Werder Bremen Chance fürs Rückspiel gewahrt
Parma - Während des Rückflugs hing Frank Baumann noch mit verkniffenem Gesicht in seinem Sitz, nach der Landung war sein Blick schon nach vorne gerichtet. "Parma ist nicht in bester Verfassung, das war deutlich zu sehen. Unsere Chancen auf die nächste Runde sind nicht schlecht", verbreitete der Abwehrchef von Werder Bremen tapfer Optimismus. Der verlorene Zweikampf mit Daniel Ortega, Ausgangspunkt der 0:1 (0:1)-Niederlage der Hanseaten im Achtelfinal-Hinspiel des Uefa-Pokals bei Cup-Verteidiger AC Parma, war da schon wieder abgehakt.
Zumal die Teamkollegen sich jedes kritischen Wortes gegenüber dem ansonsten nahezu fehlerfreien Abwehrspieler enthielten. Baumann selbst behauptete, vom Argentinier am Trikot gezogen worden zu sein, Trainer Thomas Schaaf wollte die Entscheidung von Schiedsrichter Michel Piraux aus Belgien "wie immer nicht kommentieren". Fakt war: Sekunden nach diesem Lapsus erzielte Hernan Crespo in der fünften Minute den Treffer des Tages.
Ein Tor, das die krisengeschüttelten Gastgeber stabilisierte und den Bundesliga-Vierten zum Handeln zwang. Die schön anzuschauenden und flüssigen Kombinationen der Gäste endeten allerdings nahezu immer am Strafraum des Gegners. Die fehlende internationale Erfahrung von Ailton und Claudio Pizarro war fast mit Händen zu greifen, schmerzlicher denn je wurde in der Offensive der an Achillessehnenbeschwerden laborierende Marco Bode im Tardini-Stadion vermisst.
"Das Ergebnis ist nicht so schlecht, aber im Abschluss waren wir einfach zu ungefährlich", kritisierte Sportdirektor Klaus Allofs die mangelnde Durchschlagskraft der beiden Südamerikaner. Schaaf fatalistisch: "Man hat immer das verdient, was man bekommt."
Doch wer gegen Olympique Lyon ein 0:3 aufholen kann, ist nach einem 0:1 gegen den AC Parma im Kampf um einen Platz im Viertelfinale noch längst nicht aus dem Rennen. "Die Italiener sind sicherlich einen Tick stärker als die Franzosen, aber diesmal müssen wir ja kein totales Risiko eingehen", meinte Baumann vorausblickend. Und auch Schaaf erklärte selbstbewusst: "Wir haben uns etwas für's Rückspiel aufgehoben und können in Bremen alles klarstellen."
Doch mindestens ein Tor muss im schon jetzt fast ausverkauften Rückspiel am 9. März (20.45 Uhr) her, wenn die Hanseaten im europäischen Millionenspiel bleiben wollen. "0:1 auswärts ist immer ein gefährliches Resultat, aber auch bei einem 0:0, das wir meiner Meinung nach verdient gehabt hätten, wäre der Druck, einen Treffer erzielen zu müssen, dagewesen", formulierte Allofs. Im Klartext: Ein Auswärtstor wäre wichtig gewesen, doch davon waren die Norddeutschen vor nur 8.362 Zuschauern in Parma weit entfernt.
Genau dies traut Parma-Coach Alberto Malesani seinen Schützlingen im Weserstadion zu. "Wir werden dort keine Angst haben, denn wir haben den Umschwung geschafft", äußerte der Trainer des italienischen Pokalsiegers, über dessen Ablösung nach acht Spielen ohne Sieg in der Stadt des Schinkens bereits heftig diskutiert wurde. Torschütze Crespo ergänzte grinsend: "Wir kommen bestimmt weiter, diese Deutschen sind einfach nicht clever genug."
Im zweiten Achtelfinalspiel am Dienstag schlug Slavia Prag den italienischen Vertreter Udinese Clacio mit 1:0.