aber er hat immer zwei Spieler gebunden. Die Gegner hatten deshalb auch mehr Respekt vor uns als in diesem Jahr. Wir müssen wieder dahin kommen, dass es für uns nichts anderes gibt als Siege. Am Sonntag werde ich versuchen, gut zu halten - dann sind wir schon mal auf einem guten Weg.

SPIEGEL ONLINE: Hat Bochum falsch eingekauft?

Van Duijnhoven: Nein, das denke ich nicht. Alexander Knavs ist sehr ruhig hinten drin, sehr gut am Ball. Und Vratislav Lokvenc - der ist doch die ärmste Sau in der Mannschaft. Was soll er machen, wenn er keine vernünftigen Flanken bekommt? Er ist Strafraumspieler, das weiß jeder.

SPIEGEL ONLINE: Also muss sich taktisch etwas ändern?

Van Duijnhoven: Die Taktik ist nicht das Problem. Wir müssen einfach besser spielen. Fußballerisch ist das alles zu wenig. Jeder sollte das tun, was er kann - und was er nicht kann, muss er lassen.

SPIEGEL ONLINE: Freuen Sie sich, dass Ihr Ex-Kollege Hashemian am Sonntag wohl mal wieder nur auf der Bayern-Bank sitzen wird und Ihnen keinen reinhauen kann?

Van Duijnhoven: Nein, ich hätte es lieber, wenn er spielen würde. Aber er wäre besser in Bochum geblieben.

SPIEGEL ONLINE: Es war also die falsche Entscheidung, nach München zu gehen?

Van Duijnhoven: Es sagt sich immer so leicht, dass es die falsche Entscheidung war. Die Bayern machen 60 Spiele im Jahr, da wird er schon zum Einsatz kommen. Aber so ein Spieler wie Vahid muss sich wohl fühlen, und das hat er bei uns getan. Wir haben es ihm alle gegönnt, aber wir wissen auch, dass er sich hier in der Gemeinschaft viel wohler fühlt.

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst sind jetzt 37 und haben in Ihrer Karriere nur bei drei Vereinen gespielt. Glauben Sie, dass Sie irgendwas verpasst haben?

Van Duijnhoven: Bei Torhütern ist das ja eh was anderes, da hat man keine zehn Vereine in der Karriere. Ich bin froh, dass ich bei Bochum bin. Ein toller Verein auf hohem Niveau - kein Vergleich mit Holland. Außerdem glaube ich nicht, dass jetzt noch drei oder vier Vereine auf mich zukommen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben noch einen Vertrag bis Saisonende. Was passiert danach?

Van Duijnhoven: Wir werden offen darüber sprechen, ob wir für ein oder zwei Jahre verlängern. Mal sehen, was Bochum darüber denkt. Ich fühle mich auf jeden Fall fit. Ich würde gern noch zwei Jahre hier spielen.

SPIEGEL ONLINE: Vor dem historischen Heimsieg gegen die Bayern im Februar, dem ersten seit 19 Jahren, hatte Trainer Peter Neururer der Mannschaft vorsorglich das Jubeln verboten: "Nur kurz den Arm heben, dann weiterlaufen." Dürften Sie sich am Sonntag freuen?

Van Duijnhoven: Darüber haben wir noch nicht gesprochen. Aber ich denke, der Trainer wird der Erste sein, der hochspringt.

SPIEGEL ONLINE: Und wie geht das Spiel aus?

Van Duijnhoven: Machen wir uns nichts vor: Die Bayern müssten schon einen richtig schlechten Tag haben. Wenn sie so spielen, wie vor zwei Wochen gegen Mönchengladbach (0:2, die Red.), wo sie nicht einmal aufs Tor geschossen haben - das würde mir gefallen. Aber die Bayern können auch aufdrehen, dann hat man keine Chance. Wir müssen Glück haben - dann können wir gewinnen.

Das Interview führte Christian Gödecke

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