Völler-Nachfolge: Favorit Hitzfeld zögert wegen der Ehefrau - DER SPIEGEL
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Völler-Nachfolge Favorit Hitzfeld zögert wegen der Ehefrau

Der DFB muss sich bei der Suche nach einem Nachfolger von Teamchef Rudi Völler strecken. Der vermeintliche Wunschkandidat Ottmar Hitzfeld beziffert seine Chancen nämlich weit geringer als allgemein angenommen. Seine Familie will der ehemalige Bayern-Coach wegen des Bundestrainerpostens jedenfalls nicht im Stich lassen.
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München/Lissabon - Hitzfeld beziffert die Chancen, Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft zu werden, auf "weniger als 50 Prozent". Im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" sagte der ehemalige Chefcoach von Bayern München und Borussia Dortmund: "Es ist wirklich sehr, sehr offen." Hitzfeld weiß, dass es für Außenstehende "unverständlich" sei, dass er ausgerechnet vor einer Weltmeisterschaft im eigenen Land zögere: "Aber meine Familie ist mir sehr, sehr wichtig."

Der 55-Jährige gilt allerdings als Wunschkandidat des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die Nachfolge von Teamchef Rudi Völler, der am vergangenen Donnerstag nach dem Vorrunden-Aus des Vize-Weltmeisters bei der EM in Portugal seinen Rücktritt erklärt hatte. DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hat die Nachfolgesuche zur Chefsache erklärt. Erste Kontakte mit Hitzfeld hat es offenbar bereits gegeben.

Allerdings muss Hitzfeld erst die Zustimmung seiner Ehefrau Beatrix einholen. "Ich muss das mit meiner Frau besprechen. Sie hat sich gefreut, dass ich das nächste Jahr etwas anderes mache", erklärte Hitzfeld, "ich wollte ein Jahr regenerieren, mich nicht dem Druck aussetzen. Ich wollte mich mehr um meine Familie kümmern."

Hitzfeld will Henke als Assistent

Hitzfeld hat zudem auch die Verpflichtung seines langjährigen Co-Trainers Michael Henke als Assistent zur Bedingung gemacht. "Wenn ich das mache, dann nur mit Michael Henke. Zu ihm habe ich ein absolutes Vertrauensverhältnis. Er ist ein Freund von mir", so Hitzfeld. Seit 1991 arbeitet er mit Henke zusammen. Zudem müsse über Vertragslaufzeit und Konzepte diskutiert werden.

Griechenlands Otto Rehhagel steht für die Völler-Nachfolge indes nicht zur Verfügung. "Ich werde bei den Griechen bleiben. Es sei denn, die sagen: Es reicht jetzt", sagte der 65-Jährige im ZDF-Interview am Samstagabend: "Noch hat man mich nicht gerufen. Außerdem breche ich nicht Verträge. Ich kann die Leute doch nicht im Stich lassen." Der Kontrakt von Rehhagel in Griechenland läuft noch bis 2006.

Trotz der Spekulationen gilt der vor einigen Wochen bei Bayern München entlassene Hitzfeld, derzeit in der Schweiz im Urlaub, als erste Wahl. Hitzfeld bestätigte immerhin ein Telefonat mit Franz Beckenbauer, Vorsitzender des WM-Organisationskomitee 2006. Der Bayern-Chef hatte Hitzfeld, der auch aus der Bundesliga volle Unterstützung erhält, bereits als "einzige Alternative" bezeichnet. Auch Matthias Sammer hält seinen Ex-Coach für den richtigen Mann. "Hitzfeld ist ein mehr als geeigneter Kandidat. Er wäre ein würdiger Nachfolger, seine Bilanz ist traumhaft", lobte der neue VfB-Trainer Sammer den ehemaligen BVB- und Bayern-Coach am Rande des Trainingsauftakts in Stuttgart am Samstag.

Völler-Vertrag aufgelöst

Eine Entscheidung wird erst nach der Europameisterschaft in Portugal, die am 4. Juli zu Ende geht, erwartet. Bis dahin nimmt Mayer-Vorfelder, der am Sonntag vom DFB-Quartier in Alamcil nach Lissabon umziehen wird, an Sitzungen der Uefa-Exekutive teil. Der endgültige Beschluss muss dann noch vom zwölfköpfigen DFB-Präsidium, dem unter anderem Beckenbauer und Liga-Präsident Werner Hackmann ("Es wird keinen Alleingang geben") angehören, abgesegnet werden.

In Bezug auf den Völler-Nachfolger hat der DFB inzwischen eine Informationssperre verhängt. "Der Präsident hat die Suche nach dem Bundestrainer zur alleinigen Chefsache gemacht. Zu inhaltlichen Vorstellungen und zeitlichen Abläufen gibt es zur Stunde nichts zu äußern", teilte DFB-Sprecher Harald Stenger mit. Auch sein engeres Umfeld wies Mayer-Vorfelder an, keine Wasserstandsmeldungen abzugeben.

Geld für ein Gehalt von Hitzfeld dürfte vorhanden sein, da Völler durch seinen Rücktritt als Teamchef auf rund fünf Millionen Euro Lohn verzichtet. Der Vertrag von Völler mit dem DFB wäre noch zwei Jahre bis 2006 gelaufen. "Es stimmt, Gerhard Mayer-Vorfelder und ich haben meinen Vertrag aufgelöst. Ich arbeite jetzt nicht mehr beim DFB, deswegen habe ich auch keinen Anspruch mehr auf das Geld", sagte der 44-Jährige der "Bild"-Zeitung. Auch der DFB bestätigte die Vertragsauflösung.

Derweil wird nach dem erneuten EM-Desaster die Kritik an Mayer-Vorfelder, aber auch an den Spielern lauter. Sowohl Felix Magath, künftiger Trainer bei Bayern München, als auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus haben zu einem Umdenken in allen Bereichen aufgefordert.

Matthäus schimpft auf MV

"Es muss endlich Tacheles gesprochen werden. Das Bild, das in den letzten Wochen entstanden war, ist erschreckend schlecht. Und an der DFB-Spitze zieht keiner Konsequenzen. Die Strategie beim DFB muss überdacht werden. Und dafür ist der Präsident verantwortlich", schimpfte der 150-malige Nationalspieler Matthäus in der "Bild"-Zeitung.

Mayer-Vorfelder sei für die Gesamtsituation im deutschen Fußball verantwortlich, "er gibt die Richtlinien vor. Im DFB steckt ein Virus, das sofort aufgefangen werden muss, sonst wird es auch 2006 bei der WM im eigenen Land ein böses Erwachen geben", erklärte der derzeitige Nationaltrainer Ungarns weiter. Zudem hätten die Spieler Rudi Völler bei der EM "im Regen stehen lassen". Deshalb dürfe der neue Bundestrainer "auf Namen und Verdienste keine Rücksicht nehmen".