Chaos in Stuttgart VfB lässt bei Präsidentenwahl keinen Gegenkandidaten zu
VfB-Präsident Claus Vogt
Foto:Tom Weller / dpa
Amtsinhaber Claus Vogt wird überraschend als einziger Kandidat für die Präsidentschaftswahlen des VfB Stuttgart zugelassen. Diese Entscheidung teilte der Vereinsbeirat des Fußball-Bundesligisten am Sonntagabend mit. Eigentlich hätten zwei Kandidaten für das Präsidentenamt für die Wahl nominiert werden sollen, die am 28. März als Online-Veranstaltung stattfinden soll. »Aus dem Kreis der infrage kommenden mehrheitsfähigen Persönlichkeiten gab es jedoch keine Bereitschaft, gegen den Amtsinhaber zu kandidieren«, teilte der Vereinsbeirat mit.
Die alleinige Nominierung von Vogt bedeutet auch, dass der Unternehmer Volker Zeh als weiterer Bewerber für das Präsidentenamt nicht zugelassen wird. Kurz vor Silvester hatte auch der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger seine Kandidatur angekündigt, er zog diese aber inzwischen zurück.
Der Ex-Nationalspieler hatte Vogt ursprünglich in einem offenen Brief scharf kritisiert. Unter anderem warf er ihm massive Fehler im Umgang mit der Datenaffäre vor, in deren Zuge Mitarbeiter des Klubs vor einigen Jahren Mitgliederdaten an Dritte weitergegeben haben sollen. Vogt hatte eine externe Kanzlei mit der Aufklärung beauftragt, was laut Hitzlsperger zu »ausufernden Kosten« geführt habe.
Ende Januar erklärte Hitzlsperger dann aber überraschend doch seinen Rückzug von der Kandidatur. »Ich mache das aus Verantwortung gegenüber unserem Verein und gegenüber meinen Mitarbeitern«, sagte Hitzlsperger in einem Video-Statement . »Wir brauchen wieder Ruhe im Verein. Mit meiner Entscheidung will ich meinen Teil dazu beitragen.«
Montagmittag legte derweil das in der Kritik stehende Präsidiumdsmitglied Rainer Mutschler sein Amt wieder. »Teamgeist und Fairplay sind ganz besonders im Sport unverzichtbare Grundsätze für das Zusammenspiel auf und jenseits des Platzes. Diese Basis war in den zurückliegenden Monaten in der Zusammenarbeit im VfB-Präsidium nicht mehr gegeben«, teilte Mutschler mit.
Der frühere Cheftrainer und Alpinchef des Deutschen Skiverbandes (DSV) war in der Datenaffäre bei den Schwaben zuletzt massiv unter Druck geraten. Er stellte sich auch öffentlich gegen Präsident Vogt.
Zugleich hat die vereinspolitische Krise des VfB Veränderungen im Vereinsbeirat zur Folge. Der Vorsitzende Wolf-Dietrich Erhard habe mitgeteilt, dass er mit »sofortiger Wirkung« sein Mandat ruhen lassen werde, teilte der Klub mit. »Auch wenn ich persönlich nichts mit der Datenschutzaffäre zu tun habe, möchte ich mit meiner Entscheidung dazu beitragen, dass ein personeller Neuanfang möglich ist«, sagte Erhard. Claudia Maintok und James Bührer legten bereits vor der eigentlichen Sitzung ihre Ämter nieder.
Die Datenaffäre und deren Aufarbeitung belasten den VfB seit Monaten und gelten als zentrale Themen des Machtkampfs zwischen Hitzlsperger und Vogt. Es sollen Mitgliederdaten weitergereicht worden sein – unter anderem, um die im Sommer 2017 beschlossene Ausgliederung der Profiabteilung voranzutreiben.