Völler-Interview: "Ich lasse Bierhoff nicht fallen" - DER SPIEGEL
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Völler-Interview "Ich lasse Bierhoff nicht fallen"

Selbst der überaus mäßigen Vorstellunge gegen Albanien kann Teamchef Rudi Völler noch etwas Positives abgewinnen und gibt Kapitän Oliver Bierhoff Rückendeckung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Herr Völler, was überwiegt bei Ihnen nach dem 2:1 gegen Albanien - die Erleichterung über das Ergebnis oder die Enttäuschung über die Leistung Ihrer Mannschaft?

Rudi Völler:

Die drei Punkte sind das, was zählt. Ich habe immer gewusst, dass dies ein undankbares Spiel werden wird. Die Mannschaft ist zum Siegen verdammt. Es wird in der Öffentlichkeit aber nicht nur verlangt, dass wir gewinnen, sondern auch noch hoch. Das ist aber nicht so einfach. Die Albaner haben um ihr Leben gespielt. Ich glaube aber, dass der Sieg verdient war, auch wenn er durch das späte Tor ein bisschen glücklich zu Stande kam.

Sie hatten im Vorfeld gefordert, die Mannschaft solle nicht so ängstlich auftreten wie zuletzt in den Testspielen gegen Dänemark und Frankreich. Das haben die Spieler nicht umgesetzt.

Völler: Wir haben leider da weiter gemacht, wo wir gegen Frankreich aufgehört haben. Deshalb bin ich in der Halbzeit etwas laut geworden. Bis auf wenige Spieler hatten alle Angst. In der zweiten Halbzeit ist es dann etwas besser geworden. Die Mannschaft hat dagegen gehalten und an sich geglaubt. Das ist das positive Fazit. Aber wir müssen weiter aus unseren Fehler lernen und möglichst schon am Mittwoch in Griechenland mit mehr Selbstbewusstsein auftreten.

Ist es Ihnen schwer gefallen, Ihren Kapitän Oliver Bierhoff in der Halbzeit auszuwechseln?

Völler: Oliver Bierhoff steht leider ein bisschen neben sich, er wurde von Minute zu Minute unsicherer. Bei ihm läuft nichts zusammen. Er hat im Moment kein Fünkchen Selbstvertrauen mehr. So konnte er uns nicht mehr weiterhelfen. Carsten Jancker hat es dann auch etwas besser gemacht.

Wie können Sie Oliver Bierhoff aus der Krise helfen?

Völler: Ich werde ihn nicht fallen lassen. Wir wissen doch alle, was wir an ihm haben. Es ist doch gar nicht die Frage, ob er spielt oder nicht. Sein Problem ist dieses verfluchte Kapitänsamt. Das ist eine große Last für ihn, die Diskussionen über das Kapitänsamt werden viel zu hoch gehängt.

Wäre es da nicht Ihre Aufgabe, ihn von dieser Last zu befreien?

Völler: Ich weiß, dass Olli dieser Gedanke seit längerem durch den Kopf geht. Er muss wissen, dass es künftig Spiele geben wird, in denen er nicht von Beginn an spielt.

Fehlt Bierhoff jene Unbekümmertheit, die Debütant Miroslav Klose derzeit hat?

Völler: Ja, vielleicht. Wobei auch Miroslav Klose sich entwickelt hat. Als er vor vier Wochen zum Testspiel in Frankreich erstmals zur Nationalmannschaft eingeladen wurde, war er noch sehr verlegen. Ich hatte den Eindruck, er wolle selbst im Training nicht auffallen. Das war in den vergangenen Tagen ganz anders, da hat manch etablierter Nationalspieler gesehen, was für ein guter Spieler das ist. Ich hätte ihn auch ohne die Verletzung von Oliver Neuville noch eingewechselt.

Am Mittwoch gegen Griechenland fehlt Mehmet Scholl wegen einer Gelbsperre. Wie schwer wiegt dieser Verlust?

Völler: Solche Dinge passieren. Wir müssen versuchen, dies aufzufangen. Mehmet wird uns fehlen, wie uns gegen Albanien ein Michael Ballack gefehlt hat.

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