Werder siegt durch emotionales Weiser-Tor »Für alle Fußballromantiker – herzlich willkommen im Weserstadion!«
Mitchell Weiser bei den Werder-Fans
Foto: osnapix / Michael Titgemeyer / IMAGOEs gibt die Erzählung, dass Flutlichtabende im Weserstadion zu Bremen den Hang zum Besonderen haben. Große Spiele, spektakuläre Aufholjagden, unwahrscheinliche Geschichten finden ihren Platz unter den vier markanten Flutlichtmasten, die die Bremer Stadtsilhouette prägen. Jetzt, so könnte man den Samstag interpretieren, reicht Werder Bremen dafür sogar ein grauer Nachmittag.
In der dritten Minute der Nachspielzeit des Bundesligaspiels gegen den FC Augsburg erreichte der Ball den Bremer Mitchell Weiser an der Strafraumkante. Im ersten Kontakt schoss der 32-Jährige, der erst vergangene Woche aus einer 14 Monate langen schweren Knieverletzung zurückgekehrt war, mit dem schwächeren linken Fuß über das Standbein in den rechten Winkel.
Schöner und emotionaler, ob des Schusses und der Geschichte, die mit Weisers Bein mitschwang, kann ein Fußballmoment kaum sein. Weisers Teamkollegen stürzten auf ihn zu, er selbst schien irgendwelche Sachen in den Bremer Frühherbsthimmel zu brüllen. Werder gewann das Spiel.
Grün-weiße Freude in Bremen
Foto: David Inderlied / dpa»Was soll ich sagen? Das ist unbeschreiblich und fühlt sich wirklich an wie ein Traum«, sagte Weiser hinterher. »Es ist etwas Besonderes, und ich weiß das auch sehr zu schätzen: die ganzen Nachrichten, die mir geschrieben wurden über die Zeit. Die Jungs, die mich hier immer unterstützen. Der Trainer, der mir das auch ermöglicht hat. Ich bin wirklich froh, dass ich heute so ein bisschen zurückgeben konnte. Dafür bin ich sehr dankbar.«
»Verrückt«, »unfassbar«
Der frühere Profi von Bayern München und Bayer Leverkusen hatte im Juli 2025 einen Kreuzbandriss im Knie erlitten und die komplette vergangene Saison verpasst. Auch Trainer Daniel Thioune fand für dieses Comeback überschwängliche Worte. »Dass Mitchell Weiser das Ding eingeschweißt hat: für alle Fußballromantiker – herzlich willkommen im Weserstadion!«, sagte Thioune. »Das war verrückt. Das hat unfassbar viele Emotionen in uns ausgelöst.«
Werders Trainer beschrieb aus diesem Anlass noch einmal den großen Ehrgeiz seines erfahrenen Spielers: »Selbst bei 2:2 wollte er nicht 2:2 spielen, sondern hat gesagt: Komm, wir machen noch eins«, sagte Thioune über Weiser. »Wenn man Mitch kennenlernt: Er ist ein Mentalitätsspieler. Selbst gestern hatten wir ein kleines Abschlussspiel von zweimal dreieinhalb Minuten. Seine Mannschaft hat 0:1 zurückgelegen, und er hat Gas gegeben ohne Ende.«
Nach vier Saisonspielen steht Werder auf einem guten sechsten Rang. Sehr gut sogar, wenn man bedenkt, dass die Fans nach der Transferperiode schon eine Untergangsstimmung ausgerufen hatten (mal abgesehen von der Rückkehr Niclas Füllkrugs ). Aber wer braucht schon Neuverpflichtungen, wenn man Spieler hat, die derart aus einer Verletzungspause kommen? Trainer Thioune, der erst im vergangenen Winter kam, hatte über Weiser bereits vor dessen Comeback als Sommerzugang gesprochen.
Nach dem Schlusspfiff feierten Weisers Mitspieler ihn im Mittelkreis. Die Fans forderten ihn auf den Zaun. Die Stimmung rund um das Weserstadion war schon schlechter in den vergangenen Monaten.