Vogts-Einstand: Berti legt los - DER SPIEGEL
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Vogts-Einstand Berti legt los

Massenauflauf in Leverkusen. Rund 500 Zuschauer waren bei der ersten Trainingseinheit des neuen Coaches Berti Vogts. Der Kleinenbroicher wurde jedoch nicht nur mit offenen Armen empfangen.
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Leverkusen - Ein paar Besucher hatten ein riesiges Transparent zum Trainingsgelände des Vizemeisters in der Nähe der BayArena mitgebracht. "Lieber 'ne Nase Koks als Berti Vogts" hieß es in Anspielung auf den langjährigen Leverkusener Chefcoach Christoph Daum, der auf Grund seiner positiven Haaranalyse am 21. Oktober zurückgetreten war. Bei vielen Bayer-Fanklubs hatte es nach der Verpflichtung des ehemaligen Nationaltrainers, der am vergangenen Donnerstag vorgestellt worden war und die Nachfolge des allseits geschätzten DFB-Teamchefs Rudi Völler antritt, heftige Ablehnung gegeben.

Um Punkt 15.06 Uhr erschien der Bayer-Berti in Begleitung von Leverkusens Pressechef Uli Dost, Teambetreuer Hans-Peter Lehnhoff und seinem neuen Assistenten Wolfgang Rolff. Der ehemalige Chefcoach des SV Meppen, der selbst Bayer-Profi und am Uefa-Cup-Sieg 1988 beteiligt gewesen war, ist für die Zweikampfschulung verantwortlich. Pierre Littbarski, Technik-Coach in spe, und der künftige Torwarttrainer Harald "Toni" Schumacher fehlten hingegen beim ersten Aufgalopp. Die beiden Kölner Ex-Profis können ihre Tätigkeiten wegen anderweitiger Verpflichtungen erst im Januar aufnehmen. Die zwei, von Vogts gewünschten Konditionstrainer ("In den USA hat beim American Football fast jede wichtige Spielposition einen eigenen Trainer. Unsere Pflicht ist es, das exklusive Material ständig zu verbessern") waren ebenfalls noch nicht dabei.

Einige Zuschauer zollten dem 96-maligen Nationalspieler und Weltmeister von 1974, der erstmals als Bundesliga-Trainer arbeitet, spontan Beifall. "Danke für den guten Empfang. Es war grandios", sagte Vogts zum Publikum. Im schwarzroten Bayer-Anzug stellte sich der Neu-Coach auf dem Weg zum Trainingsplatz wiederholt zum Foto mit den Fans und schrieb fleißig Autogramme. Leverkusens Trikot-Sponsor hatte anlässlich des Premierentages 100 weiße T-Shirts mit dem Aufdruck "Willkommen Berti" und überdimensionale Sitzkissen in Form von Händen verteilt. Eine derartig große Zuschauer-Resonanz hatte es in der Bayer-Geschichte bislang noch nicht gegeben. Selbst bei Christoph Daums Verpflichtung vor vier Jahren war das öffentliche Interesse geringer gewesen.

Beim ersten Training standen dem Wiedereinsteiger, der seit seinem Rücktritt als Bundestrainer pausiert hatte und in Leverkusen einen Vertrag bis 30. Juni 2003 unterschrieben hat, allerdings nicht alle Profis zur Verfügung. Aufgrund der Länderspiele am Mittwoch fehlten etliche Nationalspieler. Das wird am kommenden Sonnabend anders sein. Dann gibt der 53-Jährige im Bundesligaspiel beim HSV sein Debüt als Coach einer Vereinsmannschaft. Vogts kündigte schon einmal an, die ersten 30 Minuten eines Spiels künftig von der Tribüne aus beobachten zu wollen.

Alex Ferguson vom englischen Abonnementsmeister Manchester United handhabe das auch so. "Ich will das Spiel von oben sehen. Nur aus dieser Perspektive kann ich mir schnell einen Eindruck über System, Raumaufteilung und die Spielweise des Gegners verschaffen", stellte Vogts vorab klar. Bange ist dem einstigen "Terrier vom Bökelberg" - Vogts spielte lange bei Borussia Mönchengladbach - vor seinem Einstieg nicht: "Immerhin habe ich schon 19 Jahre beim Deutschen Fußball-Bund gearbeitet. Das ist auch etwas."

Wie schon 1990, als Berti Vogts das Bundestrainer-Amt von Weltmeister-Coach Franz Beckenbauer übernahm, tritt Vogts in Leverkusen ein schweres Erbe an. Vor allem die große Popularität seines Vorgängers Rudi Völler, der nach der Kokain-Affäre um Christoph Daum als Bayer-Interimscoach in vier Bundesligaspielen ohne Niederlage und Gegentor blieb, könnte sich als schwere Hypothek erweisen. Gleichwohl sieht Vogts, der von 1979 bis 1998 beim DFB beschäftigt war und 1996 den EM-Titel holte, der neuen Aufgabe mit großer Zuversicht entgegen.

Seine erste Dienstreise am vergangenen Wochenende war hingegen ein absoluter Flop gewesen. Der Bundesliga-Novize weilte zwecks Spielerbeobachtung in Argentinien. Wegen starker Regenfälle musste das Spiel in Buenos Aires nach 37 Minuten abgebrochen werden. Die zweite Partie auf Vogts' Tourplan wurde sogar abgesagt.

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