VfB Stuttgart Flächenbrand durch Hildebrand
Stuttgart - Die Verantwortung dafür, dass Hildebrand das Stuttgarter Vertragsangebot bis zum Jahr 2010 bei einem Jahresgehalt von angeblich 1,8 Millionen Euro (bisher 500.000 Euro) ausgeschlagen hat, sieht die VfB-Chefetage in erster Linie bei Hildebrands serbischem Berater mit Sitz in Lissabon. Dabei ist Dusan Bukovac beim VfB kein Unbekannter. Der 48-Jährige war es, der mit der ehemaligen Clubführung den am höchsten dotierten Vertrag der Vereinsgeschichte ausgehandelt hatte. Der jetzige Assistenztrainer Krassimir Balakow konnte sich in seiner aktiven Zeit dank des Verhandlungsgeschicks von Bukovac über ein Jahresgehalt von rund drei Millionen Euro freuen.
"Ich möchte meine Telefonrechnung nicht sehen", sagte Staudt, der in den vergangenen Tagen quasi eine Standleitung nach Portugal geschaltet hatte und von Bukovac immer wieder kurz vor einem möglichen Abschluss der Verhandlungen mit neuen Forderungen konfrontiert wurde. "Wir sind schon enttäuscht und etwas sauer", erklärte Staudt, während sich Hildebrand weiter in Schweigen hüllt: "Ich äußere mich nicht dazu."
Bierhoff warnt vor Wechsel ins Ausland
Nationalmannschafts-Teammanager Oliver Bierhoff aber fühlte sich offenbar verpflichtet, Hildebrand, dritter Keeper im DFB-Auswahlteam, in Schutz zu nehmen. "Es tut mir Leid, dass der Eindruck erweckt wird, Timo sei ein gieriger Profi. Ich will ihm den Rücken stärken. Es gab noch andere Dinge als das Gehalt. Ich weiß, dass Timo sehr an Stuttgart hängt, weil ihm das dortige Umfeld gefällt", sagte Bierhoff. Aus Sicht des DFB wünsche er sich, dass Hildebrand bei der Wahl des neuen Vereins "einen sportlichen Sprung macht". Ein möglicher Wechsel ins Ausland berge auch "ein Risiko", so Bierhoff, "wie wir derzeit bei Jens Lehmann sehen, hat man im Ausland als Spieler häufig einen schwierigeren Stand."
Während Hildebrand mit den englischen Premier-League-Teams FC Arsenal und Manchester United sowie Werder Bremen in Verbindung gebracht wird, sind in Stuttgart bereits viele Namen im Gespräch. Der beim 1. FC Kaiserslautern in Ungnade gefallene Tim Wiese, Michael Rensing vom Rekordmeister Bayern München, Robert Enke von Hannover 96 und der beim englischen Meister Arsenal ausgemusterte Nationalkeeper Jens Lehmann werden an der Gerüchtebörse gehandelt. Auf einen Favoriten wollte sich Staudt aber nicht festlegen: "Der VfB hat seit seiner Gründung im Jahr 1893 immer mit einem Torwart gespielt und wird das auch in der nächsten Saison tun."
Matthias Sammer kommentierte den angekündigten Abschied Hildebrands lakonisch. "Lieber ein kurzer Flächenbrand als ein Feuer, das dauernd schwelt", erklärte der Coach, "eine Einigung ist besser als keine Einigung. Für mich geht es darum, dass wir Ruhe haben. Hildebrand bleibt mein Torwart in der Rückrunde."
Für Hildebrand, der seit 1995 in Stuttgart ist, dürften die letzten Monate im VfB-Trikot allerdings nicht besonders angenehm werden. Bei den Fans hat der Keeper durch den Vertragspoker seinen Kredit verspielt, im ersten Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg erwarten ihn Pfiffe. Außerdem sind sicher auch Hildebrands Teamkollegen über die Entwicklung alles andere als erfreut. Schließlich war es der Torwart, der bei den zurückliegenden Vertragsverhandlungen des VfB mit Kevin Kuranyi und Andreas Hinkel großen Durck auf die beiden Nationalspieler ausgeübt und sie zur Vereinstreue aufgefordert hatte.