Werder Bremen "Wir hatten keine Chance"
Berlin - Nachts um halb zwölf war beim SV Werder die Welt wieder in Ordnung: Marco Bode hatte sein Lachen zurückgefunden, Trainer Thomas Schaaf ließ sich das Mitternachtsbuffet schmecken und der Bremer Vorstandsvorsitzende Jürgen Born war bereits wieder zu Scherzen aufgelegt. "Wir hatten keine Chance, denn unsere Taktik beruhte darauf, dass Jens Jeremies ein bis zwei Eigentore erzielen würde, aber der hat sich gar nicht erst im eigenen Strafraum sehen lassen", flachste der Klubchef zwei Stunden nach Werder Bremens 0:3-Niederlage im DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern.
Je später der Abend wurde, desto mehr wich beim unterlegenen Titelverteidiger die erste Enttäuschung dem positiven Gesamtbild. "Wir lassen uns eine gelungene Saison nicht durch ein schlechtes Spiel kaputt machen", sagte Schaaf und wandte sich wieder seinem Früchtedessert zu. Das Saisonziel hatten die Hanseaten mit der erneuten Qualifikation für den Uefa-Cup schon vorher erreicht, die verpasste Krönung der überaus erfolgreichen zwölf Monate seit dem sensationellen Vorjahressieg über den selben Gegner ließ sich angesichts von knapp 20 Millionen Mark Mehreinnahmen aus Uefa-Cup und Pokalwettbewerb verschmerzen.
"Wenn man sieht, mit welchen Spitzen-Klubs wir uns gemessen haben, ist die Saisonleistung der Mannschaft gar nicht hoch genug zu bewerten", erklärte der Werder-Coach. Besonders im Uefa-Cup hatten die Bremer mit ihren tollen Auftritten gegen Olympique Lyon und den AC Parma begeistern können. Dass die 76.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion davon nichts zu sehen bekamen, wurmte den 39-Jährigen dennoch: "Wir hatten nicht mehr die Mittel, um uns gegen dieses Bayern-Team erfolgreich zu wehren, und von Frank Rost einmal abgesehen ist mir kein Spieler positiv aufgefallen - leider ist das der momentane Ist-Zustand."
Entsprechend groß ist nun die Herausforderung der Zukunft. "Wir müssen sehen, dass wir vernünftig in die Verstärkung der Mannschaft investieren", erklärte der Werder-Coach mit Blick auf die nächste Saison: "Es wird schwer genug, noch einmal das zu erreichen, was uns in dieser Saison gelungen ist. Wenn wir das sogar noch toppen wollen, müssen wir unbedingt noch zulegen." Das sechste Pokalfinale innerhalb von elf Jahren hatte trotz der Schlappe Lust auf mehr gemacht. "Es ist ganz einfach ein Fußball-Fest, das riesen Spaß macht, man hat überall die tolle Atmosphäre gespürt", meinte Torwart Rost, der beim Elfmeterschießen im vergangenen Jahr noch Bremens Pokalheld war: "Ich hoffe, dass das nicht unser letzter Auftritt in Berlin war." Auch Werder-Boss Born hatte das nächste Endspiel schon wieder im Hinterkopf: "Der Pott geht nur vorübergehend nach München, aber wir sehen uns auf jeden Fall wieder."