Weltmeister-Idee: Straßenfußballer per Internet - DER SPIEGEL
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Weltmeister-Idee Straßenfußballer per Internet

Jürgen Klinsmann hat in Amerika das Internet kennen gelernt - und ist begeistert. Jetzt will der Schwabe das Netz nutzen, um die so dringend benötigten Straßen- oder auch Wiesenfußballer zu finden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Los Angeles/Neuss - "Wir haben keinen Straßenfußball mehr. Wir müssen die Kids wieder dazu bringen, den Ball zu nehmen, auf die Wiese zu gehen und zu kicken", meint Klinsmann. Das will der frühere Kapitän der Nationalelf und Weltmeister von 1990 mit Hilfe einer Website erreichen. Unterstützung erhält er von seinen sechs Weltmeister-Kollegen Andreas Brehme, Guido Buchwald, Jürgen Kohler, Andreas Köpke, Pierre Littbarski und Stefan Reuter sowie anderen prominenten Fußballern.

Unter dem Motto "Mit Spaß und Freude zurück an die Spitze" wollen die Promis die Kicker von morgen für den Fußball begeistern - "mit fetzigen Video-Clips, die einfach, verständlich und locker Trainingsübungen erklären, mit Tipps von Trainern und Profis". Der Fußball von heute sei in Deutschland viel zu erfolgsbesessen, "jeder F-Jugendtrainer will gewinnen, der Spaß kommt zu kurz".

Entstanden ist die Idee im DFB-Trainerlehrgang für verdiente Nationalspieler, bei dem Klinsmann und Co. im Juni die Fußballlehrer-Lizenz erwarben. Teilnehmer und Dozenten gründeten nach der erfolgreichen Prüfung die Stiftung Fußballforschung, "um neue Ideen für den deutschen Fußball zu entwickeln", wie Klinsmann erklärt. Im Stiftungsvorstand sitzen neben Klinsmann noch der Paderborner Leistungsdiagnostiker Professor Heinz Liesen, Trainer Joachim Löw, Ex-Profi Stefan Kuntz und das Bremer Bundesliga-Urgestein Dieter Eilts.

Der Internet-Auftritt der Weltmeister ist das erste große Projekt der Stiftung. "Wir wollen die Kids direkt ansprechen", erklärt der 36-jährige Klinsmann, der in seiner Wahlheimat Kalifornien "an einer Technologie-Universität Wissen über das Internet" gesammelt hat.

Aber auch Jugendtrainer sollen auf der Website fündig werden, Vorschläge für die Trainingsgestaltung und pädagogisches Material herunterladen können. Zudem wollen die Stiftungsgründer eigene Homepages ins Netz stellen. Denn: "Die Kids gehen auf Namen", sagt Klinsmann.

Vor dem Start wartet noch einige Arbeit. "Wir müssen erst Stiftungsvermögen aufbauen", sagt Klinsmann, der das Projekt bereits Gerhard Schröder vorstellte: "Er fand es überfällig, dass so etwas kommt." Und der Bundeskanzler ebnete den Weg: Auf Einladung Gerhard Schröders stellt sich die Stiftung Ende September der "Initiative D 21", einem Zusammenschluss deutscher High-Tech-Unternehmen, vor.

Auch auf ideelle Unterstützung vom Deutschen Fußball-Bund hoffen die Initiatoren. Klinsmann: "Wir wollen keine Konkurrenz zum DFB sein. Wir wünschen uns, dass der DFB die Idee positiv aufnimmt und wir eine Partnerschaft aufbauen. Denn das Thema geht in Deutschland alle an".