Wandervogel Feinbier: "Umziehen ist wie Urlaub" - DER SPIEGEL
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Wandervogel Feinbier "Umziehen ist wie Urlaub"

Als Nachwuchsspieler zog es Marcus Feinbier, 35, von Berlin nach Leverkusen. Inzwischen hat der Fußballprofi des Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth etliche Ortswechsel hinter sich. Im Interview spricht der Stürmer über ramponierte Küchen, Kindergärten und Dreckwäsche.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frage:

Herr Feinbier, kennen Sie eigentlich das Gefühl von Heimweh?

Feinbier: Aber ja! Mit Anfang 20 hatte ich nach sieben Jahren Leverkusen ziemliches Heimweh und wollte zurück nach Berlin. Bei der Hertha lief es aber nicht für mich. Also bin ich nach Wuppertal. Als der Verein abgestiegen ist, bin ich dann nach Aachen. Und da ...

Frage: Langsam, nach einem Jahr stand also schon wieder der nächste Umzug an?

Feinbier: Na klar, ich habe eben keine Lust, jeden Tag 150 Kilometer zu fahren. Auch als ich dann nach Wattenscheid verkauft werden musste, kam der Möbelwagen. Dann ging es für ein Jahr weiter nach Nürnberg, dort kam ich mit den Trainern aber überhaupt nicht zurecht. Gut, dass mich mein ehemaliger Wattenscheider Coach Jupp Tenhagen anrief, der mittlerweile in Ahlen arbeitete. Dort war ich dann für dreieinhalb Jahre, ehe ich nach Fürth ging.

Frage: Fürth und Nürnberg liegen dicht beieinander. War es dieses Mal wie eine Rückkehr?

Feinbier: Ja, zumal wir in dem einen Jahr in Nürnberg einige Menschen kennen gelernt haben, zu denen der Kontakt nie abgerissen ist. Da sind richtig Freundschaften entstanden. Wie in jeder Stadt, in der wir bisher waren. Ich habe an alle meine Stationen gute Erinnerungen. Wir hatten in Ahlen eine super Wohnung, nah am Wald und an den Feldern. In Warendorf, ganz in der Nähe, stehen noch heute unsere Pferde. Und in Bochum wohnten wir direkt an einem See.

Frage: Und wer organisiert denn bei den Feinbiers den ganzen Umzug?

Feinbier: Alleine hätte ich da manchmal Riesenprobleme gehabt. Wenn meine Frau sich umschaut, weiß ich, dass sie was Schönes findet. Wir leben lieber ein bisschen außerhalb, der Kindergarten muss in der Nähe sein, dazu ein paar Spielplätze.

Frage: Richtet man sich eigentlich bei jeder neuen Wohnung komplett neu ein?

Feinbier: Die Küche leidet am meisten unter den Umzügen, die musst du dir eigentlich fast immer neu holen. Meine Frau packt, ich darf da aber immerhin etwas helfen. Erst zum Schleppen kommt dann der Umzugsdienst. Für mich ist Umziehen mittlerweile wie Urlaub, das ist alles eingespielt. Wenn ich noch im Hotel bin, kommt dann meine Frau irgendwann, sucht nach einer Wohnung und nimmt auf dem Rückweg die Dreckwäsche mit.

Frage: Und wenn sich die Kinder eingelebt haben, müssen Sie wieder wegziehen.

Feinbier: Wir wollten das auch schon zu Beginn meiner Laufbahn so einrichten, dass mein Karriereende ansteht, wenn die Kinder in die Schule kommen. Das könnte genau hinkommen. Wahrscheinlich lassen wir uns dann irgendwo im Westen nieder. Meine Frau hat schon sehr Heimweh nach ihren Eltern und Freunden, sie hat ja so viel entbehren müssen die ganzen Jahre.

Die Fragen stellte Christoph Ruf