Weltmeister-Jubiläum Torrausch in Rom
Rom - Franz Beckenbauer strahltewie einst und staunte nicht schlecht über die filigranen fußballerischen Fähigkeiten von "Bleifuß" Michael Schumacher. "Er hat mich überrascht. Michael hat einfach den Turbo eingeschaltet und uns mit seinen zwei tollen Toren das Leben schwer gemacht", lobte der "Kaiser". Auf den Tag genau zehn Jahre nach dem WM-Triumph von 1990 in Rom feierte die deutsche Weltmeister-Elf um ihren Teamchef Beckenbauer ihr Jubiläum mit einem Benefizspiel gegen eine Formel-1-Auswahl mit WM-Spitzenreiter Schumacher und gewann 8:4 (4:2).
Der rennfahrende Hobbykicker gab das Lob zurück und zollte den Herren Fußball-Profis nach dem Zieleinlauf seine ganz persönliche Anerkennung. "Fußballspielen ist anstrengender als das Ganze auf der Strecke. Die Belastung hier ist einfach viel höher. Es hat aber viel Spaß gemacht", sagte Ferrari-Star Schumacher, der zwar zwei Treffer erzielte, aber mit einem Elfmeter an Andreas Köpke scheiterte.
Angst um seine Knochen habe er indes nicht gehabt: "Ich wusste, dass sie Profis sind, keine unnötigen Fouls machen. Die wissen, wo Ball und Beine sind", meinte Schumacher, der gelegentlich für einen Schweizer Viertligisten die Stollenschuhe schnürt. Die meisten der rund 10.000 Tifosi im Flaminio-Stadion jubelten "Schumi" euphorisch zu und bedachten nebenbei seinen Haupt-Konkurrenten um die WM-Krone, David Coulthard, mit abfälligen Sprüchen. "Ganz Italien wartet auf den Titel von Schumacher. Das hat man heute gemerkt", erklärte der neue DFB-Teamchef Rudi Völler.
Im Blickpunkt stand auch Schumachers "Trainer" Gabriel Batistuta. Der Argentinier, der das Formel-1-Team betreute, ist nach seinem Wechsel vom AC Florenz zum AS Rom der große Hoffnungsträger der Römer.
"Kaiser Franz" indes genoss die Rückkehr an die historische Stätte ("ein wunderbares Erlebnis") zwei Tage nach der Vergabe der WM 2006 an Deutschland gewohnt gelassen an der Seitenlinie. Seine Schützlinge von einst gaben auf dem Feld Gas. "Ich konnte mich so richtig austoben. Toll, dass wir gegen so ein prominentes Team die Erinnerungen an die phantastische Nacht genießen konnten", lobte Jürgen Klinsmann. Der Wahl-Amerikaner erzielte drei Tore.
Frank Mill (2), Uwe Bein, Thomas Häßler sowie Völler machten den Sieg der DFB-Elf perfekt, die am Abend zuvor in ihrem früheren Mannschaftsquartier Villa Borghesiana Wiedersehen gefeiert hatte. Bei den Weltmeistern von 1990 fehlten Bodo Illgner, Nürnberg-Trainer Klaus Augenthaler, Jürgen Kohler, Günter Hermann, Olaf Thon und Andreas Möller.
Die Einnahmen in Höhe von rund 50.000 Mark fließen wohltätigen Organisationen zu, darunter dem vom Schumacher unterstützen Unesco-Projekt "Kinder in Not". "Im vergangenen Jahr sind bei zehn Benefizspielen rund 3,5 Millionen Mark zusammen gekommen", betonte Schumacher.