Völler-Interview: "Spieler dürfen Fehler machen" - DER SPIEGEL
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Völler-Interview "Spieler dürfen Fehler machen"

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wie ist Ihre Gefühlslage, nachdem sie in den letzten Tagen sehr angespannt gewirkt hatten?

Rudi Völler:

Ich bin sehr glücklich, vor allem über die Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben. Selbst mit zehn Mann hat die Mannschaft an sich und den Sieg geglaubt und versucht, nach vorne zu spielen.

Wie wichtig war dieser Sieg im Hinblick auf die Qualifikation zur WM 2002?

Völler: Ich bin überzeugt, dass dies ein sehr weiter Schritt war. Wir haben uns trotz des schlechten Spiels gegen Albanien in den letzten zehn Tagen als echte Einheit präsentiert, ob auf dem Platz, im Training oder im Hotel. Das Zusammenleben war absolut in Ordnung. Es war toll, wie sich die Mannschaft verhalten hat. Mit Mannschaft meine ich auch die, die auf der Tribüne saßen. Das Resultat hat gezeigt, dass es in der Mannschaft stimmt.

Wie beurteilen Sie die Leistung von Sebastian Deisler im zentralen Mittelfeld?

Völler: Basti gehört die Zukunft, seine Leistung war überragend. Wenn er von Verletzungen verschont bleibt, werden wir in den nächsten sechs bis zehn Jahren viel Freude an ihm haben. Man muss nur Geduld mit ihm haben."

Musste er sich von Ihnen Kritik wegen seiner Gelb-Roten Karte gefallen lassen?

Völler: Den Platzverweis verzeihe ich ihm. Er ist ja noch jung. Ich habe ihn in der Halbzeit noch gewarnt, aber das ist eben jugendlicher Leichtsinn. Aber er selbst war natürlich schwer enttäuscht. Trotzdem hat er im Paket mit Michael Ballack im zentralen Mittelfeld sehr gut gespielt.

Hatten Sie nach dem Platzverweis Bedenken, dass das Spiel kippen könnte?

Völler: Sicher denkt man daran, obwohl ich mir bis zu diesem Zeitpunkt sicher war, dass wir gewinnen. Mit einem Mann weniger ist die Chance immer geringer. Trotzdem sind wir weiter Risiko gegangen, haben hinten eins gegen eins gespielt. Wichtig war letztendlich, dass die Spieler an ihre eigene Stärke geglaubt haben.

Miroslav Klose hat sich in dieser Phase erneut als Glücksgriff erwiesen. Muss man Angst haben, dass der Junge abhebt?

Völler: Das hoffe ich nicht. Dafür wird mein alter Freund Andy Brehme schon sorgen und ihm Bleischuhe anziehen. Aber natürlich ist es für so einen jungen Spieler nicht einfach zu verarbeiten, wenn er zwei so wichtige Tore macht.

Sie hatten zuletzt erklärt, dass Klose fast zu ruhig und zu zurückhaltend sei. Hat sich das inzwischen geändert?

Völler: Er hat sich in den zehn Tagen hervorragend verhalten. Er ist zwar immer noch sehr ruhig, aber seit dem Frankreich-Spiel ist es schon viel besser geworden.

Besser ist auch das Spiel Ihrer Mannschaft geworden. Was haben Sie in den letzten Tagen unternommen, dass die Spieler vor allem Ihre Ängstlichkeit ablegen?

Völler: Dieser Punkt hat mich zuletzt am meisten gestört. Ich habe deshalb viele Gespräche geführt, um den Spielern diese Ängstlichkeit zu nehmen. Ich habe versucht, den Spielern das Gefühl zu geben, dass sie Fehler machen dürfen. Das haben sie bis auf wenige Ausnahmen gut gemacht.

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