Völler-Interview "Es war nicht so leicht, wie es aussah"
5:2 in Ungarn. War das die richtige Einstimmung auf das WM-Qualifikationsspiel gegen England?
Rudi Völler:
Die fünf Tore tun uns wirklich gut. Es ist angenehm, mit solch einem Erfolgserlebnis in das Spiel gegen England zu gehen. Wir haben toll kombiniert, genauso, wie ich mir das vorstelle.
Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus dem Spiel für die Partie gegen England?
Völler: Schwer zu beantworten. Ich freue mich, dass wir spielerisch so tolle Akzente gesetzt haben. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass Ungarn und England zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Gegen England geht es um wichtige Punkte, das wird ein anderes Spiel werden.
War Ihre Mannschaft so stark oder die ungarische so schwach?
Völler: Es war nicht so leicht, wie es aussah. Vor allem am Anfang waren wir unnötig nervös. Wenn die Ungarn da in Führung gehen, sieht alles ganz anders aus. Auch am Ende waren wir fahrlässig und haben dem Gegner Torchancen ermöglicht. In einem Qualifikationsspiel wird so etwas bestraft.
Mit Sebastian Deisler, Sebastian Kehl und nach der Pause Christoph Metzelder haben Sie drei Junioren aufgeboten. Wie beurteilen Sie ihre Leistung?
Völler: Gerade Kehl und Deisler haben eine ganz tolle Vorstellung gegeben. Von Deisler sind wir das ja gewohnt. Aber auch Kehl hat seine Sache toll gemacht in einer Position, die er so bei seinem Verein nicht spielt. Auch Metzelder begann recht gut, war dann aber unnötig nervös und konnte dies nicht mehr ablegen. Aber ich war nicht nur mit den jungen Spielern, sondern auch mit vielen anderen zufrieden.
Zum Beispiel?
Völler: Zum Beispiel mit den Stürmern. Ich freue mich über Carsten Jancker, der ein Tor geschossen und ein weiteres per Elfmeter herausgeholt hat. In seiner derzeitigen Situation als Nicht-Stammspieler beim FC Bayern sind solche Erfolgserlebnisse für ihn sehr wichtig. Das gleiche gilt für Oliver Bierhoff, der eine schwierige Zeit durchmacht. Da tut solch ein herrliches Kopfballtor richtig gut.
Gesetzt den Fall, die fünf in Ungarn fehlenden Stammspieler kommen zurück: Stehen Sie dann vor der Qual der Wahl, wen sie gegen England aufbieten sollen?
Völler: Wer weiß, was in zweieinhalb Wochen ist? Nach diesem Spiel bin ich mir auf jeden Fall sicher, dass wir in Zukunft eine gesunde Mischung haben werden.
Aufgezeichnet von Oliver Hartmann, dpa