Verbotene Einlagen: Cup der Flitzer - DER SPIEGEL
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Verbotene Einlagen Cup der Flitzer

Es sind Jagdszenen, über die sich nur die Fotografen freuen: Schon vier Zuschauer sind bei diesem Konföderationen-Cup aufs Feld gestürmt, sorgten für minutenlanges Chaos, genervte Spieler und verärgerte Fans. Doch die Chaoten bringen auch das WM-OK in Bredouille. Franz Beckenbauer spricht von einer Blamage.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Autogrammstunden, öffentliche Trainingseinheiten, offensive Medienarbeit: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft tut in diesen Tagen einiges, um die neugewonnenen Sympathien bei ihren Fans zu mehren. An spielfreien Tagen sieht man die hochbezahlten Profis sogar in den Innenstädten, weitab von ihren gesicherten Hotels. Sie gehen einkaufen, essen oder einfach nur spazieren - ganz ohne Bedenken um ihre eigene Sicherheit. Man hat mitunter den Eindruck, dass die DFB-Kicker derzeit in einer Shopping-Zone in Leipzig sicherer sind als auf dem Rasen.

Der Grund dafür sind Störer, euphemistisch Flitzer genannt, die von ihren Tribünenplätzen aufs Feld stürmen, verdutzten Spielern die Hände schütteln und sich wenig später von Ordnungskräften abführen lassen. "Das sind Wahnsinnige, wir müssen das auf jeden Fall abstellen", sagte Beckenbauer. "Das ist eine kleine Blamage, die wir uns da geleistet haben. Das darf uns nicht mehr passieren", so der Chef des WM-Organisationskomitees.

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Konföderationen-Cup: Vier Flitzer und ein Sicherheitsfall

Foto: REUTERS

Vier solcher Fälle wurden bei diesem Konföderationen-Cup bisher registriert - in nur 14 Spielen. Der vorerst letzte: Beim ersten Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien (2:3) am Samstag überraschte ein 27-jähriger Spanier die Stewards in Nürnberg, rannte über die Tartanbahn auf den Rasen und konnte nur mit Mühe wieder eingefangen werden. "Das ist ärgerlich und sehr unerfreulich. Das Organisationskomitee hat den Auftrag, dass das verhindert wird", grollte Jürgen Klinsmann im Anschluss. Schon im Gruppenspiel gegen Tunesien (3:0) hatte sein Auswahlkeeper Jens Lehmann Bekanntschaft mit einem Flitzer gemacht. Er war umarmt worden.

"Ich muss Klinsmann Recht geben", sagt WM-OK-Sprecher Jens Grittner im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE und räumt ein, dass man das "Problem im Vorfeld vielleicht unterschätzt" habe. Noch ist zwar nichts passiert, die Störenfriede blieben friedlich und verletzten niemanden. "Aber hier hört der Spaß auf", sagt Grittner, "wir erinnern uns schließlich alle noch an die Ereignisse am Rothenbaum 1993." Bei dem Tennisturnier in Hamburg hatte ein geistig verwirrter Mann die Tennisspielerin Monica Seles mit einem Messer schwer verletzt. "Die Sicherheit der Spieler war im Prinzip auch bei den Ereignissen zuletzt gefährdet. Das gefällt uns nicht, und der Fifa gefiel es auch nicht", sagt Grittner.

Der Konföderationen-Cup, auch in punkto Sicherheit eine Generalprobe für die WM im kommenden Jahr, hat ein handfestes Problem. Das Aufwärmturnier für das Großereignis 2006 (Slogan: "Die sicherste WM aller Zeiten") ist zur Spielwiese von Verrückten geworden. "Die Frage, die wir uns stellen, ist doch die: Was ist einer friedlichen, lockeren Atmosphäre in den Stadien abträglich und wo kann man gleichzeitig die Sicherheit noch verbessern? Das ist ein sensibles Feld", sagt Grittner. Und eine Zwickmühle: Denn weil man auf die zaunfreien Stadien, allgemein anerkannt als stimmungsfördernd, nicht verzichten will, müssen Lösungen innerhalb des Stadions gesucht werden. Und die haben unangenehme Nebenwirkungen.

Zur Sicherung des Spielfeldes, die laut Grittner "oberste Priorität" besitzt, war in den Gruppenspielen des Konföderationen-Cups und auch im ersten Halbfinale extra ein Ring von Ordnern vor den Tribünen platziert worden. Doch der wurde immer wieder durchbrochen. Es zeigte sich, dass ein Abstand von zehn Metern zwischen den Stewards nicht ausreicht. Vor dem zweiten Halbfinale zwischen Mexiko und Argentinien reagierte das WM-OK. "In Hannover wurde eine Doppelreihe aufgestellt, die Ordner standen nur noch drei bis vier Meter auseinander", erklärt der OK-Sprecher. "Aber was passiert? Die Zuschauer in den ersten Reihen beschweren sich, dass ihnen der Blick auf das Spielfeld nun noch mehr versperrt sei."

Was die Verantwortlichen derzeit auch unternehmen, um des Problems Herr zu werden - es wirkt ratlos. In einem durchorganisierten System sind flitzende Chaoten zu einem anarchischen Element geworden, das den Traum vom perfekten Schutz mit einfachsten Mitteln ad absurdum geführt hat. Und das zeigt, dass absolute Sicherheit wohl auch bei der WM im kommenden Jahr eine Illusion sein wird. "Es wird nie die hundertprozentige Sicherheit geben", sagt auch Grittner, "wenn jemand Schaden anrichten will, dann schafft er das irgendwie. Ziel kann deshalb nur das höchste Maß an Sicherheit sein."

Um dieses Maß bis Juni 2006 zu erreichen, dürfe man aber nicht in Aktionismus verfallen, so Grittner. "Wir werden uns nach dem Konföderationen-Cup zusammensetzen und das Turnier analysieren." Das WM-OK hat vorerst angekündigt, die Ordner intensiv zu schulen, selbst der Wiederaufbau der Zäune scheint nicht ausgeschlossen. OK-Sprecher Grittner ("Wir wollen die zaunfreien Stadien") wollte so weit zwar nicht gehen, doch er erklärte auch, dass es "bei der Sicherung des Spielfeldes keine Tabus geben" dürfe.

Juristische Mittel gegen die Flitzer gibt es nicht, für Klagen oder drakonische Strafen zur Abschreckung fehlt die rechtliche Grundlage. Stadionverbote, am besten deutschlandweit, sind laut Grittner bisher die einzige mögliche Sanktion. "Eine zweite Chance wird ein solcher Mensch aber nicht bekommen." Ganz im Gegensatz zum WM-OK. Die Verantwortlichen haben noch genau 346 Tage Zeit, ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Dann wird die WM 2006 eröffnet.

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