Remis in Frankfurt Wolfsburgs Offensiv-Rätsel
Die Einlaufkinder im Frankfurter Stadion wurden ganz nervös. Immer wieder schielten sie zur Wolfsburger Kabine hinüber. "Wo ist André?", fragten sie, und: "Wann kommt endlich der Schürrle?" Jeder, so schien es, wollte an der Hand des Neu-Wolfsburgers ins Stadion laufen. Doch Schürrle kam nicht. Nach seinem Wechsel vom FC Chelsea zum VfL verfolgte er die Partie seiner neuen Mannschaftskollegen bei Eintracht Frankfurt (1:1) im Fernsehen.
Im Fokus standen an diesem Abend andere. Daniel Caligiuri und Ivan Perisic zum Beispiel, die beiden Wolfsburger Außenbahnspieler. Oder Bas Dost, der Stürmer. Sie hatten in Frankfurt die Möglichkeit, Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking nachhaltig von ihren Qualitäten zu überzeugen und ihren Stammplatz zu untermauern. Denn obwohl Schürrle noch gar nicht richtig da ist, lautet die große Frage beim VfL: Wer muss Platz machen für den 32-Millionen-Euro-Mann?
"Es ist schon stark, wenn man es überhaupt in die Startelf schafft", sagte Maximilian Arnold nach dem Spiel in Frankfurt. "Die Qualität in unserem Kader ist sehr hoch." Er selbst hat sich im defensiven Mittelfeld in die Mannschaft gekämpft. Das Gerangel in der Offensive kann er daher halbwegs entspannt verfolgen: "Ich habe von André nur positive Szenen im Kopf. Ich freue mich, wenn uns so ein Spieler hoffentlich weiterbringt", sagte Arnold. Zum Beispiel in puncto Chancenverwertung hatte Wolfsburg zumindest in Frankfurt Nachholbedarf.
Bundesliga: Bayern verliert Boateng und Punkte
Gegen die Eintracht versagten die Wolfsburger ein ums andere Mal vor dem Tor. Dost, beim 4:1 gegen den FC Bayern noch Doppel-Torschütze, vergab zwei gute Möglichkeiten. Erst schoss er in der 21. Minute eine Direktabnahme neben das Tor, dann köpfte er in der zweiten Halbzeit aus wenigen Metern vorbei. Ungewöhnlich, schließlich stellt Wolfsburg mit 38 Treffern die zweitbeste Offensive der Bundesliga.
"Gegen Bayern war die erste Chance direkt ein Tor. Heute lief das Spiel ganz anders", sagte Dost: "Am Ende kann der eine Punkt aber noch viel wert sein." Den erhöhten Konkurrenzkampf nimmt er an. Dost argumentiert, dass Schürrle und er auch zusammen funktionieren können: "Er ist ein sehr guter Spieler und kann mir mit seiner Qualität sicherlich helfen." Demnach wäre der 24-jährige Zugang eher eine Option auf der Außenbahn.
Zumal sich Caligiuri und Perisic in Frankfurt schwertaten. Ihren Aktionen fehlte es an Klarheit, ihre Flanken kamen häufig unpräzise. Das schnelle Umschaltspiel gelang selten. Caligiuri dribbelte sich immer wieder fest, Perisic klagte frühzeitig über Schmerzen in der Gesäßmuskulatur und musste in der Halbzeit ausgewechselt werden. Die einzige Konstante war Kevin De Bruyne: Der Belgier sorgte mit seinem sechsten Saisontor in der 88. Minute für den späten Ausgleich.
Dennoch war Trainer Hecking unzufrieden. "Wir haben nicht so gut gespielt, wie wir das eigentlich können", sagte der 50-Jährige: "In unserem Spiel hat die letzte Konsequenz, der letzte Biss gefehlt." Dinge, für die Schürrle ganz besonders steht. Hecking verspürt denn auch "große Vorfreude" auf Schürrle und hofft, dass "er an seine Leistungen anknüpfen kann".
Wo Hecking den Neuzugang einbauen will, verriet der Trainer nicht. Fest steht aber, dass er den Rekordtransfer des Klubs schlecht auf die Bank setzen kann. Sein Debüt wird Schürrle daher wohl am Samstag im Heimspiel gegen Hoffenheim (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) geben. Dann dürfen sich auch die Einlaufkinder berechtigte Hoffnungen machen, an der Hand des Weltmeisters den Rasen zu betreten.
Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg 1:1 (0:0)
1:0 Aigner (58.)
1:1 De Bruyne (88.)
Frankfurt: Trapp - Kinsombi, Zambrano, Russ, Oczipka - Hasebe - Aigner, Inui - Stendera (69. Anderson) - Seferovic, Meier
Wolfsburg: Benaglio - Vieirinha, Naldo, Knoche, Rodriguez - Arnold (74. Marcel Schäfer), Luiz Gustavo - Caligiuri, De Bruyne, Perisic (46. Hunt) - Dost (74. Bendtner)
Schiedsrichter: Perl
Zuschauer: 34.400
Gelbe Karten: Hasebe (4), Russ (3) - Luiz Gustavo (8), Rodriguez