Werder Bremen Frust nach der Lehrstunde
London - Bei Werder Bremen muss erst mal der Frust abgebaut werden. "An ein erneutes Wunder mag ich noch nicht glauben. Ich muss erst einmal Abstand gewinnen. Aber möglich ist bei uns alles", schwankte Nationalspieler Marco Bode nach der enttäuschenden 0:2-Hinspielniederlage im Uefa-Cup-Viertelfinale bei Arsenal London zwischen Skepsis und Zuversicht. Vor der zweiten Partie am Donnerstag (20.30 Uhr/ARD) im Weserstadion macht das Prinzip "Hoffnung auf das Rückspiel" bei den Norddeutschen wieder die Runde. Der Enttäuschung im Highbury-Stadium folgte am Donnerstagabend Ärger und zusätzlicher Frust auf dem Flugplatz Luton. Das britische Bodenpersonal sorgte mit einer schleppenden Abfertigung für eine Verspätung des Rückfluges von 90 Minuten. Erst am frühen Freitagmorgen landete das Werder-Team in Bremen.
Eine Halbzeit lang waren die Bremer auch auf dem Spielfeld oft zu spät gekommen. Trainer Thomas Schaaf versuchte seine Skepsis für die Neuauflage zu verdrängen: "Wir werden uns ganz anders präsentieren. Mut und Aggressivität, die uns sonst ausgezeichnet haben, werden wir dann in die Waagschale werfen. FC Arsenal war zu Hause eine Macht. Das wollen wir in Bremen auch demonstrieren." Dann lobte der Werder- Coach den Gegner in höchsten Tönen: "Wir haben gegen eine Weltklassemannschaft gespielt. Keiner darf vergessen, wer wir sind. Vor ein paar Wochen hat niemand im Traum an den FC Arsenal gedacht. Dort saßen drei Nationalspieler auf der Bank, die erst spät eingewechselt wurden."
Arsenals französischer Trainer Arsène Wenger gab sich nach dem verdienten Sieg, den Thierry Henry (22.) und Fredrik Ljungberg (76.) vor 38.009 Zuschauern sichergestellt hatten, britisch bescheiden: "Wir haben ein gutes Ergebnis erreicht. Weiter sind wir damit aber noch nicht. Die Chancen stehen 50:50. Wir müssen in Bremen schon ein Tor erzielen. Zwei Treffer Vorsprung sind kein Ruhekissen." Er will den SV Werder deshalb am Sonntag im Auswärtsspiel beim TSV 1860 München beobachten lassen.
Die englischen Medien feierten den elfmaligen Landesmeister. "Es gibt nur wenige Dinge im Leben, die schöner sind als ein Sieg einer englischen Mannschaft über ein deutsches Team auf dem Fußballfeld. Selbst wenn in diesem Spiel ein Franzose und ein Schwede die Tore erzielten", schrieb der "Daily Express". "Keiner hatte erwartet, dass die Deutschen die Vorsicht aus dem Fenster werfen, aber ihrer Leistung fehlten positive Gedanken und taktischer Mut", kritisierte der "Daily Telegraph" das schlappe Auftreten des DFB-Pokalsiegers. Auch die deutschen Fans waren nicht begeistert. Nur 2,8 Millionen TV-Zuschauer verfolgten im Schnitt die DSF-Übertragung.
Für Bremens Sportdirektor Klaus Allofs hat die Mannschaft trotz der Niederlage einen großen Schritt nach vorn gemacht: "Sie hat wieder dazugelernt. International kann man nur bestehen, wenn die Zweikämpfe erfolgreich bestanden werden. Das war in London nicht der Fall. Ohne eine echte Torchance sind Lorbeeren nicht zu ernten." Andreas Herzog zeigte sich enttäuscht: "Es wird schwer, diesen Rückstand aufzuholen. Der FC Arsenal war stärker als der AC Parma und Olympique Lyon. Aber wir werden zu Hause alles probieren, um das Halbfinale zu erreichen."