Werder gegen Frankfurt Bayern-Gen im Weserstadion
Werder-Trainer Schaaf: Zum Aufhören ist es noch viel zu früh
Foto: PHILIPP GUELLAND/ AFPDie Ausgangslage: War völlig eindeutig. Wenn Werder gewinnt, die Konkurrenz aber auch, dann könnte das für Werder zwar ein Schritt zur Rettung sein. Muss aber nicht so sein. Wenn Werder Remis spielt, und die Konkurrenz punktet ebenfalls, dann ist weiter alles möglich. Wenn Werder verliert, dann ist es egal, wie die Konkurrenz abschneidet. Dann bleibt es ganz eng. Mit anderen Worten: Eigentlich war alles möglich. Für Gegner Frankfurt, der um die Europacup-Plätze mitspielt, galt übrigens das gleiche.
Das Ergebnis: Werder spielt am Ende 1:1. Tore fielen durch Kevin de Bruyne (22. Minute, knapp nicht Abseits) für Bremen und Sdrjan Lakic (51., knapp Abseits) für die Eintracht. Die Bremer Konkurrenz aus Hoffenheim (gegen den HSV) und Augsburg (beim FC Bayern) verliert, und Werder ist gerettet. Frankfurt befindet sich auf Platz sechs noch gerade so auf einem Europacup-Platz. Zwischen Champions League, Europa League und gar keiner League ist für die Eintracht jetzt noch alles möglich.
Die erste Halbzeit: Werder ist die bessere Mannschaft. Logisch, dass das Team in Führung geht und diese auch bis zum Ende behält.
Die zweite Halbzeit: Frankfurt ist die bessere Mannschaft. Logisch, dass das Team den Ausgleich macht. Insgesamt ein verdientes Unentschieden.
Spieler des Spiels: Kevin de Bruyne hat Werder zum Klassenerhalt geschossen. Es dürfte der letzte Liebesdienst gewesen sein, den die Leihgabe des FC Chelsea den Grün-Weißen erwiesen hat. Der Belgier wird künftig nach den Gesetzmäßigkeiten des Marktes aufgrund undurchsichtiger Tausch-, Leih- und Kaufgeschäfte wahrscheinlich gleichzeitig in Dortmund und Leverkusen spielen, von Chelsea zeitweise bezahlt werden und in der Champions League für Real Madrid auflaufen. Bremen wird von Ferne zuschauen und ihn vermissen.
Duell des Spiels: Nils Petersen gegen das gegnerische Tor. Ein mittlerweile ungleiches Duell, weil der Sieger am Ende immer derselbe ist. Und er heißt nicht Nils Petersen. Seit Mitte Februar ist der Torjäger der Bremer außer Dienst. Gegen Frankfurt mühte er sich.
Wechsel des Spiels: In der 88. Minute war es wieder einmal so weit für Stefan Aigner. Die Tafel an der Auslinie wurde hochgehalten, und Aigner machte das, was er fast immer macht: Er trottete zur Auswechslung. Zum 24. Mal wurde der Angreifer in dieser Spielzeit vorzeitig vom Platz genommen. Nur der wegen seiner fußballerischen Defizite legendäre Schalker René Eijkelkamp wurde in der Bundesliga noch öfter in einer Saison ausgetauscht: 25-mal.
Taktik des Spiels: Von Bayern lernen heißt siegen lernen. Also wurden vor der Partie Klatschpappen, wie sie auch in der Arena in Fröttmaning Usus sind, im Publikum verteilt, und Werder-Coach Schaaf stellte einen Kroos in die Startformation. Sofort war das Meister-Gen überall im Weserstadion spürbar.
Euphoriker des Spiels: "Wir freuen uns jetzt." Thomas Schaaf ging nach dem rettenden Punktgewinn endlich einmal so ganz aus sich heraus. Mit demselben Gesicht, das er dabei auflegte, würde er wohl auch seine fristlose Entlassung kommentieren.
Jubiläum des Spiels: Vor exakt 14 Jahren, am 11. Mai 1999, sicherte ein junger Trainer Werder Bremen durch einen 1:0-Erfolg über Schalke 04 den Klassenerhalt. Wer aus der Geschichte nicht lernt, muss sie wiederholen. Am 11. Mai 2013 sichert ein nicht mehr ganz so junger Trainer durch ein Remis gegen Eintracht Frankfurt den Klassenerhalt. Zum Aufhören ist es für Thomas Schaaf eigentlich noch zu früh. Ihm fehlen immerhin noch zwei Jahre zu Helmut Kohl.
Wunder von der Weser: Das Publikum jubelt, wenn Tore des Hamburger SV und des FC Bayern München fallen. Ob Willi Lemke das gefallen hat?